Also alle prüde geworden? Quatsch, sagt Birgit, die seit 23 Jahren auf Berliner Toiletten als Klofrau arbeitet, davon 13 in einem Club in Berlin Mitte. Ihre Schicht fängt um 23 Uhr abends an und endet, wenn die Letzten am Morgen wieder gehen. Viel Zeit, um die Menschen und ihre Bedürfnisse zu beobachten.

ZEIT Campus ONLINE: Sex auf der Toilette, gibt’s das noch?

Birgit: Na klar, manchmal glaubst du, die Leute können gar nicht anders, als sofort Sex zu haben. Da fangen die schon bei mir vor der Toilette auf der Sitzbank an. Da sage ich dann immer: Wir sind hier doch nicht im KitKatClub, geht nach Hause oder auf die Parkbank. Manche probieren es erst auf der Männertoilette, dann bei den Frauen. Wenn ich sehe, wie die zu zweit in die Kabine wollen, lasse ich sie nicht durch. Aber manchmal schaffen sie es natürlich trotzdem. Und wenn die Kammer zu ist, dann ist die Kammer zu. Da gehe ich nicht dazwischen. Wenn die zu zweit rauskommen und selig grinsen, frag ich auch mal: Na, hat’s wenigstens Spaß gemacht?

ZEIT Campus ONLINE: Kam das früher öfter vor als heute?

Birgit: Ach Quatsch, das war doch schon immer so. Da hat sich nichts verändert. Verändert haben sich nur die Männer. Die sind eitler geworden. Früher standen ja nur die Frauen vorm Spiegel und haben ihren Lidstrich nachgezogen. Jetzt gucken auch die Männer stundenlang in den Spiegel und richten sich die Haare. Einer wollte sich neulich mein Haarspray ausleihen. Naja, wenn's hilft.