Personalmanager erklären, was hinter ihren Stellenanzeigen steht.

Die Stelle: Grafikdesigner(in)/Mediengestalter(in) im Hörbuchverlag

Auszug aus der Anzeige: "Wir bieten Ihnen ein junges, sympathisches und erfolgreiches Team; eigenverantwortliches Arbeiten und kreativen Freiraum für Ihre Ideen; einen attraktiven Arbeitsplatz in Berlin-Charlottenburg; Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann möchten wir Sie gern kennenlernen und freuen uns auf Ihre schriftliche Bewerbung und Ihr Portfolio."

ZEIT Campus: In Ihrer Stellenanzeige versprechen Sie "kreativen Freiraum". Was heißt das für Bewerber?

Amadeus Gerlach: Eine Stellenanzeige bietet viele Informationen, auf die man geschickt eingehen kann. In diesem Fall heißt das: Es sollte sich auf das Inserat kein Grafikdesigner bewerben, der nur grafische Fließbandarbeit leisten und zum Beispiel gerne täglich Hunderte von Schuhabbildungen freistellen möchte. Wir suchen diejenigen, die gern selbst gestalten und kreativen Input geben.

ZEIT Campus: Wie zeigt man in seiner Bewerbung, dass man kreativ ist?

Gerlach: Durch ein breites Portfolio, eigene Ideen und indem man Prioritäten setzt. Gut ist es, wenn man Kenntnisse nachweist, die wir in unserer Stellenanzeige gesucht haben wie Produktgestaltung, Editorial Design und Reinzeichnung – möglichst vom Entwurf bis zur Druckvorlage. Wir prüfen im nächsten Schritt die praktischen Fähigkeiten dann auch noch separat.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Nr. 7/2017.

ZEIT Campus: Wie sieht das aus?

Gerlach: Bevor es zu einem Auswahlgespräch kommt, schicken wir den besten Bewerbern kleine Aufgaben. Wir bitten sie zum Beispiel darum, nach spezifischen Vorgaben ein CD-Cover zu einem bestimmten Hörspiel zu gestalten, ein Foto freizustellen und einen Text nach typografischen Regeln zu setzen. So erkennen wir, was ein Bewerber tatsächlich kann.

ZEIT Campus: Wie belegt man denn generell in einer Bewerbung seine Fähigkeiten?

Gerlach: Uns überzeugen anschauliche Beispiele oder Verweise auf Dritte. Bei Grafikern können das Wettbewerbspreise sein, Empfehlungen anderer Unternehmen oder schlicht die Beschreibung grafischer Umsetzungen, die zeigen, was genau man zu einem Projekt beigetragen hat.

ZEIT Campus: Wenn Sie schreiben "Wir bieten Ihnen ..." , dient das dann nur zur Info?

Gerlach: Nicht nur. Wir präsentieren uns in einer Anzeige auch deshalb selbst, um den Bewerbern die Möglichkeit zu bieten, darauf einzugehen. Uns interessiert, was sie zu unserem Unternehmen beitragen wollen und können.

ZEIT Campus: Es findet sich auch die klassische Formulierung "Sie arbeiten gerne im Team". Wie sollte man darauf eingehen?

Gerlach: Auf jeden Fall sollte man nicht nur schreiben: "Ich arbeite gerne im Team." Gelungene Teamarbeit lässt sich am besten an Projektbeispielen veranschaulichen. Welche Rolle hat der Bewerber im Team gespielt? War er der Kreative, der Organisator, der Ideengeber oder der Moderierende? Ich möchte mir vorstellen können, welche Rolle er in unserem Team spielen könnte.

Die Stelle: Technischer Experte für die Zertifizierung von Windenergieanlagen (w/m)

Auszug aus der Anzeige: "Ihr Profil: Bachelor- oder Masterabschluss als Ingenieur Maschinen- bau/Luft- und Raumfahrttechnik/Bauingenieurwesen; Fundierte Fachkenntnisse in den Bereichen Maschinenbau, Strukturanalyse, Getriebetechnik und Windenergie"

ZEIT Campus: Laut Ihrer Anzeige können sich Master-, aber auch Bachelorabsolventen bewerben. Haben beide gleich gute Chancen?

Simone Wiche: Das haben wir schon bewusst so geschrieben. Beides geht, ein Masterabsolvent hat keinen automatischen Vorteil.

ZEIT Campus: Sie verlangen "fundierte Fachkenntnisse". Muss man sich in den genannten Bereichen tatsächlich richtig gut auskennen?

Wiche: Ganz klar. Dieser Begriff signalisiert, dass das die bedeutendsten Kompetenzen für den Job sind. Wenn da was fehlt, stehen die Chancen eher schlecht. Wenn dagegen "erste Erfahrungen" oder "ein gutes Verständnis" in einem Bereich verlangt werden, reicht es, wenn man eine ungefähre Ahnung hat, worum es da geht. Vieles ist Learning by Doing.

ZEIT Campus: Sie fragen nach den Gehaltsvorstellungen. Erwarten Sie das wirklich?

Wiche: Ja. Die meisten lassen es weg. Mir ist aber die eigene Einschätzung der Bewerber mit Blick auf ihren bisherigen Werdegang wichtig. Also kommt gut an, wer darauf antwortet.

ZEIT Campus: Was ist Ihnen noch wichtig?

Wiche: Form und Struktur! PDF-Dokumente etwa sind geeigneter als Word-Dokumente. Die Unterlagen sollten leicht erfasst werden können. Bei uns herrscht ein entspannter Umgangston, daher kommen bei mir Bewerbungen mit einem lockeren Stil gut an.

Die Stelle: Junior Product Manager Lancaster (m/w)

Auszug aus der Anzeige: "Ihr Qualifikationsprofil: Erfolgreich abgeschlossenes wirtschaftswissenschaftliches Master-Studium mit Schwerpunkt Marketing oder Vertrieb; Erste relevante Berufserfahrung im Bereich Marketing in einem international tätigen Unternehmen der Konsumgüterbranche; Sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse in Wort und Schrift und idealerweise Französischkenntnisse."

ZEIT Campus: Sie fordern in Ihrer Stellenanzeige erste Berufserfahrung im Bereich Marketing. Können sich Berufseinsteiger darauf überhaupt bewerben?

Jasmine Ober: Natürlich! Sie sollten aber zumindest relevante Erfahrungen mitbringen, die sie während Praktika oder einer Werkstudententätigkeit gesammelt haben.

ZEIT Campus: Die Branche ist dabei egal?

Ober: Idealerweise können Bewerber Marketing-Erfahrung aus der Beauty-Branche vorweisen. Aber auch Kenntnisse im Produktmarketing, zum Beispiel für Kekse, Waschmittel oder andere Konsumgüter, finden wir sehr interessant. Das Gesamtbild zählt.

ZEIT Campus: Sie verlangen " sehr gute Englischkenntnisse " . Was heißt das?

Ober: Weil wir global agieren, ist Englisch bei uns unheimlich wichtig. Es sollte mündlich wie schriftlich sehr flüssig sein. Wir prüfen das auch, indem wir im Gespräch spontan ins Englische wechseln. Also sollte man seine Sprachkenntnisse realistisch angeben.

ZEIT Campus: In einigen Stellenanzeigen verwendet Ihr Unternehmen das Du. Darf man zurückduzen?

Ober: Wir nutzen das zur zielgruppengerechten Ansprache, zum Beispiel wenn wir Praktikanten suchen. Aber zurückduzen sollte man dann doch nicht. Besser bleibt man beim Sie.