Welche Unsicherheiten haben Männer beim Sex? Welches Bild von Männlichkeit steht ihnen im Weg? Drei von ihnen erzählen von Bedürfnissen, Druck und Kommunikation.

­­Angst davor, zu schnell zu kommen. Das Gefühl, die Partnerin zum Orgasmus bringen zu müssen. Die Erwartung, dass man als Mann immer Lust auf Sex habe. Für viele Männer ist Sexualität von lauter Unsicherheiten durchzogen, die ihnen dabei im Wege stehen, mit ihren eigenen Bedürfnissen und Emotionen in Kontakt zu treten. Sex hat dann weniger mit Lust zu tun und mehr mit dem Druck, bestimmte Bilder von Männlichkeit zu wahren.

Vor Kurzem berichteten drei Frauen von der Schwierigkeit, Nein zu sagen und für ein Nein Gehör zu finden. Die Rollenbilder, die Männer beim Sex umtreiben, sind fundamental damit verwoben.

An dieser Stelle erzählen nun drei Männer von Momenten, in denen sie Sex hatten, obwohl sie nicht wirklich wollten – oder auf eine Weise, auf die sie eigentlich keine Lust hatten. Von Situationen, in denen sie glaubten, selbst schon einmal die Grenzen anderer verletzt zu haben. Und davon, wie sie lernten, offener zu kommunizieren.

Weil ich schnell kam, fühlte ich mich schuldig

Leo*, 26

Mit einer meiner Ex-Freundinnen ist es öfters vorgekommen, dass ich müde und erschöpft vom Tag war und keine Lust auf Sex hatte. Nach einer Weile war sie genervt, meinte, ich sollte mein Leben anders organisieren. Sie dachte, ich würde sie nicht mehr attraktiv finden und fühlte sich als Partnerin zurückgewiesen.

Ich war tatsächlich müde, aber ich fühlte mich auch nicht wohl damit, wie der Sex bei uns ablief: Wir küssten uns ein bisschen, dann befriedigte ich sie, bis sie irgendwann Penetrationssex wollte. Es gab wenig Aufmerksamkeit für meinen Körper und wenn, dann beschäftigte sie sich hauptsächlich mit meinen Genitalien. Ich hätte mir mehr Aufmerksamkeit für den gesamten Rest meines Körpers gewünscht, aber ich konnte nicht darüber sprechen. Mehr Aufmerksamkeit zu wollen, erschien mir als etwas Negatives. Außerdem hatte ich Angst, sie zu verletzen.

Dazu kam, dass ich mich schuldig fühlte, wenn sie sich mit meinen Genitalien beschäftigte. Ich war mir nicht sicher, ob sie das gerade für sich tat oder nur aus Konvention, ob ich das wirklich genießen durfte. Ich fühlte mich, als würde ich sie ausnutzen. Besonders stark hatte ich dieses Gefühl, wenn sie mich oral befriedigte, weil das gesellschaftlich als eine unterwürfige Position gesehen wird.

Manchmal haben Partnerinnen mit meinen Hoden gespielt, auf eine Weise, die wehtat. Ich dachte mir: "Es ist nur ein Moment, es ist bald vorbei." Oder sie haben versucht, mich über meinen Anus zu erregen. Dabei hatte ich aber eher das Gefühl, dass sie das aus persönlichem Ehrgeiz taten, als dass es dabei wirklich um mich ging. Oft habe ich nichts gesagt, weil ich nicht wollte, dass sie sich schlecht fühlen oder weil ich den Moment nicht kaputtmachen wollte. Manchmal habe ich aber auch gesagt, dass ich mich damit nicht wohlfühle, und sie haben es immer wieder probiert. Ich hätte mir gewünscht, dass sie wenigstens vorher fragen, ob sich meine Gefühle dazu verändert haben.

