Kein Vater, kein Geld, kein Kinderwunsch: Als Muriel schwanger wird, spricht alles für einen Abbruch. Während sie schon auf dem OP-Tisch liegt, entscheidet sie sich um.

Derzeit wird im Bundestag wieder über die rechtliche Grundlage von Schwangerschaftsabbrüchen diskutiert. Wir widmen diesem Thema deshalb einen Schwerpunkt auf ZEIT ONLINE. Hier erzählt Muriel, 25 Jahre, von einer Entscheidung, die sich plötzlich falsch anfühlte: 

Ungewollt schwanger

Es war kurz vor Weihnachten und beim Gedanken an eine Weihnachtsgans wurde mir schlecht. Meine Mutter scherzte am Telefon: Bist du schwanger oder was ist los? Eigentlich konnte es nicht sein. Mein damaliger Freund und ich hatten mit Kondom verhütet, überfällig war ich auch noch nicht. Aber komische Gelüste hatte ich. Sicherheitshalber machte ich einen Schwangerschaftstest. Dann noch einen zweiten. Und einen fünften. Alle positiv.

Ich war fassungslos, rief meinen Exfreund an und erfuhr: Das Kondom war gerissen. Er hatte es mir nicht gesagt, weil er glaubte, es sei nicht nötig gewesen, weil ich doch erst kurz zuvor meine Tage gehabt hatte. Ich war unglaublich wütend, fühlte mich hilflos und betrogen. Aus gesundheitlichen Gründen darf ich nicht hormonell verhüten, aber hätte ich von dem Riss im Gummi gewusst, wäre ich das Risiko eingegangen und hätte die Pille danach genommen. 

"Ich wollte nie Kinder haben, fand sie nervig und anstrengend. Und jetzt schwanger, von diesem Kerl?"
Muriel, 25

Bis zu meinem Frauenarzttermin musste ich zwei Wochen warten. Es waren die längsten Weihnachtsferien meines Lebens. Weil meine Mutter arbeiten musste, verbrachte ich Heiligabend allein. Unsicher, ob ich selbst bald Mutter sein würde. Ich aß Salat, war traurig, sah fern. An Silvester hatte ich immer noch keine Gewissheit. Nur mein Körper schien schon Bescheid zu wissen. Auf Sekt hatte ich keine Lust.

Im neuen Jahr konnte ich endlich zum Arzt: Ich war schwanger, seit vier Wochen und sechs Tagen. Allerdings konnte der Frauenarzt noch keine Herzaktion feststellen und wollte sichergehen, dass es sich nicht um eine leere Fruchthülle handelte. Als er mich eine Woche später noch mal untersuchte, erkannte er den Herzschlag. Er fragte: "Darf ich Ihnen gratulieren?" Ich wusste es nicht. Bis zu diesem Tag hatte ich immer noch gehofft, doch nicht schwanger zu sein. Ich wollte nie Kinder haben, fand sie nervig und anstrengend. Und jetzt schwanger, von diesem Kerl?