Wie man vor einem Abbruch seine Gründe hinterfragen kann

"Ich bin mit dem Stoff überfordert"

Wenn es wirklich am Studium liegt, wenn man viel lernt und trotzdem immer wieder durch die Prüfungen fällt, wenn Stresssymptome wie Schlafstörungen und psychosomatische Leiden auftreten, dann gilt: Besser aufhören. Den Schritt sollte man aber erst gehen, nachdem man die Angebote der Uni wie Tutorien, Lerngruppen oder Coaching ausgeschöpft hat. Zu klären ist auch, ob man in allen Fächern überfordert ist. Geht es nur um wenige Scheine, dann kann es helfen, sich an das eigentliche Ziel des Studiums zu erinnern. Ist erst der Traumberuf Psychologe erreicht, vergisst man bald die Quälerei vor der schwierigen Statistikprüfung.

"Ich habe einen besseren Master gefunden"

Klingt vernünftig, doch ein Wechsel will gut überlegt sein. Wichtig ist, dass der neue Studiengang auch wirklich besser passt. "Mit dem Wechseln erschließen sich nicht zwingend neue Berufsfelder", sagt Laura Ritter, die Studienabbrecher bei der "Jobassistenz Berlin" berät. Gerade bei Sozial- und Geisteswissenschaften sei es oft nicht von Bedeutung, welchen Master man absolviert habe. "Wichtig für den Wechsel ist auch, wie viel schon in den laufenden Master investiert wurde", sagt Ritter. Und ob ECTS-Punkte daraus im neuen Studium anerkannt werden. Wechseln innerhalb der eigenen Hochschule kann deshalb einfacher sein als zu einer anderen Uni.

"Ich habe gerade viel zu viel anderes zu tun"

Der Nebenjob stresst, in der Beziehung knirscht es – und dann auch noch zur Uni gehen? Bevor man das Studium deshalb abbricht, rät Laura Ritter von der Beratungsstelle "Jobassistenz Berlin", zunächst eine Frage zu beantworten: "Liegt es wirklich am Studium oder doch eher an anderen Umständen?" Für vieles gibt es Hilfe. Bei privaten Problemen zum Beispiel von der psychosozialen Beratung der Studentenwerke. Manchmal hilft auch einfach ein Kurs in Zeitmanagement, wie ihn viele Unis anbieten. Mangelt es dagegen an Geld, kann man zum Beispiel über einen Studienkredit, Bafög, Stipendien oder Hilfe aus der eigenen Familie nachdenken.

"Ich habe keine Lust mehr auf das Studium"

Auch hier gilt es, die Gründe zu erforschen, findet Cornelie Prillwitz von der Arbeitsagentur Kiel: "Häufig fehlt ein konkretes Berufsziel und damit eine Perspektive." Prillwitz rät Studenten, denen die Motivation fehlt, zur Berufsberatung zu gehen oder mit Absolventen zu sprechen, die bereits im Beruf stehen. Manchmal hilft auch ein Praktikum, um herauszufinden, warum man das alles eigentlich macht. Und es kommt auf den Zeitpunkt an: Wer schon im ersten Semester merkt, dass er lieber arbeiten oder reisen will, der sollte das tun. Wer dagegen schon kurz vor der Abschlussprüfung steht, hat mehr davon, wenn er sich durchbeißt.

"Für meinen Traumjob brauche ich keinen Master"

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Nr. 2/2016

Am Anfang des Masterstudiums kann das ein guter Grund zum Abbrechen sein. Immerhin hat man ja schon einen Abschluss. "Viele Absolventen der Fachhochschulen und Wirtschaftswissenschaftler kommen mit dem Bachelor gut zurecht", sagt Cornelie Prillwitz, die bei der Arbeitsagentur in Kiel für akademische Berufe zuständig ist. Wer statt zu studieren lieber arbeitet, sollte sich seinen Arbeitgeber aber genau anschauen, damit man im neuen Job nicht schon in der Probezeit scheitert – sonst gerät man bei zukünftigen Bewerbungen in Erklärungsnot. Und wenn es irgendwann doch ein Master sein soll, kann man ihn immer noch berufsbegleitend nachholen.

"Ich fühle mich schlecht betreut"

Schlechte Betreuung demotiviert, aber man muss sie nicht hinnehmen. "Man kann Sprechstunden der Professoren besuchen, die Beratungsstellen der Uni kontaktieren, Lerngruppen bilden oder Uni-Foren im Internet nutzen", sagt Laura Ritter von der "Jobassistenz Berlin". Notfalls helfen externe Tutorien oder ein Hochschulwechsel. Allerdings gibt es auch Fächer wie Musik oder Kunst, in denen ohne individuelle Anleitung gar nichts geht und ein Abbruch besser sein kann. Und was, wenn sich ausgerechnet der Betreuer der Masterarbeit nicht richtig kümmert? Bevor man hinschmeißt, lieber einen neuen suchen, auch wenn es länger dauert.