Fünf Uhr nachts im Club, Drogen, Ekstase, Techno: Das ist sein Arbeitsplatz. Ein DJ erzählt, warum er seinen Job liebt – und was ihn an der Branche nervt.

Das anonyme Gehaltsprotokoll

Sobald mein Sound an ist, schalte ich alles andere um mich herum aus. Meine volle Konzentration gilt dem Pult vor mir. Es ist irgendwann zwischen zwei und fünf Uhr morgens und in dem grau-silbrigen Raum tanzen dunkle Gestalten. Alle Gesichter sind zu mir gerichtet, ich kontrolliere ihre Bewegungen. Durch meinen Körper rauscht das Adrenalin. Ich liebe dieses Gefühl.

Das geht vier Stunden so. Vier Stunden, die sich anfühlen wie 30 Minuten. Dafür bekomme ich durchschnittlich 500 Euro. Für Openings oder kleinere Events können es auch mal nur 300 Euro sein. Da ich erst 24 bin, nebenbei noch studiere und meine Eltern etwas zur Miete dazusteuern, ist das okay für mich. Wenn man die Leute kennt oder auf illegalen Festivals auflegt, läuft meine Bezahlung auch oft schwarz, cash auf die Hand.

Ich habe mit 14 Jahren angefangen, damals noch auf Geburtstagen von Freunden und den typischen Weihnachtssilvesterpartys. Seit ungefähr fünf Jahren mache ich es professionell. Das heißt, ich habe einen Bekannten, der für mich die Bookings organisiert, und werde von Veranstaltern angefragt. Mit drei, vier Gigs im Monat komme ich im Moment schon gut über die Runden – und gehe dabei eigentlich nur meiner größten Leidenschaft nach.

Das überschüssige Geld fließt ins Equipment

500 Euro für vier Stunden klingt erst mal viel, aber man muss bedenken, dass ich mich für jeden Auftritt vier, fünf Stunden vorbereite. Und dann verbringe ich nochmal circa acht Stunden in der Woche damit, neue Musik zu suchen und zu mixen.   

Das überschüssige Geld fließt hauptsächlich ins Equipment, vor allem ins Plattensammeln. Das ist fast schon eine Sucht. Meine Mutter hat letztens darauf bestanden, mir einen neuen Pulli zu kaufen, weil sie meine zerfledderten Ärmel nicht mehr mit ansehen konnte. Ich besitze mittlerweile fast 1.000 Platten und gebe dafür an die 100 Euro im Monat aus. Der Rest – Synthesizer, Kopfhörer, Trolley – ist noch viel teurer. Mein erstes Mischpult finanzierte ich mir vor zehn Jahren durch zwei Wochen Sommerferienjob. Für meine Plattenspieler habe ich damals drei Wochen als Postbote gearbeitet.

Ich könnte mir diesen Lebensstil eigentlich niemals leisten, wenn es als Techno-Act gerade nicht so gut laufen würde. Für mich persönlich, aber auch in der Szene insgesamt. Die ist in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. Ich kann so auf jeden Fall weiterleben, aber ich bin realistisch: Dass die Schlange vorm Berghain jetzt gerade so lang ist, bedeutet nicht, dass sie das auch in zehn Jahren noch ist. Solange man nicht Ben Klock oder Marcel Dettmann heißt und von London nach Paris geflogen wird, ist es nicht der zukunftssicherste Job. Und auch nicht der gesündeste. Ich arbeite hauptsächlich nachts oder am Wochenende, trinke viel Alkohol oder nehme Drogen. In meinem Alter geht das noch, doch auf Dauer ist das anstrengend. Darüber zu klagen, finde ich aber lächerlich, über die Arbeitsbedingungen weiß man ja schon vorher Bescheid. Da gibt es ganz andere Dinge, die mich nerven.