Durch den Klimawandel entstehen neue Jobs bei Versicherungen. Auch IT-Experten werden gesucht. Worauf es dabei ankommt

Wer arbeitet in Versicherungen, und was sind die Aufgaben?

Es gibt fast nichts, was man nicht versichern kann: Bauern versichern sich gegen schlechtes Wetter, Fußballvereine versichern ihre Stars gegen Verletzungen, Konzerne ihre Güter für den Transport. Versicherungen selbst versichern sich bei Rückversicherungen, um im Katastrophenfall nicht pleitezugehen. Die Versicherungen brauchen dazu zwei Typen von Mitarbeitern: den Außendienstler, der im Dienstwagen von Kunde zu Kunde fährt, um Versicherungen anzubieten. So wie Horst Huber in Simbach. Die Außendienstler verdienen gut, wenn sie viele Policen unters Volk bringen. Zusätzlich braucht es im Innendienst Menschen, die mit Statistiken und Verträgen umgehen können, um Risiken und Prämien zu berechnen: Analytiker und Zahlen-Nerds.

Laut Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen arbeiteten im Jahr 2015 rund 210.000 Menschen in Versicherungen. Rund 12.000 von ihnen absolvierten gerade ihre Ausbildung – der klassische Einstieg ist die Lehre zum Versicherungskaufmann oder zur Versicherungskauffrau. Etwas mehr als 40.000 Hochschulabsolventen waren in dieser Zeit im Dienst von Versicherungen, die meisten von ihnen hatten Wirtschaftswissenschaften studiert. Aber auch Juristen und Mathematiker arbeiten in Versicherungen. Und Spezialisten aus anderen Bereichen: So bewerten ehemalige Kapitäne heute Schiffsrisiken, und Kunsthistoriker bestimmen den Wert von Skulpturen.

Wie ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt?

Während die Finanzkrise vor allem die Banken ins Schleudern brachte, kamen die meisten Versicherungen verhältnismäßig glimpflich davon. Mittlerweile haben sie neue Konkurrenten. Einige Start-ups, sogenannte Insurtechs, versuchen mit effizienteren digitalen Geschäftsmodellen neue Märkte zu besetzen. Vor allem im Vertrieb: Vermittlungsplattformen wollen es Kunden leichter machen, ihre Policen von verschiedenen Anbietern digital zu verwalten, empfehlen passende Produkte und hoffen auf Verkaufsprovisionen.

Das heißt: Versicherungen brauchen innovativen Nachwuchs. Doch der Talent in Insurance Survey 2015 der Beratungsfirma Deloitte zeigt: Gerade einmal 1,3 Prozent der mehr als 200.000 befragten Wirtschaftsstudenten nannten die Versicherungswirtschaft als eine ihrer fünf beliebtesten Branchen. Und das, obwohl die für die Befragten wichtigsten Aspekte – nämlich Work-Life-Balance und Jobsicherheit – bei Versicherungen überdurchschnittlich gut bewertet wurden.

Entstehen neue Jobs durch den Klimawandel?

Viele Versicherungen haben in den letzten Jahren Teams aus Naturwissenschaftlern zusammengestellt, die klimatische Veränderungen beobachten und daraus Risikoprognosen entwickeln sollen. Oft mit einem ganz praktischen Zugang, wie beim Versicherer Axa: "Wir beschäftigen uns damit, wie sich Wetterveränderungen auf Unfälle und auf das Sicherheitsbedürfnis unserer Kunden auswirken und was das für unseren Versicherungsschutz bedeutet", sagt Giuseppina Scuzzarello-Eichmeier, die bei der Versicherung für das Employer Branding zuständig ist. Einsteiger mit naturwissenschaftlichem Hintergrund seien "perspektivisch sehr wichtig". Die meisten Kandidaten suche Axa eher in den Wirtschaftswissenschaften und im Mint-Bereich.

Welche Spezialisten sind noch gefragt?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 3/17.

Wie fast alle Branchen sucht auch die Versicherungswirtschaft IT-Experten. Das hat damit zu tun, dass Geschäftsfelder wie Cyber Security wachsen. Risiken, die sich durch die Digitalisierung ergeben, müssen abgesichert werden. Bei einigen Policen zahlen Versicherer zum Beispiel, wenn durch einen Hackerangriff die gesamte IT und damit der Geschäftsbetrieb ausfällt, wenn der Datenschutz nicht beachtet wurde oder die Wiederherstellung wichtiger Daten zu teuer wird.

Wer aus großen Datenmengen mit Programmierkenntnissen oder statistischen Methoden Schlüsse ziehen kann, hat gute Chancen. Ob man theoretische Physik oder Wirtschaftsinformatik studiert habe, sei eher zweitrangig, so Giuseppina Scuzzarello- Eichmeier von Axa. "Wir denken bei der Bewerberauswahl nicht strikt in Studiengängen. Viel wichtiger sind uns konkrete Themenaffinität und die Persönlichkeit der Kandidaten."

Wie viel verdient man in diesen Jobs?

Fast 60 Prozent der Angestellten werden laut Arbeitgeberverband der Versicherungsfirmen nach Tarifvertrag bezahlt. Nach Zahlen des Vergütungsportals Gehalt.de verdienten Trainees im vergangenen Jahr zwischen 42.300 Euro und 55.800 Euro brutto jährlich. Grundsätzlich verdienen Außendienstler weniger als Innendienstler, bekommen aber Provisionen, wenn sie mehr verkaufen.