Der eine wählt ÖVP, hat aber vor der FPÖ keine Angst. Die andere fürchtet sich vor Anfeindungen. Der Dritte will den Systemwechsel. Protokolle einer gespaltenen Jugend

Österreich-Wahl

Wie wählen Österreichs junge Wähler? Etwas anders als ihre Eltern und Großeltern vermutlich. Unter allen Österreichern scheint die Sache einigermaßen klar: Die ÖVP gewinnt. Unter jungen Wählern liegt die rechtspopulistische FPÖ gleichauf mit der ÖVP, dahinter folgt die SPÖ. Ein Rechtsruck unter den Jüngeren? Wir haben drei von ihnen gefragt, wie sie sich entschieden haben:

Der ÖVP-Wähler

Peter, 17 Jahre

Ich komme aus Niederösterreich, vom Land also. Das ist seit eh und je schwarz. Der Konservatismus wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt. Das Leben auf dem Land ist langsam, der nächste Bahnhof kann schon einmal eine Stunde mit dem Auto entfernt sein, und sehr katholisch. Die ÖVP ist die einzige richtige Kirchenpartei. Außerdem gehört die Partei schon von Beginn an zu Österreich und ist tief in der Gesellschaft verankert. Das alles war mir von Anfang an wichtig. Mein Vater ist im höheren Management tätig und hat mir viel über Wirtschaft erzählt. Auch der ÖVP geht es um Unternehmen.

Mit 13 Jahren ging ich auf ein Internat, mit 15 Jahren zog ich von zu Hause aus. Da begann ich, meine eigene Identität zu suchen. Auf dem Internat waren alle anders drauf als ich. Ich ging zum Beispiel sonntags in die Kirche, habe jeden gegrüßt. Da haben mich alle komisch angeschaut. Der Konservatismus gab mir Halt und eine Heimat. Ich wusste, ich habe eine Haltung, die mir auf meinem eigenen Weg hilft, bei all dem Gegenwind.

"Sebastian Kurz ist nicht das größte Arschloch, sondern ein echter Politiker."
Peter

Ich ging als Einziger aus meinem Dorf aufs Gymnasium, strengte mich an, schrieb gute Noten. Die Hauptschule hingegen zerstört meiner Meinung nach die Kreativität, da denken die Dorfburschen nur ans Feierabendbier. Auf so einer Schule will ich nicht sein. Die, die mehr wollen, gehen halt aufs Gymnasium. Ich bin froh, dass es diese Schulform gibt. Die Linken wollten sie abschaffen, die Schwarzen waren die Einzigen, die das Gymnasium am Leben erhalten wollten, das war eine erste politisierende Erfahrung für mich.

Jetzt bin ich beim Heer. Das gefällt mir, auch weil man da Tugenden wie Kameradschaft lernt. Vom Wahlkampf bekomme ich da nicht so viel mit. Aber ich bin froh, dass die Roten jeden Fehler machen, den sie machen können: Ein ehemaliger Bahn-Chef kandidiert als Bundeskanzler, dann gibt es die ganzen Fettnäpfchen, Affären, Kerns Patzer bei Auftritten, die aufgeflogene Facebook-Schmutzkampagne. Mich in meinem jungen Alter betrifft auch ehrlich gesagt nicht so viel, bis auf die Bildungspolitik vielleicht – ich bin gerade aus der Schule raus und Bildung liegt mir immer noch am Herzen. Meine Mutter ist seit Kurzem Lehrerin und bekommt mit, was für eine Katastrophe die Einführung der neuen Mittelschule in Österreich ist. Das Bildungsministerium ist seit jeher rot – allein deswegen kann ich die SPÖ schon nicht wählen. Ich hoffe bei der Wahl, dass die Grünen unter fünf Prozent fallen. Das ist eine Kampffemenpartei, eine lächerliche Bewegung, die die Realität nicht für sich gepachtet hat.

Von Sebastian Kurz wiederum halte ich sehr viel. Ich habe ihn schon ein paar Mal getroffen und mit ihm geredet. Früher war er einmal bei uns in der Schule, kam rein und sagte: "Servus, ich bin der Sebastian, ihr könnt mir duzen." Das hat mir sehr gefallen. Der versteht was von der Jugend und ist nicht das größte Arschloch, sondern ein echter Politiker. Es braucht auch wieder mal einen Machtwechsel in Österreich, endlich wieder ein wirtschaftliches Denken in der Politik, einen Neustart, mehr Straffung und eine einheitliche Linie, der Kurz hat da schon was losgebrochen.

"Bei der FPÖ gibt es keine Nazis."
Peter

Ängste habe ich bei dieser Wahl keine. Ich denke zum Beispiel, dass die FPÖ eh nach einer Legislaturperiode wieder aus der Regierung rausfliegt, falls es zu einer Koalition mit ihr kommt. Die haben keine Konzepte, sie sind einfach eine populistische Partei. So was überlebt nicht lang. Deswegen sollte man sich da auch nicht so stressen und aufregen. Die FPÖ ist keine AfD. Bei der FPÖ gibt es keine Nazis. Das sind nur irgendwelche Bierzeltredner. Deswegen ist die Partei auch unter jungen Leuten beliebt. Die haben einen Hauptschulabschluss und eine Lehre gemacht und hängen danach auf Bierfesten rum. Was die Rechtswahl angeht, handelt es sich deswegen auch eher um einen Bildungskonflikt und nicht um eine Spaltung zwischen Alt und Jung oder Stadt und Land.

Klar geht es irgendwie um was, aber ich erwarte mir von der Wahl keine großen Veränderungen. Was Österreich von anderen Ländern unterscheidet, ist seine "Schaun-ma-mal"-Mentalität. Der Österreicher macht sich im Allgemeinen nicht so viel Stress und wartet eher ab, was passiert. So sehe ich das auch mit der Wahl. Ich denke nicht, dass es einen Rechtsruck gibt. Wir landen schon nicht in einer Diktatur.