"Weil ich schnell kam, fühlte ich mich schuldig."
Leo

Oft war es beim Sex für mich so, als würde ich mich selbst von außen beobachten und beurteilen. Ich erinnere mich an eine Situation mit einer Person, die ich nicht so gut kannte. Ich war noch ziemlich jung und wusste einfach nicht, wie Sex geht, wie ich das Tempo runterfahren kann, wenn ich mich danach fühle, wie ich dabei in Kontakt mit meinen eigenen Emotionen sein kann. Weil ich schnell kam, fühlte ich mich schuldig. Schuldig, dass ich es nicht geschafft hatte, der anderen Person Lust zu verschaffen. Schuldig, weil es gesellschaftlich schlecht angesehen ist, schnell zu kommen. Gleichzeitig schämte mich dafür, dass ich es trotzdem genossen hatte. Ich hatte das Gefühl, keine Kontrolle über meinen Körper zu haben, schlechter zu sein im Vergleich zu anderen, in den Augen der anderen Person an Wert zu verlieren.  

"Ich war danach immer nur darauf bedacht, mich selbst zu kontrollieren."
Leo

Ich war danach immer nur darauf bedacht, mich selbst zu kontrollieren. Ich kontrollierte sogar meinen eigenen Atem und versuchte, besonders leise zu sein. Wenn es sich für die andere Person gut anfühlte, dachte ich, ich müsste weitermachen, auch wenn es unangenehm oder ein bisschen schmerzhaft für mich war. Ich erlaubte mir keine wirkliche Verbindung zu meinen eigenen Emotionen und Bedürfnissen. Ich hatte Angst, wenn ich alle Emotionen zulassen würde, könnte es mich überwältigen hin zu einem Zustand von Liebe. Einerseits würde ich dann zu schnell kommen, wenn ich derart die Kontrolle abgebe. Andererseits würde ich mich verletzlich machen. Es ist nicht einfach, sich einer anderen Person so zu öffnen, das braucht viel Vertrauen. Ich hatte Angst, es könnte als Schwäche angesehen werden, als etwas Feminines. 

Ich habe auch schon die Grenzen von anderen überschritten. Ich bin mit meiner ersten Freundin zusammengekommen, als ich 15 war. Wir haben lange Zeit nicht verhütet. Nachdem sie das zweite Mal abtreiben musste, wollte sie nicht mehr so viel mit mir schlafen. Trotzdem insistierte ich. Oder ich schlug vor, sie könne vor mir masturbieren, als eine Art Kompromiss. Sie sagte nicht direkt Nein, aber sie drückte es auf eine andere Weise aus, und ich habe nicht richtig auf sie gehört. Ich dachte damals, es wäre okay, über so etwas zu verhandeln. Es hat Jahre und viele Gespräche mit anderen Menschen gebraucht, um zu begreifen, was Konsens bedeutet und wo ich Fehler gemacht habe.

Es gab einem Moment, als ich zehn oder elf war und gerade begann, meine Sexualität zu entdecken. Wir hatten Besuch von Freunden, da war ein kleines Mädchen, vier oder fünf oder sechs. Ich erinnere mich, dass ich eine Erektion hatte und sie an mich gedrückt habe. Ich fühle mich sehr schuldig deswegen. Ich glaube, ein großer Teil meiner Schuldgefühle beim Sex kommt von diesem Moment. Irgendwann würde ich gerne einmal mit ihr darüber sprechen.

Inzwischen hatte ich einige Partnerinnen, die in der Lage waren, klar zu sagen, was sie wollen, und habe einiges zum Thema Sex gelesen. Ich habe angefangen, ein paar Sachen auszuprobieren, und positives Feedback dafür bekommen. Wie sehr ich selber ausdrücken kann, was ich möchte, hängt für mich vor allem davon ab, wie sehr ich der anderen Person vertrauen kann, und ob ich mich akzeptiert fühle, so wie ich bin. 

*Anmerkung der Redaktion: Wir haben alle Namen anonymisiert.

"Als Mann muss ich die Frau zum Orgasmus bringen"

Wann habe ich das nächste Level geschafft?

