Vier Möglichkeiten für die Zeit nach dem ersten Abschluss

Bachelor

Einen Master machen

Eigentlich ist der Bachelor erfunden worden, damit Studenten schnell ins Berufsleben starten können. Nur jeder zweite Absolvent, so dachten Bildungsexperten bei der Bologna-Reform von 1999, würde im Anschluss einen Master machen. Die Realität sieht heute anders aus. Mehr als 70 Prozent der Bachelorabsolventen machen einen Master. "Viele Studenten gehen diesen Weg, ohne darüber nachzudenken, ob ein Master für sie tatsächlich die beste Wahl ist", sagt Rosmarie Schwartz-Jaroß. Die Leiterin des Career Centers an der Humboldt-Universität in Berlin hält eine angestrebte Führungsposition oder eine wissenschaftliche Karriere für gute Gründe, einen Master zu machen. "Wer hingegen schon jahrelang im eigenen Familienunternehmen mitgearbeitet hat, kann meist direkt nach dem Bachelor beruflich durchstarten", sagt Schwartz-Jaroß.

Ob ein Master für den Berufseinstieg notwendig ist oder der Bachelorabschluss reicht, hängt auch vom Fachbereich ab. Und davon, welche Tätigkeit man in einem Unternehmen anstrebt. "Für spezialisierte Berufe, etwa in der Forschung und Entwicklung oder in der Rechtsabteilung, entscheiden wir uns eher für Bewerber mit höheren Studienabschlüssen", sagt Nora Schoenthal. Sie arbeitet in der Personalabteilung bei Henkel. In anderen Unternehmensbereichen wie Personal oder Marketing sieht sie jedoch gute Einstiegschancen für Bachelorabsolventen. Deshalb ist es sinnvoll, mit dem Masterstudium erst dann zu beginnen, wenn man seinen Berufswunsch genauer kennt – und nicht nur deshalb an der Uni zu bleiben, weil es die leichteste Option ist.

Ein Gap-Year einlegen

Seminar folgt auf Seminar und wenn eine Klausur geschafft ist, muss für die nächste schon gelernt werden: Bachelorstudiengänge sind oft durchgetaktet. "Wir stellen fest, dass immer mehr Studenten erst die Zeit nach dem Bachelor nutzen, um Auslandserfahrung zu sammeln", sagt Regina Schmieg, Projektkoordinatorin vom Informationsdienst Eurodesk. "Die strikte Studienorganisation im Bachelor erschwert es, Auslandssemester einzulegen." Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung verzichtet beinahe jeder zweite Student auf ein Auslandssemester, weil er fürchtet, die Zeit nicht mit den Kursen vereinbaren zu können.

Eine gute Alternative ist, nach dem ersten Abschluss ins Ausland zu gehen. Staatlich geförderte Programme wie Weltweit vom DAAD, Kulturweit von der Unesco sowie der internationale und der europäische Freiwilligendienst verbinden den Aufenthalt mit sozialen Projekten. Seit Dezember 2016 kann man sich für das Europäische Solidaritätskorps bewerben, um sich zwei bis zwölf Monate lang bei der Flüchtlingshilfe oder nach Naturkatastrophen im Ausland zu engagieren. Auslandspraktika können durch das Programm Erasmus+ gefördert werden.

Wer in Deutschland bleiben, aber mal was anderes machen will, kann den Bundesfreiwilligendienst oder ein freiwilliges soziales Jahr machen. Alternativ kann man das Jahr für Praktika nutzen. Mehrere Unternehmen, etwa Allianz und Bertelsmann, bieten gemeinsam ein Gap-Year-Programm für Praktika an. Wichtig: Die Bewerbungsfristen der Programme enden oft bis zu einem Jahr im Voraus.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Magazin 2/2017.

Bachelor Nr. 2 durchziehen

Der Bachelor ist vorbei und damit manchmal auch die Begeisterung für das eigene Studienfach. Manche Absolventen bekommen nach dem ersten Abschluss nur Absagen und müssen sich eingestehen: Mit diesem Studium klappt der Einstieg in den Wunschberuf nicht. In solchen Situationen kann es ratsam sein, das Studienfach zu wechseln. Selten ist es möglich, einen fachfremden Master anzuhängen, meistens muss man dann noch einmal von vorne anfangen – und sich für einen zweiten Bachelorstudiengang entscheiden. Das kostet natürlich Zeit.

Andererseits: Gerade aus der Kombination zweier völlig unterschiedlicher Studienfächer kann ein ganz besonderer Lebenslauf entstehen. "Wer sein erstes Studium durchzieht und dann noch einmal etwas Neues anfängt, kann das bei der Bewerbung später mit Durchhaltevermögen begründen", sagt die Karriereexpertin Rosmarie Schwartz-Jaroß. "Wer dagegen häufig wechselt, wirkt schnell sprunghaft, und das wird auf dem Arbeitsmarkt nicht gern gesehen."

Handelt es sich bei dem zweiten Bachelor um einen zulassungsfreien Studiengang, kann man sich normal bewerben. Ist er jedoch zulassungsbeschränkt, gilt man als Zweitstudienbewerber. Dann gelten feste Quoten: Meist werden nur drei Prozent der Zweitstudienbewerber zugelassen. Man bewirbt sich nicht mit seiner Abiturnote, stattdessen zählen die Bachelornote und das Motivationsschreiben für das Zweitstudium. Übrigens: Bafög bekommt man nur, wenn man das Zweitstudium für den späteren Beruf auch braucht. Das muss man begründen können.

Direkt in den Job starten

Wer nach dem Bachelor gleich in einem Unternehmen anfangen will, hat oft ganz gute Chancen. Die Personalberatung Staufenbiel hat in einer Studie festgestellt, dass Absolventen mit Bachelor ohnehin überwiegend an den gleichen Einstiegsprogrammen teilnehmen wie die mit Masterabschluss.

Was das für Einstiegsprogramme sind, kommt auf die Branche an. Im Medienbereich etwa beginnt man als Hochschulabsolvent klassischerweise mit einem ein- bis zweijährigen Volontariat, während man in ein Wirtschaftsunternehmen meist über eine Junior-Stelle oder ein Traineeprogramm einsteigt. Beides kann Vorteile haben. Als Junior arbeitet man direkt im Tagesgeschäft einer bestimmten Abteilung mit, bekommt meistens ein höheres Gehalt und mehr Verantwortung als ein Trainee. Dafür lernt man in einem Trainee-Programm in ein bis zwei Jahren nahezu alle Abteilungen des Unternehmens kennen, teilweise auch im Ausland, und kann an vielen Veranstaltungen teilnehmen. Die Idee: Sich ein firmeninternes Netzwerk aufzubauen und erst später zu entscheiden, in welchem Bereich man arbeiten möchte.

Nach ein paar Jahren im Beruf kann man außerdem wieder zurück an die Uni gehen. "Bewerber, die nach dem Bachelor gearbeitet haben, entscheiden sich bewusster für einen Master und haben oft eine bessere Vorstellung davon", sagt die Personalexpertin Nora Schoenthal. Zudem gibt es berufsbegleitende Master. Wer die Fülle an Möglichkeiten kennt, kann sich selbst den Druck nehmen: Die erste Entscheidung nach dem Bachelor muss keine endgültige sein.