Wo finde ich Ausschreibungen? Lohnt sich eine Initiativbewerbung? Antworten auf Fragen zur Stellensuche

Wo sucht man am besten nach Stellenanzeigen?

90 Prozent der großen deutschen Unternehmen schreiben ihre freien Stellen auf der Firmenwebsite aus, sieben von zehn Stellenanzeigen werden auf Jobbörsen im Internet veröffentlicht. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Recruiting Trends" der Universität Bamberg. Rund 1.200 Jobbörsen helfen mittlerweile dabei, diese Angebote aufzuspüren. Auf großen Portalen wie dem der Bundesagentur für Arbeit oder meinestadt.de finden Interessenten rund eine halbe Million Stellenanzeigen. Portale wie der Crosswater Job Guide oder der Jobbörsen-Kompass vergleichen und bewerten die verschiedenen Angebote.

Gibt es auch so etwas wie eine Suchmaschine für Jobs?

Ja. Metasuchmaschinen wie etwa Kimeta, Careerjet oder Indeed durchforsten zahlreiche Jobbörsen, aber auch Firmenwebsites. Das Unternehmen Jobmehappy wiederum hat sich auf die mobile Stellensuche spezialisiert: Bewerber füttern einen Chatbot mit einer Frage ("Stellen für Marketing-Einsteiger im Raum Essen?"). Was im Netz dazu gefunden wird, bekommt man kurz darauf aufs Smartphone. Wer in einem breiten Feld wie Marketing oder Vertrieb arbeiten möchte, kann sich zuerst mithilfe einer Metasuchmaschine einen Überblick verschaffen. Wolle man jedoch einen sehr spezialisierten Beruf ausüben oder habe eine bestimmte Region im Auge, sei es sinnvoll, direkt auf entsprechend ausgerichteten Jobbörsen zu suchen, rät Gerhard Kenk, Gründer des Infoportals Crosswater Job Guide. Denn nicht immer berücksichtigten die Suchmaschinen alle Nischenbörsen. Fachspezifische Portale sind zum Beispiel jobs.biologie.de oder pharmazone.de für die Bereiche Life Science, Biologie und Pharmazie. Ingenieur24.de oder ingenieur-jobs.de richten sich dagegen an Ingenieure. Auch für Hochschulabsolventen gibt es spezielle Seiten wie zum Beispiel absolventa.de, berufsstart.de oder audimax.de

Was bringen Karrieremessen für die Stellensuche?

Karrieremessen sind Marketingveranstaltungen. Unternehmen zahlen für ihre Stände dort, weil sie sich mittelfristig bekannter machen und im Gespräch halten wollen, um so die Zahl geeigneter Bewerber zu erhöhen. Konkrete Stellen zu besetzen ist oft ein zweitrangiges Ziel. Dennoch sind die Firmen an Bewerbungsunterlagen interessiert, die sie dann in ihren normalen Bewerbungsprozess einspeisen. Gut ist es, wenn man im Vorfeld Termine für Vorstellungsgespräche abmachen kann. Messen taugen aber für mehr als fürs Bewerben. Hier kann man netzwerken, herausfinden, wie Unternehmensvertreter ticken, und sich im Gespräch mit ihnen erproben. Fängt man damit schon in frühen Semestern an, kann man ohne Druck eine gute Grundlage für die Zeit legen, in der es ernst wird.

Kann ich mich nicht einfach finden lassen, statt selbst zu suchen?

Die Vorstellung ist schön: Statt sich durch Jobportale und Bewerbungsmasken zu klicken, wartet man gemütlich ab, bis der Traumarbeitgeber auf einen zukommt. In der Tat haben immer mehr Unternehmen begonnen, sich vom reinen "post and pray", wie es im Personalerjargon heißt, abzuwenden. Sie wollen also mehr machen als nur Anzeigen zu schalten und zu hoffen, dass sich die Passenden schon melden werden. Stattdessen ist "Active Sourcing" angesagt, das heißt, man will von sich aus auf Leute zugehen, die infrage kommen könnten. Laut der "Recruiting Trends"-Studie setzen knapp 35 Prozent der tausend größten deutschen Unternehmen bei der Personalsuche sowohl auf aktive Ansprache als auch auf klassische Stellenausschreibungen, sieben Prozent sogar nur auf "Active Sourcing". Besonders umtriebig sind die IT-Unternehmen, sie wenden sich bei mehr als jeder zweiten zu besetzenden Stelle direkt an Leute, die ihnen interessant erscheinen.

