Bewerber werden mit Tipps zu Outfit und Körpersprache überhäuft. Was Personaler darüber denken

Berufseinstieg

"In der Werbebranche gibt es keinen Dresscode"

"Die Wahl der Klamotten ist mir vollkommen egal. In der Werbebranche gibt es keinen Dresscode. Nebensächlich finde ich auch, wenn jemand offensichtlich nervös ist, auf dem Stuhl herumrutscht oder sich durch die Haare fährt. Meist hilft es schon, wenn man es einfach ausspricht: "Schön, hier zu sein, aber ich bin ein bisschen aufgeregt." Wenn ich das weiß, kann ich helfen, die Situation zu entspannen. Wir duzen uns mit den Bewerbern. Doch bei aller Lockerheit darf der gegenseitige Respekt nicht fehlen. Dazu gehört, dass man allen zur Begrüßung die Hand gibt, den Gesprächspartner ansieht und ausreden lässt und aufrichtig antwortet."

Susanne Dera, 41, ist Personalchefin bei der Kreativagentur Kolle Rebbe

"Der Kleidungsstil sollte zur Person passen"

"Der Händedruck soll kurz und fest sein, die Arme darf man nicht verschränken und als Erster aufstehen schon gar nicht. Wer versucht, solchen Ratschlägen zu folgen, macht sich nur verrückt. Bewerber, die krampfhaft versuchen, ein solches Drehbuch einzuhalten, fühlen sich nicht wohl – keine guten Voraussetzungen für ein gelungenes Gespräch. Klar sollte man höflich und pünktlich sein, aber wer das nicht ist, wird es auch nicht vorspielen können. Der Kleidungsstil sollte zur Person passen. Wer als Online-Vermarkter bei uns einsteigen will, kann ruhig in Jeans, Sneakers und mit Tattoos aufkreuzen. Aber vielleicht trägt er darüber ein Sakko, damit wir sehen, dass er sich Gedanken gemacht hat und die Einladung wertschätzt."

Frederik Winkel, 39, Chef der Marketingabteilung von Küche & Co, einem der größten Küchenanbieter Deutschlands

"Zu spät kommen ist verzeihbar, wenn man es gut begründet"

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Nr. 7/2017.

"Ich mag es, wenn Bewerber freundlich und selbstbewusst auftreten. Das Gesamtbild aus Mimik, Körperhaltung und Gesagtem muss stimmen: Wenn sich jemand als kommunikativen Typ beschreibt, fände ich es merkwürdig, wenn er mir nur einsilbig antwortet und im Gespräch nicht in die Augen schaut. Ich achte nicht ständig auf die perfekte Körpersprache, man darf auch mal die Arme verschränken. Selbst zu spät kommen finde ich verzeihbar, sofern derjenige zeigt, dass er die Zeit seiner Gesprächspartner wertschätzt. Also: Rechtzeitig anrufen, sich entschuldigen, den Grund für die Verspätung nennen und höflich um einen Anschlusstermin bitten."

Kathrin van Schoonderwaldt, 34, ist beim Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson für die Talentsuche verantwortlich

"Ob die Schuhe geputzt sind, ist völlig nebensächlich"

"Uns ist wichtig, dass der Bewerber eine klare Haltung hat und seine Meinung vertritt. Gefallen wollen um jeden Preis passt nicht zu unserer Unternehmenskultur. Wir möchten den Bewerber näher kennenlernen, wissen, was ihn interessiert und begeistert und einen Eindruck bekommen, ob er den Herausforderungen in einem Familienunternehmen mit Leidenschaft und sozialer Kompetenz begegnen wird. Im Gespräch ist es völlig nebensächlich, ob die Schuhe geputzt sind oder welche Farbe diese haben. Es bringt auch nichts, unsere Unternehmensbroschüren zu studieren und nachzuerzählen – das sagt uns nichts über den Menschen, der uns da gegenübersitzt. Wer sich offen und natürlich gibt, hat die besten Chancen."

Werner Hagedorn, 59, leitet die Abteilung Personal und Organisation bei der Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG

Protokolle: Katja Bosse