Diese Fragen machen Angst vor der Zukunft – und die Antworten helfen, sie in den Griff zu kriegen. Endlich das Allerwichtigste zum allerlangweiligsten Thema wissen: Rente

Rente
»Da sollte man lieber einen Experten fragen«
Für Berufseinsteiger ist die gesetzliche Altersvorsorge oft abstrakt. Was das Rentenniveau ist und warum ein Rentenpunkt nichts mit Flensburg zu tun hat: ein Erklärvideo

"Dazu sollte ich eigentlich mehr wissen." Das ist so ein Satz, der oft kommt, wenn es um die Rente geht. Gerade junge Menschen wissen, dass die gesetzliche Rente für sie wohl nicht zum Leben reichen wird, sorgen aber nicht genug vor.

Nun hat die Bundesregierung Mitte Juli ihr Rentenkonzept vorgestellt, das auch im Koalitionsvertrag schon umrissen ist. Nur: Was steht da eigentlich drin? Ist das gut oder schlecht für junge Menschen? Und wie funktioniert das mit der Rente eigentlich?

1. Was steht in dem Rentenkonzept der Bundesregierung?

Der wichtigste Punkt für junge Menschen: Das Rentenniveau soll bis 2025 nicht unter 48 Prozent fallen. Das Rentenniveau ist das Verhältnis der Durchschnittsrente zum Durchschnittslohn. Der jährliche Durchschnittslohn beträgt aktuell 37.873 Euro. 48 Prozent davon sind derzeit jährlich 18.179 Euro. Wenn der Durchschnittslohn steigt, steigt dementsprechend auch die durchschnittliche Rente. Gleichzeitig soll der Beitrag zur Rentenversicherung nicht auf mehr als 20 Prozent steigen. Alle weiteren Änderungen haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst.

2. Ist das gut oder schlecht für dich?

Matthias Buske von der Deutschen Rentenversicherung will sich da nicht festlegen: "Das kann ich so nicht beantworten", sagte er. Die Bundesregierung hat zunächst bis 2025 geplant – was danach passiert, soll eine Kommission entscheiden. Was die erarbeitet, ist also für alle, die erst nach 2025 in Rente gehen, relevant.

Allerdings betrifft das aktuelle Konzept die Jungen auch heute schon. Denn wenn das Rentenniveau konstant bleiben und die Beiträge nicht steigen sollen, gleichzeitig aber immer mehr Menschen in Rente gehen, muss das zusätzliche Geld irgendwoher kommen. Die Bundesregierung möchte das mit Steuergeld bezahlen – das ist auch heute schon so, durch die Pläne der Regierung wird das in Zukunft noch mehr kosten.

Wer also berufstätig ist, zahlt doppelt für die Rente der heutigen Rentner: Einerseits durch den Beitrag zur Rentenversicherung, andererseits durch Steuern. Gleichzeitig gibt es keine Garantien, dass dieses System so noch gelten wird, wenn die, die heute die Rente bezahlen, selbst in Rente gehen. Stattdessen ist es sehr wahrscheinlich, dass heute unter 30-Jährige deutlich länger werden arbeiten müssen, als die heutigen Rentner das mussten.

3. Was ist ein Rentenpunkt?

Ein Rentenpunkt heißt eigentlich Entgeltpunkt. Einen Punkt bekommt man, wenn man in einem Jahr das deutsche Durchschnittseinkommen verdient hat. Aktuell sind das 37.873 Euro. Wer mehr verdient, kriegt mehr als einen Punkt, wer weniger verdient, weniger.

4. Und wofür brauchst du sie?

Aus den gesammelten Rentenpunkten wird die Rente berechnet. Das heißt: Je länger man arbeitet, desto mehr Punkte sammelt man und desto höher ist die spätere Rente. Ein Punkt hat aktuell einen Gegenwert von 32,03 Euro in West- und 30,69 Euro in Ostdeutschland. Der Gegenwert wird jedes Jahr zum 1. Juli neu berechnet – anhand der Rentenanpassungsformel. Sie sorgt dafür, dass die Renten sich ungefähr so entwickeln wie die Löhne – steigen die Löhne, steigt auch der Gegenwert eines Rentenpunkts.

Wie alt wirst du sein, wenn du in Rente gehst?

5. Wie berechnet sich die Rente?

Jetzt kommt ein bisschen Mathe. Die Höhe der Rente ist das Produkt aus Rentenpunkten (bzw. Entgeltpunkten), dem aktuellen Rentenwert, dem Zugangsfaktor und dem Rentenartfaktor.

Die Rentenpunkte sind oben erklärt.

Der aktuelle Rentenwert ist der Wert der Rentenpunkte (32,03 Euro im Westen, 30,69 Euro im Osten). Dieser wird jedes Jahr neu berechnet. 2011 war er niedriger als 2016. 

