Der Bund will die Reform der Platzvergabe zum Medizinstudium den Ländern überlassen. Kritiker befürchten eine Klagewelle, sollten diese in Verzug geraten.

Die Platzvergabe zum Medizinstudium muss neu geregelt werden – der Bund sieht dabei die Bundesländer in der Pflicht. Die vom Bundesverfassungsgericht geforderte Reform richte sich "nach dem Verständnis der Bundesregierung primär an die Länder", antwortete das Bildungsministerium auf eine kleine Anfrage der Grünen.

Das Verfassungsgericht in Karlsruhe hatte im Dezember 2017 entschieden, dass die Platzvergabe teils verfassungswidrig ist und bis Ende 2019 neu geregelt werden muss. Heute haben fast nur Einserabiturienten eine Chance, für viele gelten lange Wartezeiten. Das Urteil soll für eine gerechtere Verteilung der Studienplätze sorgen.

Aktuell wird ein Fünftel der Plätze an Bewerber mit einer Abinote von 1,0 bis 1,2 vergeben. Ein weiteres Fünftel wird nach einer Wartezeit von 14 bis 15 Semester vergeben. Die übrigen 60 Prozent der Plätze können die Hochschulen in eigenen Auswahlverfahren vergeben, wobei die Abiturnote wiederum eine wichtige Rolle spielt.

Der hochschulpolitische Sprecher der Grünenfraktion, Kai Gehring, kritisierte die Passivität der Bundesregierung. Es drohe eine Klagewelle von Studienbewerberinnen und -bewerbern, sollten die Länder bei der Überarbeitung ihres Staatsvertrags für die Hochschulzulassung in Verzug oder Konflikt geraten.

Auch der Generalsekretär des Medizinischen Fakultätentages, Frank Wissing, forderte umfassende Änderungen: "Wir wünschen uns einen großen Wurf und ein neues, robustes Verfahren statt Reparaturarbeiten und Klein-Klein." Ein Zeitplan der Länder zeigt, dass diese bis Ende Juni den Entwurf eines Staatsvertrags erarbeiten wollen.

Bundesverfassungsgericht
Eine Chance für die Medizin
Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass das Zulassungsverfahren für das Medizinstudium in Teilen unzulässig ist. Eine Chance für mehr Diversität, sagt unser Autor Jakob Simmank im Videokommentar.