Ich bin Deutschtürkin und kann nicht anders, als die Özil-Debatte auf mich zu beziehen. Und ich glaube nicht, dass es hier nur ums Deutschsein geht.

Ich weiß: Keiner hat Lust, einer jammernden, Kopftuch tragenden Muslimin zuzuhören, die alles, aber auch wirklich alles, auf sich bezieht und sich von allem unfassbar angegriffen fühlt. Zum Beispiel, wenn mich eine Redaktion immer als Interviewpartnerin zu Kopftüchern anfragt. Aber wenn ich selber über das Thema schreiben will, höre ich immer: Nein, lieber nicht.  

Ich könnte mich ja auch geehrt fühlen, dass sich überhaupt jemand für mich interessiert, anstatt so undankbar zu sein. Genauso wie der undankbarste, illoyalste, türkische Fußballer Deutschlands. Da erlaubt man ihm sogar für die Nationalmannschaft zu spielen und er beschwert sich über Rassismus. 

Es gibt überhaupt nur einen Typ Mensch, der noch nerviger ist als vertrocknete, besserwisserische Feministinnen. Und das sind Deutschtürken, die aus ihrer Opferrolle nicht rauskommen. Ich selbst vereinige sogar beide Rollen und bin damit ähnlich unbeliebt wie Mesut Özil derzeit.

Tatsächlich ist er nicht überall unbeliebt: In den sozialen Netzwerken jubeln junge Musliminnen und Muslime: "Endlich mal einer von uns, der offen ausspricht, wie rassistisch Deutschland eigentlich ist." Oder: "Irre ich mich, oder ist es das erste Mal, dass ein Kind von Migranten eine bundesweite Debatte über Rassismus auslöst und somit dieses eine Mal die Deutungshoheit besitzt? Allein schon deswegen sollten wir ihm dankbar sein."

Mesut Özil wird zur Stimme seiner Community: den undankbaren Deutschtürken. Den Deutschtürken, die ständig mit Rassismus konfrontiert werden. Die am liebsten zwei Pässe, aber nirgendwo hingehören wollen. Die faul sind und sich nie Mühe geben. Das sieht man ja gerade an dem zweitklassigen Fußballer, der deutsche WM-Träume kaputt gemacht hat. 

Ich wundere mich, dass Mesut Özil jetzt zu uns undankbaren Deutschtürken gehört. Alle haben ihn doch geliebt. Es war egal, dass er kein perfektes Deutsch spricht. Er war trotzdem Deutscher. Doch nach dem Foto mit dem türkischen Macho-Präsidenten war er plötzlich doch kein guter Fußballer mehr. Und ein richtiger Deutscher sowieso nicht.

Ich verstehe diese Rechnung nicht. Vielleicht bin ich als deutschtürkisches Mädchen mit Kopftuch nicht clever genug, um solche komplexen Zusammenhänge zu verstehen. Kopftuchtragen bedeutet: nicht neutral sein zu können, eine perfekte Putzfrau zu sein, schlecht hören und schlecht angeflirtet werden können.