Deutschlands erster Nachtbürgermeister Hendrik Meier will die Kulturszene in Mannheim stärken. Und muss bei Konflikten zwischen Anwohnern und Clubbetreibern vermitteln.

In New York, London, Amsterdam und Zürich gibt es ihn schon: Den Night Mayor - ein Vermittler zwischen lärmgeplagten Anwohnern und Feiernden. Nun folgt auch Mannheim diesem Beispiel. Eine Jury wählte den 27-jährigen Student Hendrik Meier zum Nachtbürgermeister. Er wird ab August die Kommunikation zwischen Partyszene, Stadtverwaltung und Anwohnern verstärken. 

ZEIT Campus: Es ist Vormittag und du bist schon wach. Ist das nicht ein bisschen früh für den Nachtbürgermeister?

Hendrik Meier: Ja, das ist nicht so meine gängige Tageszeit. Gestern Abend nach meiner Wahl wurde natürlich auch ein bisschen gefeiert, aber ich bin fit und frisch im Kopf für den heutigen Tag.

ZEIT Campus: Wir wussten ehrlich gesagt nicht, dass man in Mannheim überhaupt feiern kann.  

Hendrik: Tatsächlich bemüht sich die Stadt schon seit vielen Jahren um kulturelle Stadtentwicklung und neue Konzepte. Kultur war schon immer ein wichtiger Standortfaktor. Und Mannheim ist tatsächlich die Ausgehstadt für sehr, sehr viele umliegende Städte. Daher ist Mannheim, glaube ich, der ideale Ort, um einen Nachtbürgermeister zu initiieren.

ZEIT Campus: Die einen wollen schlafen, die anderen wollen feiern – wie kann man dieses Dilemma lösen?

Hendrik: Das ist der Grund, warum ich diesen Job antreten möchte. Ich bin selber Bewohner des Jungbusches, dem Ausgehviertel in Mannheim. Wenn ich im Sommer mein Fenster offen habe, ist es super laut. Ich glaube, es ist immer wichtig, sich genau vor Augen zu führen, warum die Leute mit dem Lärm nicht zurechtkommen. Aber als Anwohner muss man natürlich auch einen Kompromiss eingehen. Es hilft nicht, die Polizei zu rufen, damit dann zwei komplette Clubs für den Abend geschlossen werden. Es ist wahnsinnig wichtig, dass wir hierfür Lösungen finden.

ZEIT Campus: Wie wird deine Arbeit konkret aussehen?

Hendrik: Es ist nicht so, dass ich ab 18 Uhr eine Hotline-Nummer habe und Mediator und Streitschlichter bin. Ich werde natürlich abends in der Stadt unterwegs sein, aber meine Arbeitszeit wird sich eher auf die frühen Abendstunden konzentrieren. Hauptberuflich arbeite ich als selbstständiger Booker und Veranstalter. Ich werde von 10 bis 16 Uhr meinem Job nachgehen und dann gegen Nachmittag losziehen und mich erst mal mit Betreibern und Anwohnern treffen. Ich werde Informationen einholen und mich persönlich vorstellen. Außerdem werde ich der Stadtverwaltung regelmäßig meine Ideen zur Verbesserung vorstellen. Es geht mehr um Ursachenbekämpfung und Vermittlung, als aktiv abends durch die Straßen als Nachtwächter zu ziehen und Schlägereien zu verhindern.