Die Ausbildung zur Physiotherapeutin hat drei Jahre gedauert. Als Fitnesstrainerin verdient sie nach einem Wochenendkurs das Dreifache – und wird auch noch wertgeschätzt.

Name: anonym
Branche:
Körpertherapie und Fitness
Berufsbezeichnung:
Physiotherapeutin und Fitnesstrainerin
Monatliches Gehalt:
rund 1.150 Euro als Physiotherapeutin in Teilzeit, knapp 400 Euro als Fitnesstrainerin mit 10 Stunden pro Monat

Ich arbeite in einer kleinen Praxis als Physiotherapeutin mit einem tollen Team und mit einer super Chefin – ohne sie wüsste ich nicht, wie ich diesen Job aushalten würde. Denn die Arbeitsbedingungen sind schlecht: Ich renne von Kabine zu Kabine, in denen ich meine Patienten behandele. Oft habe ich nur 20 Minuten Zeit pro Patient. Und nach der Behandlung bleibt mir kaum ein Moment, um kurz mal durchzuatmen und sich auf den nächsten Patienten einzustellen. Das fühlt sich an wie Arbeit am Fließband. Wie soll ich da jedem einzelnen Patienten gerecht werden?

Als Patientin beim Arzt kennt man dieses Problem ja auch. Bei manchen Ärztinnen und Ärzten wird man schnell abgefertigt, wenn das ganze Wartezimmer voll ist und alle noch drankommen sollen. Aber im Vergleich zu Ärzten ist unser Ansehen deutlich schlechter. Viele Patienten sehen mich als Masseurin, die Fachbegriffe wie Fußreflexzonenmassage benutzt. Oft wollen sie einfach nur massiert werden und keine Ratschläge hören oder die Übungen machen, die wir ihnen zur Heilung ihrer Beschwerden vorgeben – bei einer Behandlung sagte ein Patient zu mir: "Nö, die Übungen mache ich nicht. Massagen helfen mir am besten." Dabei kann ich das natürlich besser beurteilen als er. Genau wie Medizinstudentinnen habe ich die komplette menschliche Anatomie gelernt und nicht bloß einen Massagekurs belegt. Vermutlich liegt es daran, dass eine Ausbildung in Deutschland oft als weniger anspruchsvoll betrachtet wird als ein Studium.

Die geringe Wertschätzung meiner Arbeit spiegelt sich im Gehalt wieder: Ich verdiene als ausgebildete Physiotherapeutin mit acht Jahren Berufserfahrung 14,50 Euro brutto pro Stunde – das steht in keinem Verhältnis zu meiner Arbeitsbelastung. Ein Problem ist: Ich muss ständig Therapieberichte für die Ärzte schreiben, die ihre Patienten an uns überwiesen haben. Das gehört dazu und wäre auch in Ordnung. Für meine Chefin bedeutet das aber, dass ich in diesen 20 Minuten keine Behandlung leisten kann. Und sie bekommt pro Bericht bloß fünf bis sechs Euro. Wenn sie pro Bericht zu wenig Geld bekommt, wie soll sie uns dann mehr bezahlen?

So hatte ich mir mein Berufsleben nicht vorgestellt, als ich mit 17 beschloss, die dreijährige Ausbildung zur Physiotherapeutin zu machen. Ich fing direkt nach der Schule an, einen Teil der Ausbildung musste ich selbst bezahlen – 300 Euro kostete das, pro Monat. Die letzten zwei Jahre hat mein Vater mich finanziell unterstützt. Als ich mit 20 Jahren frisch als Physiotherapeutin angefangen habe, war der Stundenlohn von 13 Euro für mich in Ordnung – ich habe schließlich zum ersten Mal richtig gearbeitet, da erschien mir das viel. Mittlerweile, mit acht Jahren Berufserfahrung, frage mich aber, was mir das gebracht hat. Im Lohn schlägt sich meine Berufserfahrung überhaupt nicht nieder.