Drei Studenten erzählen, wie sie sich entschieden haben

"Ich habe jetzt Freunde in ganz Europa und für später ein großes Netzwerk"

"Ich war während meines Bachelorstudiums für ein Semester in Belgien. Danach war mir klar, dass ich meinen kompletten Master im Ausland machen möchte. Fünf Monate waren einfach zu kurz, um in einer neuen Stadt anzukommen und richtige Freunde zu finden.

Am liebsten wollte ich den Master auf Englisch machen, aber nach Großbritannien, Kanada oder in die USA wollte ich nicht. Das Programm in Kopenhagen hat mich überzeugt, weil ich hier meine Kurse sehr frei wählen und eigene Schwerpunkte setzen kann.

Die Lebenshaltungskosten in Kopenhagen sind zwar hoch, aber Studenten können als Studienunterstützung im Monat 5.500 Kronen erhalten, das sind etwa 800 Euro. Die bekomme ich auch als internationaler Student unabhängig vom Einkommen meiner Eltern.

Nach meinem Master kann ich mir vorstellen, auch noch einen Doktor dranzuhängen, vielleicht hier, vielleicht in Deutschland oder ganz woanders. Da ich mindestens zwei Jahre bleiben werde, habe ich weniger Stress als damals in Belgien. Ich muss nicht jede Sehenswürdigkeit sofort besuchen und zum Beispiel im Winter in den Freizeitpark fahren, den man unbedingt sehen muss.

Obwohl ich erst ein Semester hier bin, kenne ich schon viele einheimische Studenten. Natürlich fehlen mir manchmal Freunde und Familie, aber ich telefoniere häufig mit ihnen. In Kopenhagen muss ich die Initiative ergreifen, um neue Leute kennenzulernen, aber es ist wichtig für mich, auch das zu lernen. Ich habe jetzt Freunde in ganz Europa – und für später im Beruf ein großes Netzwerk."

"Am Ende habe ich mich in Guadalajara wie zu Hause gefühlt"

"Mein Master heißt 'Interamerikanische Studien', und ich fand es wichtig, wenigstens einmal in Mittel- und Südamerika gewesen zu sein, also habe ich mich für ein Auslandssemester in Mexiko entschieden.

Während des Bachelorstudiums war ich in Spanien, deshalb konnte ich schon gut Spanisch sprechen. Trotzdem war es ein großer Schritt. Mexiko ist sehr weit weg von zu Hause, und an die kulturellen Unterschiede musste ich mich erst gewöhnen. Zum Beispiel gehen Frauen und Männer ganz anders miteinander um. Mit meiner hellen Haut bin ich aufgefallen. Das war ich auch nicht gewohnt. Ich war froh, dass ich einige deutsche Freunde vor Ort hatte. Wir haben ähnliche Erfahrungen gesammelt und konnten uns darüber austauschen oder zum Beispiel die Preise auf dem Wohnungsmarkt vergleichen. Der Anfang war gar nicht so schwer, ich habe sehr schnell eine Wohnung gefunden, und an der Uni lief es auch gut.

Am Ende habe ich mich in Guadalajara wie zu Hause gefühlt. Nur abends auf der Straße hatte ich manchmal noch ein mulmiges Gefühl: Auf dem Heimweg habe ich auch nach einem halben Jahr immer noch meinen Schlüssel zwischen den Fingern gehalten. Auch wenn den meisten in meinem Freundeskreis in Guadalajara nichts passiert ist, habe ich viele Geschichten von Überfällen gehört. Das gibt einem natürlich zu denken.

Seit meiner Zeit in Mexiko ist für mich vieles in Deutschland nicht mehr so selbstverständlich. Zum Beispiel, dass jeder die gleichen Rechte hat oder die Möglichkeit zu studieren."

"Ich hatte keine Lust, mir in einer fremden Stadt alles neu aufzubauen"

"Nach meinem Bachelor haben alle Menschen um mich herum krasse Sachen gemacht: Ein Freund studierte in Manchester, ein anderer zog in die USA. Ständig wurde einem geraten, dass sich ein Master im Ausland einfach viel besser im Lebenslauf macht. Also bewarb ich mich für einen Master in Politikwissenschaft in Lyon und kam in die letzte Bewerbungsrunde.

Das Skype-Gespräch mit der Professorin von der Uni lief gut, bis sie mich fragte, warum ich den Master überhaupt machen wollte. Genau in diesem Moment ist mir bewusst geworden, dass ich gar nicht nach Lyon wollte. Ich wollte arbeiten.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Nr. 2/2016

Ich sagte die Uni in Frankreich ab, machte ein Volontariat als Serienautor in Köln und arbeitete danach als Journalist in München. Ein Jahr später habe ich mich in München und in Wien um einen Masterplatz beworben. Noch einmal habe ich überlegt, ins Ausland zu gehen, aber dann habe ich gemerkt, dass ich keine Lust hatte, mir schon wieder in einer fremden Stadt alles neu aufzubauen.

Als dann die Zusage von der Uni München kam, stand die Sache für mich fest. Hier fühle ich mich wohl und kann mich ganz auf mein Studium konzentrieren. Natürlich denke ich manchmal daran, was ich vielleicht in Lyon oder Wien verpasst habe, aber ich bin mir sicher, es hätte gar nicht zu dem gepasst, was ich eigentlich machen will und wer ich eigentlich bin.

Ich denke nach wie vor, dass es mutig ist, im Ausland zu studieren. Heute ist es jedoch genauso mutig, sich nicht dem Druck zu beugen und einfach mal in Deutschland zu bleiben."