Jonathan, 25

Einmal war ich feiern, fand eine Person heiß, vielleicht hatten wir auch MDMA genommen. Sie hat mich relativ früh dazu gedrängt, zusammen nach Hause zu gehen: "Wär' doch voll schön, ich müsste sonst alleine nach Hause gehen." Als wir bei mir ankamen, habe ich gemerkt, dass ich mich eigentlich gar nicht so sehr zu der Person hingezogen fühlte. Aber ich dachte mir, na ja, ich könnte jetzt auch Lust entwickeln. Ich habe dann mit ihr geschlafen, vor allem weil ich dachte, in der Situation wäre das jetzt das Angemessene. Es erschien mir irgendwie komplizierter, darüber zu reden, als einfach mit ihr zu schlafen. Als Typ ist es natürlich auch einfacher zu sagen, ich mach das jetzt mit, weil ich nicht in der verletzlicheren Position bin.

Sie hat mich nicht aktiv unter Druck gesetzt, es war eher etwas in mir selber, was mich unter Druck gesetzt hat.

"In meiner Jugend war ich immer der beste Freund von Mädels, in die ich verliebt war."
Jonathan

Am nächsten Morgen habe ich mich sehr leer gefühlt. Das ist mir schon öfters passiert, vor allem mit ein- oder zweimaligen Geschichten. Ich brauche eigentlich viel emotionale Nähe, Wärme und Vertrauen beim Sex. Wenn das nicht da ist, fühle ich mich manchmal ausgenutzt. Oft ist mir im Nachhinein bewusst geworden, dass mir das gar nicht gut getan hat, und dass ich einfach nur Bestätigung brauchte und mich männlich und begehrt fühlen wollte.

In meiner Jugend war ich immer der beste Freund von Mädels, in die ich verliebt war. Sex hat bei mir nur ganz schwierig funktioniert. Das spielt immer mit hinein, wenn ich jetzt mit jemandem schlafe: Ich will mir beweisen, dass ich nicht mehr die Person von früher bin. Ich lege auch einen übersteigerten Wert darauf, dass die andere Person Spaß beim Sex hat, etwas bei ihr auszulösen, was mich männlich fühlen lässt.

Ich habe mich schon öfter dazu entschieden, jemanden oral zu befriedigen, auch wenn ich vielleicht eigentlich nicht so Lust hatte oder müde war, vor allem wenn das die einzige Möglichkeit war, die Person zum Kommen zu bringen. Es ist schwer auseinanderzuhalten, wie viel Lust und wie viel Zwang da reinspielt. Ich glaube, es hat immer Anteile von beidem. Auf der einen Seite finde ich es einfach wahnsinnig schön, erregte Menschen zu sehen. Auf der anderen Seite ist es diese Computerspiellogik: Wann habe ich das nächste Level geschafft? Es hat viel mit Selbstbestätigung zu tun. Außerdem gibt es diesen gesellschaftlichen Druck, dass ich als Mann dafür sorgen muss, die Frau zum Orgasmus zu bringen.

"Ich als Typ bin doch nicht derjenige, der sagt, ich will das nicht."
Jonathan

Ich habe auch schon mal beim Sex mit einer Person gemerkt, das ist mir gerade zu krass, zu wild, zu doll. Ich habe aber nichts gesagt. Ich dachte: Bin ich jetzt verklemmt, dass ich das nicht möchte? Außerdem macht es ihr gerade voll viel Spaß, und ich will ja auch, dass es ihr Spaß macht. Es hatte wieder viel mit Männlichkeit zu tun: Ich als Typ bin doch nicht derjenige, der sagt, ich will das nicht. Gerade weil es bei mir lange nicht funktioniert hat, ist die Hemmschwelle höher, abzubrechen, wenn es gerade funktioniert. Ich habe gelernt, dass ich ein Mann bin und dass Potenz ein zentrales Element davon ist.

Wenn ich selber total Lust habe, finde ich es manchmal schwieriger einzuschätzen, ob die andere Person wirklich Lust hat – gerade weil ich als Typ gesellschaftlich am Anfang in der aktiveren Rolle bin. In meiner ersten Beziehung habe ich mich oft überzeugen lassen, habe aber auch meine Partnerin oft überzeugt und dabei etwas manipuliert: zum Beispiel, indem ich anfing, sie besonders romantisch und erotisch zu küssen, ihr Liebeserklärungen zu machen oder ihr Mitleid zu erwecken.

