Wie finanziere ich mein Studium? – Seite 1

300 Euro oder 1.500 Euro im Monat? Minijobber, Werkstudent oder Ferienjobber?

Studentenjobs

Für Miete, Reisen und Festivals muss es reichen: 864 Euro im Monat haben deutsche Studenten durchschnittlich zur Verfügung. Die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks ergab, dass jeder dritte Student Bafög bezieht, sechs Prozent einen Studienkredit aufnehmen und zwei Drittel neben der Uni jobben. Damit verdienen sie im Schnitt zehn Euro pro Stunde und zwischen 300 und 450 Euro im Monat. Nur: Was muss man beachten, wenn man als Student arbeitet? Wie viel darf man verdienen? Was steht im Vertrag? Und wie unterscheiden sich die Nebenjobs?

Minijobber

DAS KANN MAN ERWARTEN: Kellnern, im Callcenter arbeiten oder am Obststand Erdbeeren verkaufen sind typische Beispiele für einen 450-Euro-Minijob. Man kann auch als studentische Hilfskraft an der Uni, als Fitnesstrainerin und gleichzeitig als Messehostess jobben, solange man im Schnitt nicht mehr als 450 Euro im Monat verdient, beziehungsweise 5.400 Euro im Jahr. Arbeitnehmer sind mit der Arbeitseinteilung oft flexibel: Zum Semesterbeginn oder in den Ferien können Minijobber mehr Schichten übernehmen und dafür in der Klausurenphase weniger arbeiten.

DAS SPRINGT RAUS: Minijobber unterscheiden sich arbeitsrechtlich nicht von Vollzeitbeschäftigten: Der Arbeitgeber muss Sozialabgaben leisten. Minijobber haben Kündigungsschutz, bekommen Urlaubsgeld und Lohnfortzahlung, falls sie krank werden. Man darf 450 Euro verdienen, ohne Steuern abführen zu müssen. Auch von der Einzahlung in die Rentenkasse kann man sich befreien lassen, wenn man die entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag ausdrücklich ablehnt. Für den Lohn gilt: Brutto ist gleich netto. Der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde muss auch in Minijobs gezahlt werden. Zweimal im Jahr ist ein Zusatzverdienst durch unvorhersehbare Mehrarbeit möglich, weil man zum Beispiel eine kranke Kollegin vertritt.

Werkstudent

DAS KANN MAN ERWARTEN: Eine Stelle als Werkstudent findet man in technischen und naturwissenschaftlichen Branchen zum Beispiel in der Qualitätsprüfung oder in der System- oder Softwareentwicklung von Unternehmen. Und bei Wirtschafts- und Geisteswissenschaftlern im Marketing, Vertrieb oder Personalwesen. Viele kommen über ein Praktikum an die Stelle, ansonsten sollte man sich ein Jahr im Voraus bewerben. Während der Vorlesungszeit können Werkstudenten 20 Stunden pro Woche arbeiten, ohne sozialversicherungspflichtig zu werden. In den Semesterferien sogar Vollzeit.

DAS SPRINGT RAUS: Als Werkstudent zu arbeiten ist die beste Möglichkeit, um neben dem Studium Geld zu verdienen und gleichzeitig Praxiserfahrungen zu sammeln: Meistens ist man in Projekten beschäftigt, die eng mit dem Studium verknüpft sind. Das Gehalt handelt man individuell aus. Zwischen 12 und 15 Euro pro Stunde sind üblich. Meist wünschen sich Vorgesetzte eine Zusammenarbeit über mehrere Semester. Wer sich bewährt, hat gute Chancen, später die Abschlussarbeit im Unternehmen zu schreiben oder sogar ein Jobangebot zu bekommen. Immer mehr Firmen haben auch interne Talent-Netzwerke, in denen man als Werkstudent ein Profil hinterlegen kann und so über offene Stellen und Einstiegsprogramme informiert wird.

Ferienarbeiter

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 4/16.

DAS KANN MAN ERWARTEN: Mit einem Ferienjob kann man Uni und Geldverdienen sauber voneinander trennen: Im Semester wird ungestört studiert, in der freien Zeit der Kontostand aufgebessert. Beliebte Ferienjobs sind Produktions- oder Logistikhelfer. Auch Hotels in der Tourismusbranche stellen gerne Studenten als Animateure oder Servicekräfte ein. Oft werden die Jobs von Personaldienstleistungsunternehmen vermittelt, die sich um Einstellungen, Schulungen und Gehaltsabrechnungen der Ferienkräfte kümmern. Ein Ferienjob wird immer als befristetes Arbeitsverhältnis vergeben. Gesetzliche Regelungen wie Urlaubsanspruch gelten für Ferienjobber genauso wie für unbefristete Angestellte.

