An Würmer in Wunden gewöhnt man sich, sagt der Pfleger Alexander Jorde. An Überlastung und schlechte Bezahlung nicht. Sechs Forderungen an den Gesundheitsminister

"Wie kann es sein, dass in einem Land wie Deutschland Menschen stundenlang in ihren Ausscheidungen liegen müssen?" Diese Frage stellte der 21-Jährige Pfleger Alexander Jorde Angela Merkel im September 2017 kurz vor der Bundestagswahl. Und die Kanzlerin hatte keine Antwort darauf.

Ein gutes halbes Jahr später ist Angela Merkel wieder Bundeskanzlerin, Jens Spahn neuer Gesundheitsminister und Alexander so etwas wie der Held der Pflegebranche. Er reist von Talkshow zu Talkshow und erzählt, was eigentlich alle wissen: In Deutschland herrscht Pflegenotstand. Je nach Interessenverband variieren die Zahlen. Der Arbeitgeberverband Pflege geht von 30.000 unbesetzten Stellen aus, laut Gewerkschaft ver.di fehlen 70.000 Fachkräfte und der Deutsche Pflegerat und Alexander sprechen von 100.000 Pflegekräften, die allein in Krankenhäusern fehlten. Fest steht: Es gibt immer mehr Menschen, die gepflegt werden müssen, und immer weniger Menschen, die pflegen wollen.

Der neue Gesundheitsminister Jens Spahn hat nun in einem Sofortprogramm angekündigt, 8.000 neue Stellen zu schaffen und eine verbindliche Bezahlung nach Tarif einzuführen. Das reicht nicht mal für eine Stelle pro Heim, sagt Jorde. "An Würmer in Wunden gewöhnt man sich", sagt der 21-Jährige, der mittlerweile im zweiten Ausbildungsjahr ist. Aber an die Überstunden, die schlechte Bezahlung und die fehlende Anerkennung nicht.

Für ZEIT Campus ONLINE schreibt er hier auf, was Spahn machen müsste, damit er die nächste Generation von jungen Pflegern nicht verliert.

1. Herr Spahn, verhindern Sie, dass junge Pflegekräfte kündigen

Ich bin Auszubildender an einem Krankenhaus, und die Ausbildung an sich ist wirklich gut. Das Gehalt ist für einen Azubi in Ordnung und ich fühle mich gefordert. Zurzeit gibt es einen Höchststand an Auszubildenden in der Pflege, und das ist auch gut so. Aber auch mit fünf Millionen neuen Ausbildungsplätzen würden Sie den Pflegemangel nicht beheben.

Denn das Problem sind nicht die Auszubildenden, sondern dass in der Krankenpflege die Menschen im Schnitt nach 7,5 Jahren den Beruf verlassen. Weil sie nicht mehr können. Das ist Rekord in Deutschland: Es gibt keinen Beruf, aus dem man schneller wieder raus ist. Und woran liegt das? Nicht nur, aber auch an der zu geringen Bezahlung, der Überlastung, der enorm hohen Verantwortung, der mangelnden Wertschätzung und der durch den Personalmangel viel zu hohen körperlichen Belastung. Wenn Sie den Pflegenotstand wirklich beenden wollen, dann hören Sie auf die Bedürfnisse der Pflegenden. Vor allem auf die junge Generation, denn wir sind die Pflegekräfte von morgen.