Welche Fähigkeiten sind beim Berufseinstieg wichtig? Worauf man sich vorbereiten kann und woran man eine gute Traineestelle erkennt

ZEIT Campus: Man kann Kunst studieren und später Apps in einem Start-up programmieren: Berufswege scheinen heute weniger geradlinig. Kann man sich überhaupt noch richtig auf den Berufseinstieg vorbereiten?

Caterine Schwierz: Jeder sollte sich möglichst früh fragen: Welche Tätigkeit macht mir Freude? Was kann ich besonders gut? Oder: In welchen Situationen werde ich gefragt, ob ich eine Aufgabe übernehmen kann? Welche Werte sind mir wichtig? Wer sich selbst gut einschätzen kann, ist gut vorbereitet. Unternehmen legen inzwischen mehr Wert auf persönliche Stärken wie etwa Teamgeist oder Analysefähigkeit und schauen nicht nur auf einen Abschluss.

ZEIT Campus: Gilt das für alle Jobs?

Schwierz: Grundsätzlich wandeln sich Berufsbilder heute sehr schnell. Vor zehn Jahren war das Smartphone eine Innovation, inzwischen ist App-Entwickler fast ein klassischer Beruf. Man arbeitet nicht mehr sein Leben lang in einem bestimmten Feld. Künftige Generationen werden ständig Neues lernen müssen, weil sich durch die Digitalisierung viel verändern wird. Zurzeit sind es jährlich nur drei Prozent der Erwerbstätigen, die ihren Beruf wechseln, bald wird es normal sein, sich alle zehn Jahre neu zu erfinden. Man kann erst im Rechnungswesen arbeiten und im nächsten Job für eine Firma Computerspiele entwickeln.

ZEIT Campus: Hat diese Entwicklung Einfluss auf die Ausbildung an Unis?

Schwierz: Vermutlich. Fähigkeiten werden wichtiger, die man nicht in einer Vorlesung lernen kann. Koordinieren, Eventualitäten abschätzen, Entscheidungen treffen oder auch verschiedene Interessen zusammenbringen zu können. Denn wichtige Entscheidungen in Firmen werden künftig immer öfter auch von Arbeitnehmern selbst gefordert.

ZEIT Campus: Kann man solche Fähigkeiten in einem Traineeship oder einem Volontariat lernen?

Schwierz: Das kann man nicht pauschal sagen. Jede Firma bietet etwas anderes an. Wenn man noch nicht genau weiß, was man werden will, ist das eine gute Idee. Einige Traineeships bereiten auf einen bestimmten Zweig vor, andere bieten Einblicke in viele Bereiche. So in den Job einzusteigen erhöht in jedem Fall die Chance, früh bei seinem Traum-Arbeitgeber zu landen. Aber man sollte klären, was man lernt. Sammelt man viele Erfahrungen und darf zum Beispiel ins Ausland gehen, kann man ein geringeres Einkommen in Kauf nehmen.

ZEIT Campus: Als Absolvent sehe ich oft nicht viel mehr als ein Stellenangebot und die Internetseite eines Unternehmens: Woran erkennt man eine gute Traineestelle?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 2/17.

Schwierz: Das kann man meistens erst nach dem Bewerbungsgespräch abschätzen. Wichtig ist, dass man dieses nutzt, um selbst Fragen zu stellen: Wie arbeiten Menschen zusammen? Wie sieht der Karriereweg des Gesprächspartners aus? Was sind für ihn die wichtigsten Eigenschaften des Unternehmens? Denn es ist die Unternehmenskultur, die für die Zufriedenheit entscheidend ist.

ZEIT Campus: Das kann man nach einem einstündigen Bewerbungsgespräch aber auch mal falsch einschätzen.

Schwierz: Wenn ich Bauchschmerzen mit den Werten im Unternehmen habe, sollte ich dort eher nicht anfangen. Wenn man nach zwei Wochen nicht gleich die tollsten Projekte übertragen bekommt, plädiere ich dafür, durchzuhalten und nach ein paar Monaten das Gespräch mit dem Vorgesetzten zu suchen.

ZEIT Campus: Wie kann man seine Fähigkeiten im neuen Arbeitsalltag demonstrieren?

Schwierz: Ich empfehle, in den ersten Wochen mit dem Vorgesetzten zu besprechen, welche Ziele man langfristig vor Augen hat, und im Anschluss entsprechendes Engagement zu zeigen. Bis man dann wirklich in der Position ist und seinen Traum verwirklichen kann, kann es aber auch mal eine Zeit dauern.