DAS SPRINGT RAUS: Selbst mit dem Mindestlohn kommen bei einem Ferienjob mit einer 40-Stunden-Woche 1.500 Euro im Monat zusammen. Sozialversicherungspflichtig wird der Ferienjob erst, wenn die Beschäftigung mehr als 70 Arbeitstage im Kalenderjahr umfasst oder wenn man sich zu dem Zeitpunkt in einem Urlaubssemester befindet. Verdient man mehr als 900 Euro im Monat, muss der Arbeitgeber die Lohn- und gegebenenfalls Kirchensteuer sowie den Solidaritätszuschlag einbehalten und an das Finanzamt abführen. Das Geld ist aber nicht weg: Bleibt das Jahreseinkommen unter dem Grundfreibetrag von 8.652 Euro, bekommt man es im Rahmen des Lohnsteuerjahresausgleichs im nächsten Jahr komplett zurück.

Selbstständiger

DAS KANN MAN ERWARTEN: App-Entwickler, eBay- Händler, Unternehmensberaterin – es gibt viele Möglichkeiten, sich neben dem Studium selbstständig zu machen. Der Vorteil: Man kann klein anfangen, seine Geschäftsidee testen und sein Netzwerk ausbauen. Allerdings gehören zum Unternehmertum zwangsläufig bürokratischer Aufwand wie Buchführung und Steuern. Mit Auftraggebern muss man Honorare und Fristen aushandeln, man muss Rechnungen stellen und je nach Tätigkeit ein Gewerbe anmelden. Man kann zwar flexibler arbeiten als in anderen Jobs, braucht aber ein gutes Zeitmanagement, damit weder die Uni noch das eigene Projekt zu kurz kommt.

DAS SPRINGT RAUS: Je nach Tätigkeit und Zeitaufwand sind die Honorare unterschiedlich. Aufträge können unregelmäßig reinkommen, Kunden mit der Überweisung eines Honorars auf sich warten lassen. Bevor man sich in die Selbstständigkeit stürzt, ist es deshalb nicht schlecht, einen finanziellen Puffer zu haben. Einkommensteuer fällt an, sobald der Jahresgewinn (Umsatz minus Kosten) den Steuerfreibetrag von 8.652 Euro übersteigt. Ab einem Jahresumsatz von 17.500 Euro müssen Selbstständige Umsatzsteuer berechnen und an das Finanzamt abführen. Viele Hochschulen unterstützen Studenten bei den ersten Schritten in die Selbstständigkeit, stellen zum Beispiel Arbeitsplätze zur Verfügung oder bieten Gründerberatungen und Stipendien an.

Habe ich Kündigungsschutz?

Habe ich Kündigungsschutz?

Was man beim Nebenjob noch wissen sollte

Verträge

Wer eine Arbeit beginnt, egal ob als Werkstudent, im Mini- oder Ferienjob, sollte einen Arbeitsvertrag einfordern. Dort werden die Arbeitszeit, die Art der Tätigkeit, der Verdienst und die Kündigungsfrist festgehalten. Wenn es eine Probezeit gibt, muss auch die drinstehen. Manchmal tauchen unzulässige Vertragsklauseln wie diese auf: "Urlaubsentgelt- und Feiertagsansprüche sind im Stundenlohn bereits enthalten." Stimmt nicht. Der Anspruch auf gesetzlich festgeschriebene Leistungen wie diese verfällt nicht. Selbst als Minijobber gilt man nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz als Teilzeitbeschäftigter – und hat die gleichen Arbeitnehmerrechte wie jemand, der Vollzeit arbeitet. Studentische Aushilfskräfte haben somit Anspruch auf bezahlten Urlaub und die sogenannte Entgeltfortzahlung, wenn sie krank werden. Sollte ihre Arbeitszeit aufgrund eines Feiertages ausfallen, bekommen sie trotzdem ihr Geld, ohne Stunden vor- oder nacharbeiten zu müssen. Auch beim Kündigungsschutz gelten für Studenten die gleichen Regelungen wie für Vollzeitbeschäftigte: Die gesetzliche Kündigungsfrist liegt bei einem Monat und gilt auch dann, wenn zu Beginn des Arbeitsverhältnisses noch kein schriftlicher Arbeitsvertrag vorliegt. Sollte sich der Chef bei der Ausstellung Zeit lassen, verfällt der Anspruch auf Urlaubstage zum Beispiel trotzdem nicht. Einen Monat nach Arbeitsbeginn genießt man auch ohne Vertrag automatisch gesetzlichen Arbeitnehmerschutz.