Dass ich jetzt so viel und offen kommuniziere, hängt auch damit zusammen, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich das am Anfang immer so richtig gemacht habe. Es hat aber auch damit zu tun, dass Sex bei mir oft nur mit Hilfsmitteln wie Penisring oder Tabletten funktioniert und ich damit einen Umgang finden musste. Ich habe festgestellt, wenn ich das einfach anspreche, wird das gar nicht doof aufgenommen.

Ich habe einmal ein Wochenende mit einer Person verbracht und von Anfang an sehr offen über alles gesprochen. Ich hatte das noch nie zuvor erlebt, dass ich nach einem halben Tag einschätzen konnte, was will die andere Person, worauf habe ich Lust, was könnten wir zusammen machen.

Wenn man es schafft, am besten schon vor dem Sex über die eigenen Ängste zu reden und die Erlebnisse, die die eigene Sexualität geprägt haben, ist es für beide viel einfacher einzuschätzen, worauf man achten sollte und wie weit man gehen kann.

"Inwiefern bin ich verantwortlich für die Erwartungen der anderen?"

"Ich habe manchmal Angst vor Penetration"

Sascha, 26

Ich hatte mal über einen längeren Zeitraum was mit einer Freundin von mir. Irgendwann habe ich gemerkt, dass diese Art von Beziehung mir gerade nicht guttut. Ich erinnere mich an einen Moment, in dem ich keinen Penetrationssex mit ihr haben wollte und es trotzdem gemacht habe. Danach habe ich ihr gesagt, dass ich das nicht mehr möchte, und sie meinte: "Das nehme ich dir nicht ab." Ich weiß nicht mehr genau, ob ich danach sogar noch mal mit ihr geschlafen habe. Das hätte sie dann natürlich darin bestätigt.

Ein anderes Mal war ich auf einem Fest, das über mehrere Tage ging. Es war sehr viel Alkohol im Spiel. Mit einer Person habe ich mich gut verstanden, ein bisschen geflirtet, irgendwann kam sie immer näher, fasste mich an. Ich habe es in dem Moment nicht geschafft, klare Grenzen zu ziehen. Als ich mich in einem Moment etwas zurückgezogen hatte, sagte sie zu mir: "Findest du mich etwa hässlich?" Ich hatte das Gefühl, dass ich mich dafür rechtfertigen muss, dass ich keine Lust habe. Als ob die Tatsache, dass ich sie ja doch auch irgendwie anziehend finde, mir sämtliche Legitimation nimmt, Nein zu sagen. Ich habe mit ihr geschlafen, obwohl ich es eigentlich gar nicht wollte. Zumindest würde ich das im Nachhinein so sagen.

"Ich will mich nicht als Opfer darstellen."

In beiden Situationen habe ich angefangen, meine eigenen Grenzen zu hinterfragen: Was spricht denn schon dagegen, hab dich nicht so … Ist das jetzt nur so eine internalisierte, christlich-kapitalistische Moralvorstellung, dass Sex etwas Heiliges ist, das an Wert verliert, wenn man zu viel davon verschenkt? Außerdem war ich ja tatsächlich körperlich erregt. Es fällt mir schwer, darüber zu reden, weil ich mich dabei auch nicht als Opfer darstellen will, zumal sich mein aktiver Anteil an diesen Situationen ja nicht abstreiten lässt. Da steckt auch eine Unsicherheit drin, inwiefern ich für die Erwartungen der anderen Person verantwortlich bin, die ich vielleicht selbst geweckt habe.

Es fällt mir leichter, Grenzen zu ziehen, wenn etwas bei mir gemacht wird, was ich nicht will, als wenn von mir erwartet wird, dass ich etwas bei einer anderen Person mache. Das hat zum einen mit so einem Bild von dem Macker zu tun, der nur auf seine eigene Befriedigung achtet, was ich sehr problematisch finde. Auf der anderen Seite besteht auch das Rollenbild, als Mann verantwortlich für die Befriedigung der anderen Person zu sein. Daraus entsteht bei mir manchmal so ein Schuldbewusstsein, oder ein Verpflichtungsgefühl.

