Experten und Studenten geben Tipps zur Entscheidungsfindung.

Soll ich mich spezialisieren?

In den Sozialwissenschaften gibt es eine verwirrende Anzahl von Masterstudiengängen, und es werden immer mehr: 929 waren es laut Hochschulrektorenkonferenz im Wintersemester 2016/17. Mehr als hundert neue Master sind allein in den letzten zwei Jahren dazugekommen. Lohnt es sich, einen inhaltlich sehr spezialisierten Studiengang zu wählen, etwa den Master in Alternden Gesellschaften, der an der TU Dortmund angeboten wird, oder den in Wirtschafts- und Finanzsoziologie der Uni Frankfurt? Ja, sagt Alexander Simon. "Wenn jemand zum Beispiel sagt, er will unbedingt in einer NGO arbeiten, dann ist der Schwerpunkt internationale Beziehungen sinnvoll", erklärt der Studienfachberater von der Uni Frankfurt. Alexander Simon rät, am besten vorher durch Praktika sicherzustellen, dass einem der Bereich, auf den man sich spezialisieren möchte, auch wirklich liegt. Wer beruflich noch unentschlossen ist, könnte mit einem generalistischen Master, mit dem man sich inhaltlich noch nicht so klar festlegt, eine bessere Wahl treffen.

Sozialwissenschaftler, die keine gute Note aus dem Bachelor mitbringen, aber örtlich flexibel sind, können sich bei zulassungsfreien Studiengängen umsehen. Psychologen haben es leider nicht so leicht. Sie brauchen im Bachelor fast immer einen Einserschnitt, denn Masterplätze sind knapp. Ihre Masterstudiengänge sind nicht so stark ausdifferenziert wie die der Sozialwissenschaftler: Grundlagen, Anwendung, Diagnostik und Methoden werden überall gelehrt. Dennoch kann man meist Schwerpunkte setzen, etwa in Arbeits- und Organisationspsychologie oder in pädagogischer Psychologie.

Wer im Studium klinische Psychologie gelernt hat und Therapeut werden will, muss nach dem Master noch mal mindestens drei Jahre in eine Ausbildung, meist an einem privaten Institut. Die Ausbildung kostet in der Regel fünfstellige Beträge. Das ist viel Geld, es gibt jedoch Hoffnung. "Das Psychotherapeutengesetz soll novelliert werden", sagt Mario Gollwitzer von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. Die Ausbildung könnte dann künftig in spezielle Masterstudiengänge integriert sein.

Wann ist ein fachfremder Master sinnvoll?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Magazin 2/2017.

"Was nützt mir eine klare Linie, wenn die in eine Richtung weist, in die ich gar nicht gehen möchte?", fragt Paul Stallmeister. Der Berufsberater bei der Arbeitsagentur in Münster rät, keine Scheu davor zu haben, mit dem Übergang vom Bachelor in den Master das Fach zu wechseln. Je nachdem, wie streng die Zulassungskriterien der Wunschhochschule sind, geht das schwieriger oder leichter. Oft kann man sich beim Master für das Nebenfach aus dem Bachelor entscheiden. Es lohnt sich deshalb, in Ruhe nach einem passenden Master zu suchen – und zu prüfen, ob man den Anforderungen entspricht. Bei manchen Studiengängen muss man keine formellen Voraussetzungen erfüllen, sondern Eignungsfeststellungsprüfungen bestehen. Masterstudiengänge, die jedem offenstehen, sind oft auf Berufstätige ausgerichtet und kosten viel Geld. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Master of Business Administration (MBA). Häufig kommt dieser Abschluss infrage, wenn man schon ein paar Jahre in einem Unternehmen arbeitet, das vielleicht sogar die Kosten übernimmt.

Hilft der Master beim Berufseinstieg?

Für Psychologen sind die beruflichen Möglichkeiten klarer umrissen als für Sozialwissenschaftler. Viele von ihnen wollen Psychotherapeuten werden, für die Ausbildung braucht man den Masterabschluss ohnehin. Weitere klassische Beschäftigungsfelder für Psychologen sind neben der Forschung, für die eine Promotion nötig ist, Personalabteilungen in Unternehmen, die gern Arbeits- und Organisationspsychologen einstellen. Dazu kommen viele Bereiche, an die man nicht sofort denkt, wie etwa die forensische Psychologie, die Schul- und Verkehrspsychologie. Auch dort ist der Master gefragt. Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie hat vor fünf Jahren Stellenanzeigen ausgewertet: Mehr als zwei Drittel der Arbeitgeber forderten einen Master oder ein Diplom. "Wir finden es gut, dass sich der Master lohnt", sagt Mario Gollwitzer. Im Bachelor blieben zwangsläufig Inhalte auf der Strecke, so der Psychologieprofessor.

Für Sozialwissenschaftler ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt unübersichtlicher, nur wenige Stellenangebote richten sich direkt an sie. Häufig hat die Arbeit mit den Studieninhalten wenig zu tun. "Für viele Stellen, die Absolventen hinterher einnehmen, ist es gar nicht so wichtig, ob sie jetzt genau Soziologie oder Politikwissenschaft studiert haben", sagt Paul Stallmeister von der Arbeitsagentur. Der Berufsberater empfiehlt: Ruhig das studieren, was einen interessiert, aber am besten schon währenddessen Kontakte in die Praxis sammeln. Und: Wer unsicher ist, ob er für den Wunschjob einen Masterabschluss braucht, kann einfach bei einem Arbeitgeber anrufen und um ein Gespräch bitten. "Da sind die meisten auskunftsfreudig", sagt Stallmeister.

"Wir hinterfragen Forschungsergebnisse, das macht mir Spaß"

"Ich habe im Bachelor Sozialwissenschaften an der Uni Köln studiert und parallel dazu Psychologie an der Fern-Uni Hagen. Beide Fächer haben sich gut ergänzt. Den Master wollte ich aber in Psychologie machen, und zwar an einer Präsenzuni. So kann ich Punkte in klinischer Psychologie nachholen, dieses Fach gab es in Hagen nicht. Damit könnte ich später eine Therapeutenausbildung machen. Zum Glück bekam ich eine Zusage der Uni Köln! Im Master vertiefen wir Grundlagen und hinterfragen Forschungsergebnisse. Das fordert mich heraus und macht mir Spaß. Wir werden auch nach unserer Meinung gefragt, das kannte ich nach dem Auswendiglernen im Psychologie-Bachelor gar nicht mehr!"

"Ich habe mich auf vier Master beworben und vier Zusagen bekommen"

"Parallel zu meiner Bachelorarbeit in Braunschweig habe ich mich auf vier unterschiedliche Masterstudiengänge beworben – und habe vier Zusagen bekommen. Von den Inhalten her hat der Soziologie-Master an der Uni Potsdam am besten gepasst. Er knüpft sehr gut an meinen Bachelor an, zum Beispiel mit dem Fach Sozialstrukturanalyse. Gleichzeitig habe ich mehr Wahlmöglichkeiten und kann meine Kenntnisse in Bereichen wie politische Soziologie und Organisationssoziologie vertiefen. Es hat sich auch ein Job als wissenschaftliche Hilfskraft ergeben. Das freut mich, weil ich gerne in der Wissenschaft arbeiten möchte. Und noch etwas ist gut an Potsdam: die Nähe zu meiner Familie in Berlin."