Ein Iraner, der in Teheran festsitzt, glaubt noch an das Gute in Trump-Wählern. Eine Somalierin hörte "Geh zurück in dein Land". Drei Studenten über das Einreiseverbot

Donald Trump

"Dieser Mann wird uns nicht trennen"

Ich liebe alle Menschen unabhängig von ihrer Nationalität und ihrer Religion. Ich liebe die amerikanischen Menschen, auch die, die für Trump gestimmt haben. Und wenn ich Liebe schreibe, dann meine ich Liebe. Dieser Mann wird uns nicht trennen.

Diese Sätze habe ich in meinem ersten Facebookpost geschrieben, nachdem ich erfahren habe, dass ich erst einmal nicht mehr einreisen kann. Ich denke, dass die, die jetzt Muslime beleidigen, im Grunde gute Menschen sind. Sie werden manipuliert von Fake-News und Politikern, haben deswegen vielleicht Angst vor Muslimen.

Über die Winterpause bin ich zu meiner Familie nach Teheran geflogen. Meine Kurse in Kalifornien beginnen Anfang Februar, aber vermutlich schaffe ich es nicht pünktlich dorthin. Nach den Informationen, die ich jetzt habe, wird man mich nicht ins Flugzeug lassen. Mir fehlt nur noch ein Semester, dann bin ich fertig – eigentlich.

Ich bin vor drei Jahren für mein Studium in die USA gezogen, eigentlich wollte ich im Iran bleiben. Aber mein Vater hat mich überredet. Er meinte, es wäre gut für meinen Lebenslauf als Künstler, wenn ich neue Erfahrungen mache und besser Englisch lerne. Die Entscheidung war auf jeden Fall richtig. San Francisco ist offen, sehr tolerant. In anderen Orten der USA ist das vielleicht anders.

Iranisch-amerikanische Liebesgeschichte

Meine Eltern sind sehr besorgt, dass ich jetzt mein Studium nicht abschließen kann. Mir ist mein Film aber am wichtigsten. Ich habe drei Jahre lang daran gearbeitet, viel Geld ausgegeben. Und jetzt wäre die Zeit, ihn zu drehen. Das Drehbuch ist fertig, ich muss nur noch filmen. Aber wie soll das gehen? Der Geschichte spielt in San Francisco und Los Angeles. Wenn ich nicht zurück kann, kann ich meinen Film nicht machen. Das wäre eine Katastrophe.

In meiner Geschichte geht es um eine iranisch-amerikanische Liebesgeschichte. Die Hauptfigur ist ein Iraner im mittleren Alter, der vor 30 Jahren in die USA ausgewandert ist. Eines Nachts beschließt er, seine erste große Liebe wiederzufinden, eine Amerikanerin. Er sucht sie, aber dann gibt es eine tragische Wendung.

In meinem Film geht es auch um politische Themen wie die iranisch-amerikanischen Beziehungen. Eigentlich habe ich die jetzige Situation, ohne es wissen zu können, schon ein bisschen vorweggenommen. Im Hintergrund läuft aber auch mal ein Fernseher mit Bildern über ISIS. Viele Amerikaner können ISIS und Iran aber nicht unterscheiden. Sie wissen nicht, dass Iraner Farsi sprechen und nicht arabisch. Sie kennen auch den Unterschied zwischen Schiiten und Sunniten nicht. In einigen amerikanischen Nachrichten sind Muslime gleich Araber gleich Terroristen.

In meinem Kopf rauscht es, ich kann mich nicht konzentrieren. Die ganze Zeit bekomme ich Nachrichten. "Wie geht es dir?", "Wir vermissen dich". Nicht nur von meinen Freunden, auch von meinen Professoren. Sie wollen wissen, wie sie mir helfen können. Ich wusste nicht einmal, dass ich so beliebt bin. Meine Universität hat mir schon geschrieben, aber auch sie wissen noch nicht, was ich tun kann. Es gibt einen Campus in Florenz, notfalls muss ich versuchen, dort meinen Abschluss zu machen. Aber was wird dann aus meinem Film?

Payam Jafari, Iraner, 25, studiert Filmproduktion in San Francisco