Versicherungen

Studenten, die einen Nebenjob ausüben, sind als Arbeitnehmer grundsätzlich sozialversicherungspflichtig. Das bedeutet, dass gegebenenfalls Abgaben für die Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung fällig werden. Von sämtlichen Sozialabgaben befreit sind Minijobber und Werkstudenten, die während der Vorlesungszeit nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Wer im Monat nicht mehr als 415 Euro im Nebenjob oder 450 Euro im Minijob verdient und nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet, kann über seine Eltern kostenlos krankenversichert bleiben, bis er 25 Jahre alt wird. Anschließend versichern die gesetzlichen Krankenkassen zum Studententarif von 66,33 Euro im Monat. Obendrauf kommt ein Zusatzbeitrag, der je nach Kasse zwischen 1,95 Euro und 9,74 Euro monatlich liegt. Wer mehr als 14 Semester eingeschrieben ist oder älter als 30 Jahre ist, darf in der Regel nicht mehr zum Studententarif versichert sein, sondern wird automatisch als freiwillig Versicherter eingestuft. Sechs Monate lang zahlt man dabei noch einen Übergangstarif von knapp 100 Euro, ehe die vollen Beiträge fällig werden. Wer dauerhaft über 450 Euro verdient, aber weniger als 20 Stunden pro Woche arbeitet, muss Beiträge zur Rentenversicherung zahlen. Hat man mehr als 20 Wochenarbeitsstunden, muss man alle Abgaben leisten, weil das Studium nicht mehr im Vordergrund steht. Eine Ausnahme davon sind die Semesterferien.

Steuern

Wer selbstständig arbeitet und damit im vergangenen Jahr mehr als 8.652 Euro – den Grundfreibetrag – verdient hat, ist verpflichtet, eine Steuererklärung zu machen. Für viele andere, die im Studium jobben, ist das zwar keine Pflicht, aber es lohnt sich, mit Ausnahme der Minijobber. Für Ferienjobber und Werkstudent führt der Arbeitgeber unabhängig davon, was man verdient, die Lohnsteuer ab. Diese kann man sich mit einer Steuererklärung komplett zurückholen. Grundsätzlich können Bachelorstudenten, die mit dem Nebenjob den Grundfreibetrag überschreiten, die Ausgaben für ihr Studium als sogenannte Sonderausgaben absetzen. Dafür hat man vier Jahre rückwirkend Zeit. Im Master gibt es die Möglichkeit von Sonderausgaben nicht mehr. Stattdessen können Studiengebühren und Semesterbeiträge, Ausgaben für Fachbücher und Arbeitsmaterialien als Werbungskosten aufgeführt werden. Und das übrigens auch, wenn man gar keinem Nebenjob nachgeht. Durch eine Steuererklärung ergibt sich daraus eine Art Gutschrift für später, wenn man im Beruf Steuern abführen muss.

Mindestlohn

Für Studenten gilt der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Er muss auch für Minijobs gezahlt werden. Bei einem monatlichen Verdienst von 450 Euro darf man also nicht mehr als 52,9 Stunden pro Monat arbeiten. Zuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit oder Trinkgeld darf der Arbeitgeber nicht einkalkulieren, die gibt es zusätzlich. Noch bis zum 1. Januar 2017 sind einzelne Branchen vom Mindestlohn ausgenommen. Zeitungsausträger dürfen im Moment zum Beispiel noch mit mindestens 7,22 Euro pro Stunde bezahlt werden. Wer als Erntehelfer jobbt, bekommt zwar schon den Mindestlohn – die Arbeitgeber können ihn aber mit den Kosten für Unterkunft und Verpflegung verrechnen. Ebenfalls vom Mindestlohn ausgenommen sind Praktika während des Studiums, die in der Studienordnung vorgeschrieben sind oder höchstens drei Monate dauern. Wenn der Arbeitgeber sich weigert, den Mindestlohn zu zahlen, oder mehr Arbeitsstunden im Minijob fordert, kann man sich an die Mindestlohn-Hotline des Bundesministeriums für Arbeit wenden: 030/60 28 00 28.

Bafög und Stipendien

Wer Bafög bekommt oder ein Stipendium hat, kann nicht unbegrenzt jobben, ohne zu riskieren, dass die Finanzspritzen gekürzt werden. Beim Bafög gibt es Abzüge, sobald man im Nebenjob mehr als 4.880 Euro (zum WS 2016/17 neu 5.400 Euro) jährlich verdient. Was der Nebenjob voraussichtlich abwirft, muss man dem Bafög-Amt melden, damit der Bedarf berechnet werden kann. Wird erst am Ende eines Bewilligungszeitraumes klar, dass man über die 4.880 Euro kommt, wird das zu viel gezahlte Bafög von den ausstehenden Zahlungen abgezogen. Bei Stipendien gibt es ähnliche Regelungen. Bei den Begabtenförderungswerken werden Einkünfte von mehr als 400 Euro brutto im Monat auf das Grundstipendium angerechnet. Wer also 500 Euro verdient, und den Höchstsatz bekommt, erhält statt 597 Euro Grundförderung nur noch 497 Euro. Selbstständige dürfen sogar nur 324 Euro im Monat hinzuverdienen. Die Studienkostenpauschale bleibt bei allen unberührt. Andere Stipendiengeber haben ähnliche Richtlinien. Das Deutschlandstipendium ist hingegen einkommensunabhängig.