Vier Studenten erzählen von den schönsten Erlebnissen während ihrer Auslandssemester.

In Lappeenranta

Wo liegt das? In Finnland. Ich wollte schon immer einmal in Skandinavien leben, mir gefällt die Natur dort. Meine Uni in Hamburg hat eine Erasmus-Partnerschaft mit der kleinen finnischen Stadt Lappeenranta. Ich habe mich beworben – und wurde sofort genommen. Dort gab es sehr viele Austauschstudenten. Trotzdem habe ich einige Finnen kennengelernt.

War das einfach? Ja, ich habe sogar finnische Ersatzgroßeltern gefunden. Die habe ich über ein Programm an der Uni kennengelernt. Sie haben mich oft zum Essen eingeladen und mit mir Ausflüge unternommen.

Wie hast du das finanziert? Mit dem Erasmus-Stipendium und Erspartem. Das Leben in Finnland ist sehr teuer. 1.000 Euro habe ich im Monat ausgegeben. Allein ein Bier kostet acht Euro. Wir sind deswegen abends oft im Wohnheim geblieben und haben gemütliche Abende in der Sauna verbracht.

Was hat dir gefallen? Die Finnen vertrauen einander sehr. Laptop und Portemonnaie bleiben in der Mittagspause einfach in der Bibliothek liegen. Gestohlen wurde nie etwas. Ein anderes Erlebnis, das ich nie vergessen werde: Ich bin in Lappland mit finnischen Schlittenhunden über einen großen gefrorenen See gefahren. Der kalte Wind, das dunkle Eis und die weite Landschaft haben mir ein unglaubliches Freiheitsgefühl gegeben.

Was war schwierig? Ab November gibt es kein Tageslicht. Am Anfang war ich richtig müde und schlapp. Ich dachte zuerst, ich werde krank. Der Campus-Arzt hat mich dann mit Vitamin-D-Tabletten versorgt. Damit habe ich den Winter überstanden.

In St. Petersburg

Warum wolltest du nach Russland? Um ein Abenteuer zu erleben! In den deutschen Medien wird Russland oft als Bedrohung für die westliche Welt dargestellt. Das hat mich schon seit Längerem neugierig gemacht. Ich wollte wissen, wie die Menschen dort leben, und sehen, ob die Berichte stimmen.

Und was hast du entdeckt? Wie gastfreundlich und offen die Leute sind. Das merkt man nur, wenn man Russisch spricht. Ein paar Monate vorher habe ich die Sprache gelernt. Gut war ich nicht, die Einheimischen haben schnell gemerkt, dass ich aus Deutschland komme. Aber das war ihnen egal, wir haben uns trotzdem gut verstanden.

Was war anders als erwartet? Die Menschen zeigen gerne, was sie besitzen. Sie wollen damit ihren gesellschaftlichen Status betonen. Als Ausländer musste ich da zum Glück nicht mithalten – das wäre sonst sehr teuer geworden.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Magazin 2/2017.

Wie viel Geld hast du ausgegeben? Für mein Zimmer im Studentenwohnheim musste ich nur 70 Euro im Monat zahlen. Das war relativ heruntergekommen. Man wusste nie, ob die Heizung funktioniert oder nicht. Bei Lebensmitteln hingen die Kosten vom aktuellen Rubelkurs ab.

Dein aufregendstes Erlebnis? Meine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn. Zehn Tage lang war ich mit einem Kommilitonen von Moskau bis nach Irkutsk am Baikalsee unterwegs. Zwischendurch waren es Minus 30 Grad, da ist mein Handy eingefroren. Mit dem Zug durch die verschneiten und vereisten Wälder in Sibirien zu fahren – das werde ich nie vergessen.

In Kuching

Wo warst du? An der Swinburne University of Technology in Malaysia. In meinem Studiengang an der Fachhochschule Münster ist das Auslandssemester obligatorisch und gehört zum Master. Malaysia war sehr spannend: viele ethnische Gruppen leben dort, es werden verschiedene Sprachen und Dialekte gesprochen und diverse Religionen praktiziert.

Was hast du dort erlebt? Nicht weit von der Stadt entfernt stehen traditionelle Langhäuser, wo die Einwohner im Fluss ihre Wäsche waschen. Und der Dschungel ist unglaublich nah. Dort habe ich Blumen und Tiere entdeckt, die ich noch nicht einmal aus Büchern kannte.

Was war anders? Die Frauen haben sich beispielsweise den Männern unterzuordnen und sind nur selten allein unterwegs. Als ich fünf Wochen durch Asien gereist bin, waren viele überrascht, warum ich als Frau allein reisen wollte und durfte. Aber die Menschen sind sehr freundlich und offen. Gerade in Kuching läuft das Leben sehr entspannt ab. Zeitdruck kennt hier niemand, genauso wenig wie schlechte Laune.

War das Studium exotisch? Es war verschult und manchmal sehr chaotisch. Meine Projektgruppe hat regelmäßig Deadlines verpasst. Oft mussten wir eine Stunde vor Abgabe unsere Agenda ändern, und während Präsentationen wurden noch Folien korrigiert.

Wurden dir die Kurse angerechnet? Nein, aber das hat einen Grund: An meiner Hochschule in Münster wird die Durchschnittsnote aus dem Auslandssemester in das deutsche Notensystem umgerechnet. Deshalb musste ich nicht länger studieren.

In Amsterdam

Wie bist du ins Ausland gekommen? Durch meinen Doppelmaster: Meine Uni in Bochum bietet den zusammen mit der Uni in Amsterdam an. In den Niederlanden habe ich ein Jahr lang Literatur und Kultur studiert. In Deutschland beschäftige ich mich gerade mit den Fächern Germanistik und Geschichte.

Wie läuft das ab? Das ist manchmal ganz schön anstrengend. Weil ich zwei Abschlüsse mache, muss ich auch zwei Masterarbeiten schreiben. Eine davon habe ich schon in Amsterdam eingereicht. Jetzt fehlt mir noch die Arbeit für die Uni Bochum.

Unterscheidet sich der Uni-Alltag? Ja, sehr. In Amsterdam hatten wir einen kleinen Studiengang. Die Atmosphäre war familiär, wir durften alle Dozenten und Professoren duzen. Abends waren wir sogar mal ein Bier mit ihnen trinken. Ganz anders als in Deutschland, hier ist der Umgang mit Dozenten viel distanzierter und hierarchischer.

Musstest du was zahlen? Ich hatte ein DAAD-Stipendium. Im Monat habe ich 600 Euro bekommen, auch ein Großteil der Studiengebühren wurde erstattet. Am Ende musste ich noch 800 Euro zahlen.

Was war in Amsterdam dein schönstes Erlebnis? Ich mochte die Bootstouren auf den Grachten in Amsterdam und die kostenlosen Fähren im Norden der Stadt. Wenn man damit auf die andere Seite fährt, kann man bei der Strandbar Pllek was trinken gehen. Und die Burger von meinem Lieblingsladen Burgerlijk vermisse ich. Die schmecken am besten. Das wissen auch die Fußballspieler von Ajax Amsterdam. Die habe ich dort einmal getroffen.