Zoltán, 23, studiert Tourismus in Budapest

Zoltán wählt Fidesz – damit Ungarn ein Teil der EU wird. Für ihn ist das kein Widerspruch. © privat/ZEIT ONLINE

Ich war selbst lange hin und her gerissen, aber letztendlich werde ich meine Stimme der Regierungspartei Fidesz geben. Die anderen Parteien wollen einen radikalen Umbruch, manche wollen nur Veränderung um jeden Preis. Fidesz dagegen verbessert die Lage in Ungarn in kleinen, aber stetigen Schritten – damit wir endlich ein richtiger Teil der Europäischen Union werden. Sie haben zum Beispiel den Mindestlohn Jahr um Jahr ein bisschen angehoben. So bekommen wir irgendwann hoffentlich europäische Löhne, auch wenn sie heute im Vergleich noch sehr niedrig sind.

"Ich habe davon gehört, dass Fidesz die Medien kontrolliert, aber welche Regierung tut das denn nicht?"
Zoltán, 23

Ich finde nicht, dass die westlichen EU-Staaten Orbán für seine Migrationspolitik kritisieren sollten, er versucht nur, Terroristen aus dem Land fernzuhalten. Ungarn ist die östlichste Verteidigungslinie der NATO. Die Regierung darf keine Bedrohungen ins Land lassen, auch wenn sie von den Verfassern der Verträge dafür kritisiert wird. Und um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass Orbán für alle Entscheidungen der Fidesz verantwortlich ist. Er ist nur das bekannte Gesicht, derjenige, dem man die Schuld gibt.

Ich habe davon gehört, dass Fidesz die Medien kontrolliert, aber welche Regierung tut das denn nicht? So sehe ich das zumindest. Wer an der Macht ist, der hat die Mittel dazu. Ich schaue weder Fernsehen, noch nutze ich soziale Medien. Deshalb beeinflusst mich das auch nicht.

Für mich zählt jede Wahl. Wenn genug Leute so denken, könnten wir Ungarn zu einem besseren Ort machen. Für die Zukunft wünsche ich mir Verbesserungen im Bildungssystem. Ich zum Beispiel studiere gerade Tourismus und arbeite als Tourguide – aber die Schule hat mich darauf nicht vorbereitet.

Dort bereitet man uns darauf vor, was wir in der nächsten Schule lernen, statt uns etwas mitzugeben, was wir Leben brauchen könnten. Natürlich haben viele andere Länder auch Probleme mit dem Bildungssystem – trotzdem brauchen wir in dem Bereich Reformen. Wer auch immer nach der Wahl Premierminister sein wird – er wird hoffentlich dafür arbeiten, dass Ungarn als Urlaubsland beliebter wird. Irgendwann würde ich gerne nach Westeuropa ziehen, ich bin Halb-Deutscher.