Der Zugangsfaktor berücksichtigt, zu welchem Zeitpunkt man in Rente geht. Geht man genau zum Renteneintrittsalter in Rente, liegt er bei 1,0. Wenn man früher in Rente geht, sinkt er. Wenn man länger arbeitet, als man soll, steigt er auf über 1,0.

Der Rentenartfaktor ist die Art der Rente: Eine Halbwaisenrente hat den Faktor 0,1. Die reguläre Rente den Wert von 1,0. 

Diese vier Werte werden miteinander multipliziert und ergeben die Rente, die einem zusteht.

6. Wie alt wirst du sein, wenn du in Rente gehst?

Das maximale Renteneintrittsalter liegt aktuell bei 67 Jahren. Daran hält die Bundesregierung auch fest. Allerdings wird dieses Eintrittsalter sehr wahrscheinlich nicht zu halten sein: Die deutsche Gesellschaft wird immer älter, es wird in Zukunft also immer mehr Rentnerinnen und Rentner geben, deren Renten von immer weniger Arbeitnehmerinnen gezahlt werden. Schon 2011 empfahlen die Wirtschaftsweisen daher, das Rentenalter auf 69 Jahre anzuheben. Wolfgang Schäuble (CDU) sprach auch schon davon, die Rente mit 70 einzuführen. Und eine Studie berechnete für die Zukunft Renteneintrittsalter von bis zu 73 Jahren.

7. Wer zahlt deine Rente?

Wenn alles nach Plan läuft: Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die arbeiten, wenn du in Rente bist. Das Prinzip, dass die arbeitende Generation der älteren Generation der Rentnerinnen und Rentner die Rente bezahlt, nennt sich Generationenvertrag. Das ist kein tatsächlich existierender Vertrag, sondern ein Konzept. Dementsprechend kann die jüngere Generation ihn aber auch nicht einklagen, wenn sie das Gefühl hat, der Generationenvertrag könnte bedroht sein, oder weil sie ihn unfair findet – zum Beispiel weil sie vielleicht heute zahlen muss, aber keine Garantien dafür hat, dass das in Zukunft bei ihrer Rente auch noch der Fall sein wird. 

8. Wie viel Rente hast du schon angesammelt?

Das steht in der Renteninformation. Die bekommen alle, die mindestens 27 sind und fünf Jahre lang in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Sie kommt einmal im Jahr und darin steht, wie hoch die Rente wäre, wenn man sofort in Rente ginge, als auch eine Hochrechnung der zu erwartenden Rente, wenn man zum Regeleintrittsalter in Rente geht.

9. Was ist Riestern?

Die Riesterrente ist eine Form der staatlich geförderten Rentenvorsorge. Ein Beispiel: Du schließt einen privaten Vorsorgevertrag mit einer Bank oder einer Versicherung ab, in dem steht, dass du monatlich einen gewissen Beitrag bezahlst, um in der Zukunft eine gewisse monatliche Rente zu bekommen. Wenn der Vertrag riesterförderwürdig ist, legt der Staat jedes Jahr einen gewissen Betrag obendrauf, finanziert also deine Vorsorge mit. Etwa so wie bei einem Bausparvertrag. Die Riesterrente ist nach dem ehemaligen Bundesminister für Arbeit und Soziales, Walter Riester, benannt, der dieses Konzept der Vorsorge entwickelt hat. Es existiert seit 2002.

10. Solltest du es machen?

Das ist schwer zu sagen, weil es von der eigenen Situation, dem Alter und dem Produkt abhängig ist. Riestern könne sich lohnen, sagt auch Matthias Buske von der Deutschen Rentenversicherung, aber dafür müssen verschiedene Produkte auf ihre Rendite verglichen werden. Privat vorzusorgen, ist aber nötig, weil die gesetzliche Rente in Zukunft sehr wahrscheinlich nicht ausreichen wird. Zur Vorsorge beraten zum Beispiel die Verbraucherzentralen und auch die Deutsche Rentenversicherung.

11. Machen dir diese Fragen Angst vor der Zukunft?

Nein? Sollten sie vielleicht. Junge Menschen sollten sich "so früh wie möglich" Gedanken zu ihrer Rente machen, sagt Matthias Buske. Er schaut dabei sehr ernst. Und er hat leider recht. Allerdings können junge Menschen sich helfen lassen – wo, steht bei Frage zehn. Nur muss man es eben wirklich machen. So früh wie möglich. Nächste Woche zum Beispiel.

Hinweis: In einer früheren Version haben wir geschrieben, dass der Rentenwert aus dem jeweiligen Jahr des erworbenen Rentenpunkts berechnet wird. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.