"Mir fällt kein positiver Bezug auf die Kategorie Männlichkeit ein."

Dazu kommt ein sehr lineares Bild von Sex, das immer auf Penetration – oder Umschließung – hinausläuft und mit der Ejakulation des Mannes aufhört. Ich komme eher schnell und habe deshalb manchmal Angst vor Penetration. Ich spüre diesen Druck, die andere Person schon davor befriedigt haben zu müssen. Wenn das nicht der Fall ist, besteht dieses Gefühl, dass noch etwas aussteht. Das hat schon oft dazu geführt, dass ich noch weiter mit Leuten geschlafen habe, nachdem ich schon gekommen war und eigentlich nicht mehr so Lust hatte.

Außerdem musst du als Mann kompetent sein und am besten genau wissen, was die andere Person will. Das erschwert es, einfach nachzufragen. Mir fällt kein positiver Bezug auf die Kategorie Männlichkeit ein. Sie steht mir andauernd im Weg, einen wirklichen Zugang dazu zu bekommen, was ich eigentlich will. Zu versuchen, diese Kategorie konsequent zu negieren, steht mir dabei aber wahrscheinlich auch im Weg.

Diesen Performancedruck habe ich vor allem in Heterokonstellationen. Ich hatte aber auch schon die Situation, dass ich öfters mit einem Typen geschlafen habe, das irgendwann nicht mehr wollte und er zu mir meinte: "Aber dein Körper zeigt ja, dass du willst." Er selbst hatte ziemlich christlich-konservative Wertvorstellungen, mit Männern zu schlafen, muss ihn in ein krasses moralisches Dilemma gebracht haben. Einmal meinte er sogar halb scherzhaft, wir würden dafür in die Hölle kommen. Ich hatte Angst, ihn in diesen Vorstellungen zu bestätigen, wenn ich nicht mehr mit ihm schlafen will. Aber natürlich ist es auch schwer zu sagen, ob nicht meine eigene Sozialisation in einer homophoben Gesellschaft dabei irgendeine Rolle gespielt hat.

Ich habe auf jeden Fall beim Sex auch schon die Grenzen von anderen überschritten. Einmal hat eine Person, die mir sehr nahesteht, das noch lange mit sich herumgetragen und es mir erst eine ganze Zeit später gesagt. Da ist für mich erst mal eine Welt zusammengebrochen. Ich dachte, sie hätte den Raum zu sagen, was sie will und was sie nicht will. Das ist offensichtlich nichts, wovon wir ausgehen können.

Diese Situation hat mir krass verdeutlicht, wie wichtig es ist, aktiv Konsens zu praktizieren. Wie sich das praktisch anfühlen kann, habe ich gemerkt, als ich das erste Mal mit einer Person geschlafen habe, die einfach immer nachgefragt hat: ob es sich gerade gut anfühlt, bestimmte Stellen anzufassen, zu küssen, zu streicheln, Kleidungsstücke auszuziehen … Das war zunächst schon auch irritierend, gerade bei Kleinigkeiten, bei denen ich dachte: "Das musst du nun wirklich nicht noch fragen." Aber obwohl wir das erste Mal miteinander schliefen, habe ich mich dadurch mit ihr total sicher gefühlt, dass ich nichts tun muss, was ich nicht will. Und das hat es auch für mich einfacher gemacht, nachzufragen, um ihre Grenzen nicht zu überschreiten.

Natürlich ist das nicht die einzige Form, Konsens zu praktizieren, und es ist auch keine Garantie. Es ist voll wichtig, anzuerkennen, dass wir in der Lage sind, einander zu verletzen. Und wenn es passiert, einen guten Umgang damit zu finden. Ich glaube, dass unsere Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit Sex und Beziehungen krass kaputt machen können. Indem ich versuche, diese Dinge zu hinterfragen, glaube ich, dass ich viel lernen und wachsen und mehr zu mir selber finden kann.