Sie haben AfD gewählt. Und jetzt? Drei junge Wähler erzählen, was sie nun erwarten: besseren Mobilfunk und weniger Flüchtlinge. Aber die Partei macht ihnen auch Angst.

Wahlerfolge in Sachsen und Brandenburg

"Wir werden sie jagen." Mit diesen Worten kündigte die AfD ihren Einzug in den Bundestag an. Vor der Bundestagswahl hatte sie sich als eine Partei geriert, die anders sein wollte als die anderen Parteien – wie wird sie sich nun im Bundestag verhalten? Wird sie ihre Versprechen, für die sie gewählt wurde, einlösen? Und was denken ihre Wähler über sie? Werden sie ihre Wahl bereuen, ihre Einstellung ändern, verfolgen sie das Geschehen im Bundestag? Um diese Fragen zu beantworten, werden wir drei AfD-Wähler in regelmäßigen Abständen während der Legislaturperiode interviewen. In der ersten Folge geht es um die Gründe, warum sie die Partei gewählt haben, was sie von ihr erwarten – und was ihnen Angst macht.

Rebecca*, 26 Jahre, alleinerziehende Mutter aus Neubrandenburg

Es ist ja so, wenn du irgendwo eine neue Arbeitsstelle anfängst, gibst du dir viel mehr Mühe. Wenn du weißt, dass dein Job sicher ist und du da ganz bequem schon seit zehn Jahren sitzt, dann machst du nur noch das Notwendigste und lässt Punkt 16 Uhr den Hammer fallen. Deshalb hoffe ich, dass die AfD frischen Wind in den Bundestag bringt. Es gibt so viele Kleinigkeiten, die zu tun wären. Bessere Bildung, mehr Zuschüsse für die Kitas und Schulen, besonders in der Verpflegung. Es gibt immer noch Kinder, die in der Schule nichts zu essen haben, weil die Eltern es sich nicht leisten können. Mehr Engagement von unseren Parteien wäre da sehr schön und ich lege da viel Hoffnung in die AfD.

Eigentlich habe ich immer die NPD gewählt, aber diesmal hat mir das familiäre Programm der AfD besser gefallen. Dabei ist es natürlich blöd, dass sie die Alleinerziehenden so an den Rand stellen. Ich bin zurzeit auch alleinerziehend, daher ist es ja eigentlich total bescheuert von mir, die AfD zu wählen. Ich bin aber einfach ein absoluter Familienmensch und wirklich behütet aufgewachsen. Meine Eltern konnten sich nicht alles leisten und ich habe natürlich nicht die neueste Playstation bekommen. Aber sie haben immer versucht, ihr letztes Hemd für mich zu geben. Ich habe ich daher zumindest die Hoffnung, irgendwann eine komplette Familie zu gründen.

"Ich fühle mich manchmal etwas falsch"
Rebecca

Außerdem habe ich die AfD gewählt, weil ich dafür bin, die Grenzen zuzumachen und die Asylflut zu stoppen. Ich lebe ja neben einem Flüchtlingsheim und eigentlich funktioniert das auch ganz gut. Idioten gibt es ja immer, egal in welcher Kultur, aber trotzdem fühle ich mich manchmal etwas falsch. Wenn ich in meiner Wohnung vorn aus dem Fenster schaue, sehe ich nur Ausländer, gehe ich auf den Balkon und gucke auf den Hinterhof, sitzen auch da nur Ausländer. 

Ich mache gerade eine Umschulung zur Steuerfachangestellten. Wenn ich da nur schnell im Aufenthaltsraum einen Kaffee holen will, sitzt da schon eine Gruppe Migranten mit ihrer Musik. Schön ist was anderes. Eine Bekannte arbeitet im Sozialamt und die hat mir erzählt, dass manche Omis teilweise echt Angst haben, da reinzugehen, weil der ganze Flur voll ist mit Ausländern.

Vor Kurzem habe ich bis abends einem Kumpel geholfen. Da bin ich erst gegen halb zehn, als es schon zappenduster war, nach Hause gekommen. Unter der Laterne standen drei Männer, vermutlich Flüchtlinge, da ist jedenfalls kein deutsches Wort gefallen. Mir wurde dann beim Vorbeigehen doch etwas mulmig zumute.

Das Hauptproblem ist ja, dass die alle vor der Grenze ihren Pass wegschmeißen und dann hast du sie an der Backe, weil du nicht weißt, wohin mit denen, und auch nicht, wo sie herkommen. Ich denke, das kann man auch nicht mit einem Einwanderungsgesetz verhindern. Du hast ja immer das Problem, dass jemand unbemerkt über die Grenzen kommt. Das ist ja alles offen hier.

"Natürlich sind das auch nur Menschen."
Rebecca

Letztens war meine Familie zu Besuch. Wir standen auf dem Balkon und haben eine geraucht. Da sahen wir auf unserem Spielplatz einen kleinen Jungen, den kannten wir gar nicht. Das war ein "Ausländerjunge". Ich denke, der kam von nebenan. Und da haben wir beobachtet, wie der Kleine Sand aus unserem Gemeinschaftsspielplatz abtransportierte. Dabei hat das Asylantenheim einen eigenen, voll ausgestatteten Spielplatz. Unserer dagegen hat sowieso kaum Sand und die Wippe hat nur noch einen Sitz. Das hat mich dann schon irgendwie geärgert, selbst wenn die Kinder das Ganze sicherlich noch nicht einordnen können.

Natürlich sind das auch nur Menschen. Es gibt immer wieder Situationen, in denen ich mir denke: So schlimm ist es noch nicht. Ich habe zum Beispiel meinen Lütten mal von der Tagesmutter abgeholt und vor unserem Haus geparkt. Da lief eine junge Familie, alle schwarz, mit ihren zwei kleinen Kindern entlang. Der eine saß noch in der Karre und der andere tapste so niedlich hinter seiner Mutter her. Da bin ich erst einmal im Auto sitzen geblieben und habe das beobachtet, weil das wirklich herzallerliebst war. Die Mutter hat mich dann gesehen und mich angelächelt. Das sind so Sachen, wo ich sage: Klar, das ist total süß, aber trotzdem möchte ich mich in meiner eigenen Heimat nicht fremd fühlen.

"Das Problem ist ja heute, egal was man sagt, man ist immer gleich Nazi."
Rebecca

Das Problem ist ja heute, egal was man sagt, man ist immer gleich Nazi. Dabei ist mir dieses absolut rechte Gedankengut zu extrem, sogar manchmal bei der AfD.

Ich hoffe zudem, dass die AfD ihre Einstellung gegenüber Alleinerziehenden ändert. Ich habe irgendwo gehört, dass sie die Leistungen für Alleinerziehende kürzen wollen. Das wäre natürlich sehr schade und auch sehr dumm, weil sie dann sehr viele Wähler verlieren würden. Unter anderem mich. Ich bin nun mal alleinerziehend und ich habe es mir nicht ausgesucht. Ich hätte auch lieber einen Mann an meiner Seite, aber ich kann es nicht erzwingen und dann ausgegrenzt zu werden für etwas, für das man nichts kann, ist für mich definitiv ein Grund, die Partei nicht mehr zu unterstützen. 

*Anmerkung 23. November: Wir haben den Namen der Protagonistin anonymisiert, um ihre Identität zu schützen.