Wo halten Unternehmen nach Kandidaten Ausschau?

Zwar arbeiten Entwickler an immer ausgefuchsteren Tools, mit denen das große Datenmeer im Netz durchsucht werden kann. In Zukunftsfantasien sehen manche schon Unternehmens-Bots mit Bewerber-Bots verhandeln. Die Realität ist davon aber weit entfernt. Die "aktive Suche" läuft vor allem über Karriere-Events für Studenten, über Jobmessen und über persönliche Netzwerke sowie über Karrierenetzwerke wie Xing. In der "Recruiting Trends"-Studie gab aber immerhin jedes zweite Unternehmen an, sich auch in Foren und Blogs nach Kandidaten umzusehen, jedes vierte nahm dafür die sozialen Medien in den Blick. Einige Start-ups haben den "Active Sourcing"-Trend aufgegriffen: Die Plattform 4Scotty etwa dreht den Bewerbungsprozess um: Dort beschreiben ITler, was, wo und wie sie gerne arbeiten würden – im Anschluss können sich Unternehmen bei ihnen bewerben.

Was bringen Lebenslaufdatenbanken?

Wer eine Stelle sucht, kann seinen Lebenslauf in Datenbanken einstellen, die unter anderem von Jobportalen angeboten werden. Interessierte Unternehmen können dann darauf zugreifen. Bei Bewerbern ist das Angebot äußerst beliebt. Allerdings nutzt nicht einmal die Hälfte der großen Unternehmen die Möglichkeit, wie die Bamberger Studie zeigt. Nur gut 38 Prozent gaben an, dort nach geeigneten Kandidaten zu fahnden.

Wie erfolgversprechend ist eine Initiativbewerbung?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Nr. 7/2017.

Das kommt drauf an, wo man sich bewirbt. Bei Initiativbewerbern gehen die Meinungen in den Unternehmen stark auseinander, wie eine aktuelle Studie des Instituts für Competitive Recruiting in Zusammenarbeit mit dem Fachmagazin Personalwirtschaft zeigt. Ob Initiativbewerbungen geschätzt werden, hängt demnach unter anderem von der Branche ab. In der IT freuten sich 70 Prozent der befragten Unternehmen darüber, bei den Finanzdienstleistern dagegen nicht einmal ein Viertel. Ein weiteres Ergebnis: Die Bewerber liegen mit ihrer Einschätzung oft daneben. So seien in der IT, im Maschinen- und Anlagenbau, in der Medienwirtschaft, im Handel und im Fahrzeugbau Initiativbewerbungen willkommener als von Bewerbern vermutet. Umgekehrt überschätzten die Bewerber die Chancen von Initiativbewerbungen in den Life Sciences und bei den Finanzdienstleistern. Letztlich ist es aber das einzelne Unternehmen, das entscheidet, wie es damit umgeht.

Wie wichtig sind Beziehungen?

Ohne Vitamin B geht nichts – das stimmt zumindest für Akademiker nicht. So war der häufigste Weg, auf dem Bewerber zu einer Stelle fanden, einer Studie des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zufolge eine Bewerbung auf eine in Jobbörsen oder auf der Unternehmenswebsite ausgeschriebene Stelle. Aber immerhin ein Fünftel der Besetzungen nahm ihren Anfang über persönliche Kontakte – häufig handelte es sich dabei um Empfehlungen von Mitarbeitern. Zurzeit rufen zudem viele Unternehmen ihre Mitarbeiter dazu auf, ihnen Kandidaten zu empfehlen, und honorieren erfolgreiche Tipps manchmal sogar finanziell. Netzwerken lohnt also. Sehr nützlich sind auch Beziehungen, die sich die Bewerber selber aufbauen, etwa als Praktikanten oder Werkstudenten.