Nicht nur Pornografie hat sich ins Internet verlagert, auch Aufklärung findet heute im Netz statt. Für den öffentlich-rechtlichen Jugendsender Funk erklärt Kristina Weitkamp, wo der G-Punkt liegt, warum Ausfluss nichts Schlimmes ist und gibt Tipps für den perfekten Handjob.

ZEIT Campus ONLINE: Kristina, du redest im Internet über Analsex und Selbstbefriedigung. Reden wir heute nicht schon genug über Sex?

Kristina Weitkamp: Ich glaube, wir reden viel über Sex, aber nicht über den, den wir selbst haben. Sex war nie so präsent wie jetzt, sei es durch Werbung, Pornos oder Sprache. Dabei haben wir oft weniger Hemmungen als unsere Eltern und tun immer so megaoffen, wenn es um den Sex anderer Leute geht. Aber wenn es um unseren eigenen Sex geht, verunsichert uns dieses Überangebot. Wir denken, wir müssten alles wissen und können. Wir denken, der andere erwartet, dass wir alles wissen und können. Weil wir uns nicht die Blöße geben wollen, sagen wir lieber nichts. Außerdem haben viele Leute Angst, den Partner zu verletzen, wenn sie ihm sagen, dass sie nicht mögen, was er macht.

"Sex im Kinderzimmer war für mich keine Option."

ZEIT Campus ONLINE: Kann es sein, dass wir heute offener sind und trotzdem weniger Sex haben?

Kristina: Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Wir können unsere Sexualität häufiger und vor allem selbstbewusster allein ausleben. Für einen Orgasmus brauche ich keinen Partner. Es liegt aber auch daran, dass sich unsere Eltern einfach viel früher fest gebunden haben. Das erhöht natürlich die Chance auf regelmäßigen Sex. Meine Eltern haben mit 23 geheiratet, wohnten zusammen, haben ihr erstes Kind bekommen. Mit 23 habe ich noch zu Hause gewohnt – und Sex in meinem Kinderzimmer war für mich keine Option.

ZEIT Campus ONLINE: Dafür haben wir Tinder: Es war doch noch nie so einfach, viel Sex zu haben?

Kristina: Jein. Es ist definitiv einfacher, Leute kennenzulernen. Auch Leute, mit denen man schlafen könnte. Aber oft bleibt es beim Onlinekontakt. Man sitzt auf dem Sofa und schreibt, statt sich zu treffen. Weil man meistens auch mit mehreren Leuten gleichzeitig schreibt und sich nicht auf eine Person konzentriert. Häufig verlaufen sich solche Kontakte dann, bevor es zum Treffen kommt. Oder man trifft sich und schläft einmal miteinander. Weil man sich nicht festlegen möchte, noch heartbroken an jemand anderem hängt oder weil es einfach nicht passt, bleibt es bei dem einen Mal. Dann hatte man ein Mal Sex. Das ist für die Statistik nicht viel.