Manche treffen die Vorurteile aus der eigenen Familie, andere die Blicke der Nachbarn. Zwei Paare, die nicht dieselbe Herkunft haben und in Deutschland leben, erzählen.

Theresa hat Amir geheiratet. Carina und Kofi haben zwei Kinder zusammen. Dass Paare unterschiedliche Hautfarbe, Herkunft oder Religion haben, überrascht heute niemanden mehr. Im Gegenteil: Es wird so multikulturell geheiratet wie nie zuvor. 48.097 bi­na­tio­na­le Ehen, bei de­nen ei­ner der Part­ner ei­nen deut­schen, der an­de­re ei­nen aus­län­di­schen Pass be­sitzt, wur­den 2016 in Deutsch­land ge­schlos­sen, also etwa je­des achte Hoch­zeits­paar. Vor knapp 60 Jahren war in der al­ten Bun­des­re­pu­blik nur je­des 27. frisch verheiratete Paar bina­tio­nal (3,7 Pro­zent). Am häu­figs­ten sind laut Statistik übrigens deutsch-tür­ki­sche Beziehungen, ge­folgt von deutsch-ita­lie­ni­schen und deutsch-pol­ni­schen.

Was diese Statistiken nicht zeigen: mit welchen Vorurteilen, Schwierigkeiten und Hindernissen Paare kämpfen, vor allem dann, wenn man ihnen die unterschiedliche Herkunft ansieht. Hier erzählen zwei Paare davon, wie es ihnen damit geht.

Carina (21) ist Deutsche und Kofi (33) Ghanaer. Sie studieren beide und haben zwei gemeinsame Kinder.

Carina

Meine Oma fragte einmal: "Sieht man ihn denn überhaupt im Dunkeln?" Er, das ist Kofi, mein Mann. Kofi kommt aus Ghana, er lebt hier seit 2011. Er ist für das Studium nach Deutschland gekommen. Kofi und ich haben uns 2014 im Studentenwohnheim kennengelernt. Er ist damals zwei Türen neben mir eingezogen und wir sind ins Gespräch gekommen. Ich hatte ein T-Shirt mit der Aufschrift "Jesus is the solid rock on which I stand" an. Kofi ist auch Christ und in Deutschland ist es recht ungewöhnlich, sich so öffentlich zu seinem Glauben zu bekennen. Daher hat er mich darauf angesprochen.

Jetzt sind wir verheiratet und haben zwei Kinder zusammen. Dass seine Hautfarbe immer irgendwie ein Thema ist, ist für mich normal. Auch die Hautfarbe unserer Kinder wird oft kommentiert. Aus Sicht meiner Familie sind unsere Kinder schwarz, in den Augen meiner Schwiegereltern weiß. 

Seitdem ich mit Kofi zusammen bin, fühle ich mich mit der schwarzen Community mehr verbunden und denke mehr über sie nach. Kofi schaut häufig internationale Nachrichten, in denen mehr über Gewalt gegenüber Schwarzen berichtet wird. Er zeigt mir manchmal Videos und wir sprechen über das Thema. Kofi hat einmal vorgeschlagen, in die USA zu ziehen. Aber inzwischen macht mir die Polizeigewalt ziemlich Sorge. Momentan wohnen wir noch im Haus meiner Eltern. Wenn wir wieder in eine eigene Wohnung ziehen, stellt sich für uns schon die Frage, ob der Vermieter ein Problem mit Kofis Hautfarbe haben könnte. Egal ob hier oder in den USA. 

Vor der Heirat habe ich eine Pro-Contra-Liste gemacht. Über den Altersunterschied habe ich beispielsweise nachgedacht. Auf der Liste stand nichts, was mit Kofis Hautfarbe zu tun hat. Doch ich habe mich schon gefragt: Macht es unser Leben schwieriger, dass er nicht deutsch ist? Doch am Ende habe ich mir gedacht: Wir sind einfach gut füreinander und ich möchte den Rest meines Lebens mit ihm verbringen.

Kofi

Ich bin nicht der erste in der Familie, der eine Ausländerin heiratet. Meine Tante ist mit einem Libanesen verheiratet, meine Cousine mit einem Amerikaner. Deswegen war die Hautfarbe in meiner Familie eigentlich kein Thema. Doch manche Freunde und Bekannte haben sich schon gefragt, warum ich eine Deutsche heiraten will. In Ghana gibt es das Vorurteil, dass Europäer untreu sind. Ein ghanaischer Bekannter kennt jemanden, der eine Italienerin geheiratet hat. Irgendwann sagte die: Ich habe keine Lust mehr – und ließ sich gleich wieder scheiden. In Ghana versuchen die Familien, erst mal eine Lösung zu finden. In Ghana wird die Ehe sehr ernst genommen, deswegen ist das Thema für meine ghanaischen Freunde und Verwandte wichtig.

Und natürlich gibt es Kulturunterschiede. Manchmal denke ich mir, dass die Deutschen nur lachen, wenn sie auf Partys feiern und Alkohol im Spiel ist. In Ghana sind die Leute etwas fröhlicher, sagen oft Hallo, tanzen auf der Straße oder bei der Arbeit. Und für uns Ghanaer sind die Deutschen irgendwie immer viel zu schnell gestresst. Rassismus habe ich bisher selten erfahren und wenn dann nur auf mich bezogen. Einmal habe ich mich im Fitnessstudio angemeldet und nach kurzer Zeit wollte ich wieder kündigen. Das ging nicht. Zur selben Zeit wie ich hat sich eine deutsche Bekannte angemeldet, die auch kündigen wollte. Bei ihr gab es keine Probleme. Auch werde ich hin und wieder für einen Drogendealer oder -käufer gehalten. Als Familie mussten wir noch keine rassistischen Erfahrungen machen.

Ich bin froh, dass wir aus unterschiedliche Kulturen kommen. Wären wir gleich, wäre das ja langweilig. Und unsere Kulturen sind doch gar nicht so unterschiedlich. Meine Frau und ich haben zum Beispiel den gleichen Glauben, wir beten zusammen. Manchmal verstehe ich sie sogar besser als andere Ghanaer.