Berlin öffnet eine Tauschbörse gegen Wohnungsnot. Wir haben fünf noch innovativere Ideen, die Sie in Ihr Traumloft oder zur kältesten Nettokaltmiete führen könnten.

Berliner sind nicht nur faul und arm, sie nutzen ihren Wohnraum auch nicht effizient genug: Jeder Berliner lebt durchschnittlich auf luxuriösen 38 Quadratmetern, Bewohner anderer europäischer Großstädte müssen sich mit 22 Quadratmetern zufrieden geben. Ein Berliner Bezirksverordneter findet, das sei "Ressourcenverschwendung". Deshalb soll in Berlin eine Wohnungstauschbörse entstehen. Wer eine große Wohnung hat, die er kaum nutzt (etwa weil die Kinder ausgezogen sind), soll tauschen mit Stadtbewohnern, die mehr Platz benötigen. Das gab es in der DDR schon.

Und weil das ostdeutsche Experiment im real existierenden Sozialismus ja in vielerlei Hinsicht zukunftsweisend war (Wahlbeteiligung, Nachrichtendienste, linke Regierungen in Sachsen), wird die Idee sicherlich erfolgreich sein, endlich die Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt entspannen und zum Erfolgsmodell auch für München, Frankfurt, Stuttgart werden. Ganz bestimmt.

Es ist allerdings so, dass es bereits in allen Großstädten auf Wohnungsbörsen Hunderte Tauschangebote gibt. Ein Tauschangebot zeichnet sich meist durch "NUR TAUSCH" im Titel, eine mittelschöne Wohnung, einem "NUR AUF TAUSCHANGEBOTE WIRD AUCH REAGIERT" in der Beschreibung und illusorische Vorstellungen von der Wohnung aus, die man sich ertauschen will. Es ist bundesweit kein einziger Fall eines erfolgreichen Wohnungstausches bekannt. 

Für den Fall also, dass der Plan entgegen der Erwartungen aller nicht funktionieren sollte, wollten wir alle Immobilienmakler in unserem Freundeskreis um Ideen bitten, wie Großstädte endlich ihr Wohnpotenzial ausschöpfen können. Leider kannten wir keinen Immobilienmakler, der Freunde hat. Deshalb haben wir spontan einen Design-Thinking-Workshop organisiert und selbst überlegt. Hier sind die fünf besten Vorschläge:

1. Wohnopportunity Anwohnerparken

Ein Parkplatz in Deutschland ist ungefähr zehn Quadratmeter groß und die darauf parkenden Pkw sind bisher als Wohnmöglichkeit komplett unterentwickelt. Dabei kostet Anwohnerparken in München 60, in Frankfurt am Main 50 und in Berlin sogar nur 20,40 Euro. Für zwei Jahre bekommt man für so einen Hammerpreis zehn Quadratmeter unbewohnter Fläche! Das macht beispielsweise in Berlin eine monatliche Nettokaltmiete (im Januar: sehr kalt) von gerade mal 0,08 Euro pro Quadratmeter. Und das selbst in Premium-Innenstadtlagen.

Daher wäre es Zeit, dass die Städte den wohlhabenden Kfz-Inhabern endlich erlauben, ihre abgestellten Pkw als Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Die Konditionen: Mieter könnten die Autos nächte-, wochen- oder monatsweise mieten. Zu einer vorher vereinbarten Uhrzeit müsste der Wagen besenrein hinterlassen werden.

Denkbar wäre auch, gegen Gebühr etwa einen Teil des Kofferraums dauerhaft zu mieten, um persönliche Gegenstände (Zahnbürste, Kleidung, Zeugnis der Leibeigenschaft) aufzubewahren. Auch die Nutzung von Sitzheizung und Klimaanlage gegen eine monatliche Gebühr wäre möglich. Das würde über Nacht in Berlin etwa 100.000 Wohnungen schaffen! 

Die Lösung böte angemessenen Profit für alle engagierten Bürger, die bereit wären, ihr hart erwirtschaftetes Eigentum fürs Gemeinwohl zur Verfügung zu stellen. Und gleichzeitig Wohnraum für alle, die sich Lagen wie Berlin Mitte, München Schwabing oder das Frankfurter Westend längst nicht mehr leisten können. Eine sozial verträgliche Win-win-Situation.

2. Freiluftwohnen zum Wohntrend 2018 machen

Deutsche Großstädte leisten sich große Grünflächen, die der Öffentlichkeit kostenfrei zu Verfügung stehen. In Parks sollen Bürger sich erholen und ausspannen. Ein Luxus, der im Hinblick auf die Notlage des Wohnmarkts frivol erscheint. Deshalb sollten die Stadtplaner radikal neu denken: Die Städte stellen ihre Grünflächen zum freien Bezug zur Verfügung und der Markt regelt die Besiedelung per First-come-first-serve-Prinzip. Wer die besetzte Fläche nicht selbst bewohnen will, darf sie untervermieten. Das könnte gerade für junge, hochmobile Innovatoren interessant sein: Denn wohnen im Freien würde eine Generation an marktwirtschaftlich erfahrenen Bürgern ausbilden, die heute schon an morgen denken und außerdem witterungserfahren dem Klimawandel entgegenblicken.

3. Endlich Work & Sleep möglich machen

Viel Wohnpotenzial liegt im geschäftlich genutzten Raum, der nachts leer steht. Dabei bieten Großstadtbüros auch heute schon Annehmlichkeiten wie eine Küche, ausreichend Sanitäranlagen und Duschen für Mitarbeiter. Warum nicht vom Innovationstreiber Self-Employment Industry lernen? Denn für Selbstständige ist es längst normal, ihren privaten Wohnraum als Arbeitsplatz zu nutzen – warum nutzen also nicht Angestellte und Beamte ihren Arbeitsplatz als Wohnraum? Die Lösung ist nicht nur effizient, sondern auch marktwirtschaftlich: Denn die Angestellten, die als erste ausziehen werden, sind jene, die überdurchschnittlich hohe Ausgaben für ihre Miete haben – also in begehrten Innenstadtlagen wohnen, die sie sich eigentlich nicht leisten können. So machen sie Platz für High-Value-Bewohner, die Wachstum und Innovation in die Stadtteile bringen.