Ich war schon als Kind nicht so, wie ich sein sollte. Zumindest, wenn es nach Frau S. gegangen wäre. Wenn ich Sonntagmorgens mit meinen beiden Schwestern zum Kindergottesdienst lief, trugen wir schicke Sonntagskleidchen und grüßten alle, die uns begegneten. Also eigentlich alles gut, könnte man meinen. Bis sich Frau S. mir provokativ in den Weg stellte und sagte: "Du weißt wohl nicht, wie ich heiße. Ich bin Frau S. Merk dir das bitte und sprich mich das nächste Mal mit meinem Namen an." Ich fühlte mich ertappt: Ich entsprach nicht dem Ideal der perfekten Pfarrerstochter. Ich war mir sicher, diese Frau würde sich bei meinen Eltern, dem Herrn Pfarrer und seiner Frau, über mich beschweren. Tat sie natürlich auch, aber meinen Eltern war es egal.