"Ein Fuchs muss tun, was ein Fuchs tun muss": Zu einem Song der Beginner hat wahrscheinlich jeder schon einmal auf einer Party oder in einem Club getanzt, geknutscht oder gekifft. Ihre Alben "Bambule" und "Blast Action Heroes" waren wochenlang in den Charts, Songs wie "Liebeslied" oder "Hammerhart" laufen noch immer im Radio. Nach 13 Jahren bringen sie jetzt ihr neues Album "Advanced Chemistry" raus. Der Titel ist eine Hommage an die erste Hip-Hop-Gruppe, die Ende der Achtziger auf Deutsch rappte. Für das Interview mit ZEIT CAMPUS kommen sie in die Mensa der Uni Hamburg. Sie erzählen, wie sie mit ihrem ersten Keyboard Samples aufnahmen, Referate über Schallplatten hielten und warum Rap-Musik hart Arbeit ist.

ZEIT Campus: Jan Delay, du hast an der Uni Hamburg Volkswirtschaftslehre studiert. Am zweiten Tag bist du während einer Vorlesung aufgestanden und gegangen. Was war so schlimm daran?

Jan Delay: VWL war das einzige Fach ohne Numerus clausus, das ich halbwegs interessant fand. Ich dachte, das könnte mich businessmäßig extrem weiterbringen. Dann saß ich zusammen mit DJ Dynamite von der Hip-Hop-Combo Dynamite Deluxe im Hörsaal, und es fing an der Stelle mit Mathe an, wo es in der Schule aufgehört hatte. Mathe habe ich schon immer gehasst. Wir sind dann lieber zu Musikwissenschaften rübergegangen.

ZEIT Campus: Warst du da eingeschrieben?

Delay: An der Uni kann man ja automatisch Fächer wechseln. Vielleicht war ich auch illegal in den Kursen, ich weiß das nicht mehr. Jedenfalls hatte ich sogar ein bisschen Spaß und bekam zwei Scheine. Ein Referat habe ich über die Fertigung von Schallplatten gehalten. Damals kannten nur die Hip-Hop- und Techno-Leute Vinyl, die anderen hörten CDs. Für meine Kommilitonen war es, als würde ich über Geigenbau reden. Hip war das gar nicht.

Denyo: Ich habe erst Zivildienst in einer Behinderten-WG geleistet. Die Leute schauten den ganzen Tag Fernsehen, und ich habe dann immer auf MTV geschaltet. Als unser erster Song Rock on da lief, hatte ich einen Aha-Moment. Mir wurde klar: Ich werde nicht Sozialpädagogik studieren, ich will Musik schreiben. Nach unserer ersten großen Platte Bambule habe ich es noch einmal kurz mit VWL versucht. Damals wollte ich das Plattenlabel Eimsbush übernehmen, als Topmanager, und dafür ein bisschen Know-how ansammeln. Hat natürlich nicht geklappt.

ZEIT Campus: Und du, DJ Mad?

DJ Mad: Ich hab nicht studiert. Ich bin ein Realschüler aus Schleswig-Holstein.

Delay: Mir erzählte er das erst 20 Jahre später: DJ Mad hat bei Siemens eine Ausbildung zum Telekommunikationselektroniker absolviert. Danach bekam er das Angebot, auf eine Eliteschule in München zu gehen. Da nehmen sie nur die Krassesten. Er hat abgesagt!

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 5/16.

Denyo: DJ Mad ist der Einzige, der aktiv die Entscheidung für die Musik getroffen hat. Jan und ich sind da so reingestolpert.

ZEIT Campus: Ihr macht seit 25 Jahren Musik zusammen. Woher kennt ihr euch?

Delay: (rappt) "Es war einmal, klein Jan, klein Dennis und ein Basketball. 14 Jahre alt und ein Haar am Sack, aber die größten Klappen in der ganzen Stadt." Da gibt es so ein Lied auf unserem neuen Album.

Denyo: Jans und meine Schule waren nebeneinander. Ich war auf der Etepetete-, er auf der Ghetto-Schule. Später kam er zu uns und wurde quasi upgegradet.