"Ich hatte einen Plan, aber am Ende kam alles anders"

"Ich wollte immer schon Autorin werden, ich schreibe, seit ich acht bin. Aber ich habe nie so richtig geglaubt, dass ich damit mein Geld verdienen kann. Mein ursprünglicher Plan war, später im Lektorat eines Buchverlages zu arbeiten, deshalb habe ich Buchwissenschaft und Linguistik in Mainz studiert. Lektorin sollte mein Brotjob sein, in meiner Freizeit wollte ich an meinen Geschichten schreiben.

Es kam anders. In einem Seminar zu Social Media hat es bei mir ›klick‹ gemacht. Das war einfach total mein Ding. Das wollte ich können, deswegen habe ich nach dem Bachelor bei einer Werbeagentur in Frankfurt angeheuert. Zuerst als Praktikantin, und weil es so viel Spaß machte, bin ich geblieben, wurde Community-Managerin und danach Social-Media-Managerin. In den zwei Stunden, die ich täglich im Zug gependelt bin, habe ich an meinem Fantasy-Roman "Kernstaub" geschrieben. Als er endlich fertig war, habe ich ihn als E-Book verkauft, damals für 99 Cent.

Parallel zum Job habe ich angefangen, mich als Autorin in den sozialen Medien zu vermarkten, über meine Facebook-Seite, Twitter und Instagram. Meine Erfahrungen aus der Agentur haben mir dabei geholfen. Irgendwann verkaufte sich das Buch immer besser, und ich gewann immer mehr Fans. Ich brauchte mehr Zeit, deshalb habe ich gekündigt. Zwei Monate danach habe ich einen Buchvertrag beim Drachenmond-Verlag unterschrieben, über sechs Bände. Mein Geld verdiene ich im Moment aber nur zum Teil mit dem Schreiben. Daneben gestalte ich Buchcover. Aber wer weiß, vielleicht kann ich tatsächlich eines Tages nur vom Schreiben leben. Mittlerweile halte ich das nicht mehr für ausgeschlossen."

Marie Graßhoff, 25, hat ihren Fantasy-Roman über Social Media vermarktet und jetzt einen Vertrag mit einem Buchverlag

"Ich habe lange nach einer passenden Stelle gesucht"

"Seit Mai bin ich in Braunschweig Integrationsmanager des Regionalverbandes der Johanniter-Unfall-Hilfe. Ich spreche mit Kommunen und Verbänden darüber, wie wir Flüchtlingen helfen können, in der Gesellschaft anzukommen, und überlege, was vor Ort benötigt wird und was die Johanniter dazu beitragen können.

Über ein Jahr hinweg habe ich fast 90 Bewerbungen verschickt, meistens auf Stellen im öffentlichen Dienst. Währenddessen habe ich in dem Wissenschaftsverlag gejobbt, bei dem ich schon im Studium gearbeitet hatte. Außerdem habe ich eine Fortbildung im Bereich Personal und ein Praktikum in einem Unternehmen für kommunale Strategieentwicklung gemacht. Ich fand die lokale Ebene spannend. Das unterscheidet mich von anderen Politikwissenschaftlern, die am liebsten im Bereich internationale Beziehungen oder für die Europäische Union arbeiten wollen. Irgendwann stieß ich auf die Anzeige der Johanniter. Dort wurden sogar explizit Politikwissenschaftler gesucht, das ist sehr selten.

Im Auswahlverfahren sollte man ein fiktives Projekt konzipieren und präsentieren. Dabei hat mir meine methodische Ausbildung aus dem Politikstudium geholfen, wo ich mich mit der Konzeption und Durchführung wissenschaftlicher Projekte befasst hatte. Mir kam natürlich auch zugute, dass mir die Probleme, mit denen sich Landkreise und Kommunen konfrontiert sehen, aus meinem Praktikum vertraut waren. Meine Stelle wurde neu geschaffen, es gibt keine standardisierten Abläufe oder engen Vorgaben. Ich darf mein eigenes Arbeitsfeld entwickeln. Als Geisteswissenschaftler kommt mir diese freiere Art zu arbeiten sehr entgegen."

Paul Dattke, 29, hat Politik in Hannover und Göttingen studiert und arbeitet bei der Johanniter- Unfallhilfe

Protokolle: Tina Pokern

WAS VERDIENT MAN?

Gehälter für Geisteswissenschaftler

Wer in einer Kultur- oder Medieninstitution anfängt, startet dort oft als Volontär. Das Gehalt liegt deutlich niedriger als beim Direkteinstieg. Der Deutsche Museumsbund empfiehlt ein Volontärsgehalt von etwa 1.700 Euro brutto im Monat. Volontären bei Zeitungen und Zeitschriften stehen im ersten Jahr laut Tarifvertrag rund 1.900 Euro pro Monat zu. Die meisten Volontariate dauern etwa zwei Jahre, wird man im Anschluss übernommen, sollte auch das Gehalt steigen.

Doch auch auf Positionen, die keinen Ausbildungscharakter mehr haben, werden Geisteswissenschaftler verhältnismäßig niedrig vergütet. Im Durchschnitt verdienen Absolventen laut Gehalt.de im ersten Job rund 34.500 Euro im Jahr, in der Werbe- und PR-Branche liegt dieser Wert nur bei 30.400 Euro. Wer dagegen in öffentlichen Verwaltungen oder Behörden anfängt, verdient zu Beginn im Schnitt 41.700 Euro im Jahr.

Viele Geisteswissenschaftler arbeiten nach dem Abschluss als Freiberufler, zum Beispiel als Übersetzer oder Lektoren. Preise werden hier je nach Aufwand und Umfang der Aufträge kalkuliert, allerdings müssen Freiberufler auch alle anfallenden Kosten für Versicherungen, Büros und Verwaltungsaufwand miteinberechnen. Einen Leitfaden für die Preisfindung gibt es hier: bit.ly/campus_pf.

Text: Jan Guldner