Von der AfD zur Kleinstpartei

Ich hatte immer schon ein Problem mit Angela Merkel: Die Pfarrerstochter aus der DDR, die promovieren konnte, wo andere Pfarrerskinder im Osten nicht mal Abitur machen durften. Sie hatte aufgrund ihrer persönlich mindestens unkritischen Haltung damals Möglichkeiten, die andere nicht hatten.

Bei ihr gibt es keine Führung – sie wartet, wo sich die Mehrheiten finden. Und durch ihren Umgang mit der Flüchtlingskrise hat sie Europa fast zerstört, die Finanzkrise wird uns ebenfalls noch große Probleme bereiten.

Die Finanz- und Eurokrise war ja auch das große Thema bei der Bundestagswahl 2013. Für mich war klar, dass sich etwas verändern muss. Deshalb habe ich die AfD gewählt. Vorher hatte ich mir schon ein bisschen die Arbeit der Piraten angeschaut, aber war dort nicht als Mitglied aktiv.

Wenn es um den Euro ging, war ich schon immer skeptisch, aber konnte das Ganze nicht richtig einordnen. Bei der AfD habe ich schließlich von Experten und Volkswirten Erklärungen bekommen zur Frage, warum die aktuelle Politik zum Euro so nicht funktionieren kann. Dort gab es seinerzeit Leute, die aus allen politischen Richtungen und Gesellschaftsschichten kamen. Außerdem hat mir die Idee gefallen, dass Leute sich engagiert haben, ganz ohne Aussicht auf Geld oder einen Posten.

Damals dachte ich wie viele andere, rechte Strömungen seien ein lokales Problem der AfD in Thüringen.
Philipp

Ich habe mich damals in der AfD eingebracht, um etwas zu verändern. Man kann sich ja nicht immer nur beschweren. Es gab gute Leute aus der SPD, der CDU und anderen Parteien, die damals zur AfD gewechselt sind. Aber wenn man zu viel gemacht hat und zu bekannt wurde, gab es schnell Einschränkungen. Mir wurden plötzlich Aufgaben wie die Organisation vom Stammtisch abgenommen, damit andere sie für sich nutzen konnten. Einige Leute versuchten, sich auf Kosten anderer Positionen zu verschaffen.

Damals dachte ich wie viele andere, rechte Strömungen seien ein lokales Problem der AfD in Thüringen. Das ganze Ausmaß der Probleme ist mir erst bewusst geworden, als ich in der Bundes-AfD aktiv geworden bin. Dort gibt es Leute, die zum Beispiel ernsthaft davon reden, die deutschen Ostgebiete zurückzuerobern. Auch braucht man sich nur die Reden von Björn Höcke anschauen. Aber offenbar können viele Wähler diesen Personen und ihren Inhalten folgen, ohne das Gedankengut dahinter zu erkennen.

Ich könnte mir vorstellen, eine kleine Partei zu wählen und damit die Menschen zu unterstützen, die sich dort engagieren.
Philipp

Wenn 25 Prozent der Partei eine gefährlich rechte Meinung haben, ist das eventuell noch vertretbar, wenn dann die Gesamtrichtung stimmt. Es gab eine Zeit, in der es aussah, als könnten Bernd Lucke, Frauke Petry und Marcus Pretzel zusammen dem rechten Flügel Einhalt gebieten. Doch aufgrund von Missmanagement hat eine Minderheit die Partei übernommen.

Bei der Bundestagswahl wird die AfD meine Stimme deshalb nicht mehr bekommen. Auch wenn ich weiß, dass das schlecht wäre, würde ich am liebsten gar nicht wählen – mir fehlt einfach eine Alternative. Die großen Parteien kommen für mich nicht infrage, alles am rechten und am linken Rand ist einfach nur schlecht. Die FDP wäre allerhöchstens eine Möglichkeit, obwohl mir nicht gefällt, wie sie die Interessen der Großindustrie unterstützt. Uns fehlt eine ausgewogene Politik in Deutschland. Es gibt nur alteingesessene oder Kleinstparteien.

Ich könnte mir aber vorstellen, eine kleine Partei zu wählen und damit die Menschen zu unterstützen, die sich dort engagieren. Eine endgültige Entscheidung werde ich aber erst am Abend vor der Wahl treffen. Vorher schaue ich mir alle Programme an und verfolge, was in den Medien noch so passiert.