Sie reisen um die Welt und schreiben darüber – eine von ihnen verdient so 1.000 Euro im Monat, die andere bis zu 20.000: Zwei Reisebloggerinnen erzählen.

Sie sind das ganze Jahr über auf Weltreise und werden dafür bezahlt, darüber zu schreiben: Als Reiseblogger lebt man scheinbar ein perfektes Leben. Doch was hinter schönen Bildern von Sonnenauf- und -untergängen steckt und womit man in der Branche Geld verdient, wird aus den Blogposts oft nicht ersichtlich. Deshalb haben wir für diese Folge des Anonymen Gehaltsprotokolls mit zweien gesprochen, die einen sehr ähnlichen Job haben – aber sehr unterschiedlich verdienen.

Alter: 39

Aktuelles Gehalt: etwa 12.500 Euro im Monat

Als ich meine Stelle bei einer Agentur kündigte, um nur noch als Reisebloggerin zu arbeiten, fing meine Mutter an zu weinen. Sie hatte Angst, dass ich auf der Straße lande. Meine Eltern sind in der Nachkriegszeit aufgewachsen, für sie ist Sicherheit im Beruf wichtig.

Ich dagegen wollte noch mehr reisen können, noch flexibler sein. Zuvor habe ich Kunden im Onlinemarketing beraten. Das hat mir zwar auch gefallen, aber der Blog lief von Anfang an so gut, dass ich irgendwann doch den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt habe. Schon nach kürzester Zeit hatte ich mehrere Tausend Besucher monatlich, inzwischen sind es fast 200.000.

Damit ist mein Blog einer der größten Reiseblogs in Deutschland, die meisten haben nur ein paar Hundert Leser. Mit so wenigen wird es schon schwer, überhaupt nur eine Mahlzeit mit den Einnahmen zu finanzieren.

Ich hatte Glück: Mein Blog war schnell groß, weil Kuba als Reiseziel immer beliebter wurde. Ich war 2013 drei Wochen dort und habe damals wenige Tipps gefunden, weil sich noch nicht viele Reisende dorthin getraut haben. Man konnte noch nicht mal Hotels im Internet buchen. Also habe ich selbst meine Erfahrungen aufgeschrieben und somit zufällig eine Art Marktlücke entdeckt.

Inzwischen verdiene ich gut: In einem schlechten Monat wie im November rund 5.500 Euro, in einem guten wie im Mai können es bis zu 20.000 Euro sein. Davon gehen natürlich die Reisekosten wieder ab, die können bei einer längeren Reise wie nach Australien auch mal bei 14.000 Euro liegen. Insgesamt reicht das Geld aber locker. Dieses Jahr habe ich so im Schnitt 12.500 Euro im Monat verdient.

"Auch wer angeblich am Strand arbeitet, sitzt die meiste Zeit in seinem Hotelzimmer, weil er da ins Internet kommt"

Glück war natürlich nicht alles. Durch meinen Job im Onlinemarketing hatte ich Erfahrung und habe nicht leichtfertig meine feste Stelle aufgegeben, sondern alles genau geplant. Die meisten Blogger machen den Fehler, dass sie alles auf einmal machen wollen. Sie kündigen ihren Job, ihre Wohnung, gehen auf Weltreise und bieten sich verzweifelt jedem an, der ihnen Geld geben könnte. Gerade von digital nomads hört man oft, jeder könne "arbeiten, wo andere Urlaub machen", wenn er sich nur traut. Ich halte von diesen Versprechen nichts. Auch wer angeblich am Strand arbeitet, sitzt die meiste Zeit in seinem Hotelzimmer, weil er da ins Internet kommt.

Ich bin deshalb die Hälfte eines Jahres zu Hause in Deutschland und die andere Hälfte im Ausland, meist rund vier Wochen pro Land. Die meiste Arbeit erledige ich dann in Deutschland, wo ich mein produktives Umfeld habe.

"Ich bin erfolgreich, weil ich rund 95 Prozent aller Angebote ablehne"

Das meiste nehme ich durch Affiliate-Programme ein. Das heißt, ich empfehle einen Sightseeing-Pass weiter, und wenn sich jemand über meinen Link den Pass kauft, bekomme ich ein paar Prozente davon ab. Außerdem teste ich Produkte, schreibe Texte für andere Webseiten, halte Vorträge, gehe auf Pressereisen und noch viel mehr. Ich habe zum Beispiel ein Fernglas getestet und dafür etwas mehr als 1.000 Euro bekommen. Wie viel ein Blogger für so einen Produkttest bezahlt bekommt, hängt sehr stark von der Reichweite seiner Beiträge ab.

Glaubwürdigkeit ist in diesem Beruf sehr wichtig. Meine Leser vertrauen mir, weil ich ihnen nur Produkte empfehle, die mir auch wirklich gefallen. Es klingt paradox, aber ich bin erfolgreich, weil ich rund 95 Prozent aller Angebote ablehne.

Viele Blogger sind enttäuscht, weil ihre Besucherzahlen nicht schnell genug wachsen. Deshalb kaufen sie sich Follower auf Instagram und Twitter, was guten Agenturen schnell auffällt. Wer damit auffliegt, wird in Zukunft von Auftraggebern gemieden.

"Wenn ich einen Artikel bezahlt bekomme, den ich nur über ein bestimmtes Produkt schreibe, steht 'Werbung' oder 'Anzeige' darüber"


Solche Blogger gehen mit der falschen Einstellung ran: Ihr erstes Ziel ist es, viel Geld zu verdienen. Darum machen sie nur noch Sponsored Posts, was sie teilweise nicht mal kennzeichnen. Die Leser merken das. Wenn ich einen Artikel bezahlt bekomme, den ich nur über ein bestimmtes Produkt schreibe, steht "Werbung" oder "Anzeige" darüber. Wenn ich auf eine Pressereise gehe, steht dabei, von wem ich eingeladen wurde.

Angst davor, meinen Job zu verlieren, habe ich gar nicht mehr. Ich habe genug gespart, um im Zweifelsfall auch ein Jahr mal nicht zu arbeiten, und durch bereits erschienene Artikel laufende Einnahmen. Sogar meine Eltern haben sich entspannt: Meine Mutter ist inzwischen mein größter Fan und verteilt ständig meine Visitenkarten an Freunde und Bekannte.