Als meine Freundin ungeplant schwanger wurde, wollte ich, dass wir das Kind bekommen. Doch meine Freundin entschied sich dagegen. Bis heute lässt mich das nicht los.

Derzeit wird im Bundestag wieder über die rechtliche Grundlage von Schwangerschaftsabbrüchen diskutiert. Wir widmen diesem Thema deshalb einen Schwerpunkt auf ZEIT ONLINE. Hier erzählt Felix Langer, 30 Jahre alt, von der Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch, die nicht seine war und die er trotzdem akzeptieren musste. Wir haben seinen Namen geändert, um ihn zu schützen.

Als das Kondom riss, kannten wir uns seit drei Monaten. In Panik kauften wir nur wenige Stunden später die Pille danach in der Apotheke. Durchatmen. Wir, frisch zusammen und unerfahren in solchen Dingen, waren uns sicher: Es würde schon gut werden. Die Pille danach würde es richten. Ein paar Wochen später wussten wir, dass meine Freundin zu den 0,4 Prozent der Frauen zählte, die trotz Pille danach schwanger werden. Es war an einem Dienstag auf dem Flur unserer Fachhochschule, zwischen zwei Vorlesungen, als ich davon erfuhr. "Ich bin schwanger", sagte sie und brach in Tränen aus. "Wir schaffen das", sagte ich, und wir umarmten uns lange.

"Es sprach so vieles dafür: Wir waren schwer verliebt, unsere beiden Elternpaare würden uns unterstützen, die Fachhochschule ebenfalls."

Den restlichen Tag durchlebte ich wie in Trance. Ich war durcheinander, aber auf eine gewisse Art: glücklich. Übermütig und aufgeregt rief ich noch am selben Abend meine Eltern an: Ihr werdet Großeltern. Ich hatte mir immer schon gut vorstellen können, irgendwann mal Kinder zu haben, aber mich noch nie ernsthaft damit auseinandergesetzt. Wir waren damals beide erst 22 Jahre alt. Doch als es einfach passierte, war für mich klar: Ich möchte dieses Kind bekommen. Es sprach so vieles dafür: Wir waren schwer verliebt, unsere beiden Elternpaare würden uns unterstützen, die Fachhochschule ebenfalls. Dass meine Freundin mehr zweifelte als ich, spürte ich von Anfang an.

Die Frau bei der Schwangerschaftsberatung machte uns Mut. Andere Studenten mit Kind schwärmten uns vor, dass das Studium ein guter Zeitpunkt für ein Kind sei. Eine Bekannte haben wir sogar mal einen Tag begleitet, sind mit ihr und ihrem kleinen Sohn in die Vorlesung und auf den Spielplatz gegangen. Wir beide hatten Spaß an diesem Tag auf dem Spielplatz. Doch all das bedeutete nichts im Vergleich zu diesem Ultraschallmoment, in dem der Gynäkologe sagte: "Sehen Sie da, da schlägt schon ganz klein und zaghaft das Herz." Den Anblick des Ultraschallbildes werde ich nie wieder vergessen. Ich sah Leben. Ein Leben, für das wir verantwortlich waren.

Ich versuchte alles, um sie auf subtile Weise von unserem Kind zu überzeugen: Ich schrieb Pro-und-Contra-Listen mit Pro-Übergewicht.

In diesem Moment wurde ich mir eines Gefühls bewusst, das mich seitdem nicht mehr loslässt: Einem anderen Menschen den Weg ins Leben zu ebnen und in ihm weiterzuleben, ist für mich das größte Glück. Ich wollte Vater sein. Meinem Kind in die Augen sehen, mit ihm die steilsten Wasserrutschen im Freizeitbad ausprobieren, es trösten, wenn es Liebeskummer hat. Nach dem Termin beim Frauenarzt konnte ich meine Euphorie nicht mehr verstecken und habe meiner Freundin von diesen Gedanken erzählt. An ihrem Gesichtsausdruck und ihrer Einsilbigkeit erkannte ich sofort, dass sie meine Euphorie nicht teilen konnte. Der Ultraschallmoment habe sie überfordert, sagte sie. Sie fragte mich, ob wir statt von "Kind" nicht lieber erst einmal von "Zellmasse" sprechen könnten.

Ich wusste, auch wenn wir beide zu gleichen Teilen dafür verantwortlich waren, dass diese Schwangerschaft passiert ist, die Entscheidung, ob wir dieses Kind bekommen würden, lag nur bei ihr. Ich wusste, ich konnte nur Vater werden, wenn sie das auch wollte. Also sagte ich zu ihr: "Egal, wie du dich entscheidest: Ich unterstütze dich voll und ganz!" Das meinte ich in dem Moment auch genau so. Ich wollte sie nicht unter Druck setzen. Und trotzdem versuchte ich in diesen sechs Wochen alles, um sie auf subtile Weise von unserem gemeinsam Kind zu überzeugen: Ich schrieb Pro-und-Contra-Listen mit Pro-Übergewicht. Besorgte Literatur zu dem Thema und las ihr vor. Suchte nach Jobs in meinem alten Ausbildungsberuf, die uns ein festes Einkommen garantieren würden.