Damit Geistes- und Sozialwissenschaftler demnächst eine gute Antwort auf diese Frage haben, erklären wir, was bei Studium und Berufseinstieg zu beachten ist.

Für wen lohnt sich ein Masterstudium?

Die meisten Arbeitgeber erwarten von Absolventen geistes- oder sozialwissenschaftlicher Fächer einen Masterabschluss: "Wer zum Beispiel als Lektor in einem Verlag oder als Museumskurator arbeiten möchte, kommt mit einem Bachelorabschluss nicht weit", sagt Cornelia Blum von der Zentralen Studienberatung der TU Dresden. Vertieftes wissenschaftliches Arbeiten erlerne man meistens erst im Master.

Viele brauchten die Zeit im Master auch, um sich zu orientieren und einen Schwerpunkt zu finden, erklärt Cornelia Blum: "Dafür ist der Bachelor einfach zu kurz." Thomas Hammacher, Vorstandsmitglied im Bundesverband freiberuflicher Kulturwissenschaftler, rät ebenfalls zum Master. "Zwar kann der Berufseinstieg auch mit einem Bachelorabschluss gelingen, aber das ist die Ausnahme". Dafür brauche man bereits klare berufliche Vorstellungen und ein entsprechendes Netzwerk. "Wer beispielsweise in den elterlichen Kunsthandel einsteigen kann, dem würde ein Bachelor in Kunstgeschichte womöglich reichen", sagt Hammacher.

Wie gebe ich meinem Studium eine Richtung?

Ob englische Science-Fiction, die Neuübersetzung von Pippi Langstrumpf aus ethnologischer Sicht oder die Mexikanische Revolution in Bild und Kunst – in den Geistes- und Sozialwissenschaften gibt es viele Nischen. Gleichzeitig stehen den Absolventen zahlreiche Berufe offen, etwa in der Öffentlichkeitsarbeit, der Erwachsenenbildung oder in der Werbung. Bei Absolventenmessen oder im Gespräch mit Praktikern erfährt man, welche Berufsfelder es gibt und was man dafür können muss. Das muss man dann mit den eigenen Wünschen und Fähigkeiten abgleichen.

Seinen Schwerpunkt sollte man deshalb nach Neugier und Interesse wählen. Hat man ihn gefunden, kann er sich wie ein roter Faden durch Vorlesungen, Referate oder Hausarbeiten ziehen. "Wer das durch entsprechende Praktika ergänzt, erfährt, ob die eigenen Erwartungen in der Praxis auch erfüllt werden", sagt Blum. Wer zum Beispiel mit Begeisterung ein Seminar über holländische Meister besucht hat, kann so herausfinden, ob ihm die kuratorische Arbeit in einem Museum oder der kommerzielle Aspekt in einer Galerie oder einem Auktionshaus eher liegt. Um seinen Lieblingsthemen zu folgen, muss man aber nicht zwangsläufig einen darauf spezialisierten Masterstudiengang belegen. Cornelia Blum empfiehlt das nur Studenten, die sehr konkrete Berufsvorstellungen haben oder sich in einem überschaubaren Themenfeld wohler fühlen.

Wie schafft man die Uni-Karriere?

Wer eine akademische Laufbahn anstrebt, braucht zuallererst ein großes Interesse an seinem Forschungsgebiet. Als Wissenschaftler sollte man außerdem eine gewisse Frustrationstoleranz besitzen, sagt Cornelia Blum von der TU Dresden. "Man muss hartnäckig an einer Forschungsfrage arbeiten wollen und auch am Ball bleiben, wenn man in eine Sackgasse gerät", sagt Blum. Um den Einstieg in die Forschung zu schaffen, sind praktische Erfahrungen an der Uni wichtig. Man kann sie sammeln, indem man als Tutor oder studentische Hilfskraft arbeitet. Wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktoranden werden oft aus diesem Kreis rekrutiert, da sie den jeweiligen Lehrstuhl bereits kennen und den forschenden Professoren bei ihrer Arbeit assistiert haben.

Ein Netzwerk auch außerhalb des eigenen Instituts zu knüpfen ist trotzdem wichtig. "Zur Not sollte man auch die Fühler zu anderen Universitäten ausstrecken, wenn dort mehr zu dem eigenen Thema geforscht wird", sagt Cornelia Blum. Zum Beispiel kann man seine Abschlussarbeit mit der Bitte um Feedback an externe Forscher schicken oder auf Forschungskongressen Kontakt suchen. Trotz der Begeisterung für ein Fach sollte man nicht außer Acht lassen: Die Arbeitsbedingungen an der Universität sind nicht besonders attraktiv. Laut Statistischem Bundesamt hatten im Jahr 2011 80 Prozent des wissenschaftlichen Nachwuchses an Hochschulen im Alter von 25 bis 29 Jahren einen befristeten Arbeitsvertrag.

Worauf kommt es beim Berufseinstieg an?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Nr. 2/2016

Studenten von geistes- oder sozialwissenschaftlichen Fächern müssen sich oft vorwerfen lassen, sie könnten zwar vieles, aber nichts richtig. Auch deshalb fehlt manchen das Selbstbewusstsein im Gespräch mit Arbeitgebern. "Sie treten oft viel zu unsicher auf", sagt Cornelia Blum von der TU Dresden. "Dabei können gerade sie komplexe Sachverhalte strukturieren oder Widersprüche darstellen und erklären." Auf diese Stärke sollte man vertrauen, so Thomas Hammacher vom Bundesverband freiberuflicher Kulturwissenschaftler. "Wer sich wohl fühlt mit seinem Studienfach, der bewegt sich automatisch sicherer und überzeugt später auch in Bewerbungs- oder Kundengesprächen."

Vor fachlichen Lücken sollte man sich nicht fürchten. Denn was man nicht kann, kann man schließlich noch lernen, zum Beispiel Fremdsprachen oder betriebswirtschaftliches Grundwissen. Insbesondere die BWL-Kenntnisse können hilfreich sein: Geistes- oder Sozialwissenschaftler, die zum Beispiel in einer Stiftung oder bei einer NGO arbeiten, müssen dort Drittmittel beantragen oder das Jahresbudget planen können. Einige Hochschulen bieten daher Zusatzkurse wie "BWL für Geisteswissenschaftler" an. Manchmal sind diese jedoch kostenpflichtig. Den Draht zu möglichen Arbeitgebern kann man schon im Studium suchen. "Aus Praktika ergeben sich oft erste wichtige Kontakte für die spätere Anstellung", sagt Cornelia Blum. Sie empfiehlt deshalb, für ein längeres Praktikum ruhig ein Urlaubssemester einzulegen und auch danach noch in Kontakt zu bleiben. So erweitert man nicht nur sein Netzwerk, sondern erfährt womöglich auch von freien Stellen. Um persönliche Kontakte zu knüpfen, rät Thomas Hammacher, Fachtagungen zu besuchen. Diese stehen auch Studenten offen, oft zu einem ermäßigten Eintrittspreis. Gerade wer wie Hammacher selbst später als Freiberufler arbeiten will, könne so wichtige Kontakte in die Branche knüpfen.