Die Jungen sollen ein Jahr Dienst an der Waffe oder soziale Arbeit leisten, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Dabei haben die Alten ihn zerstört.

Wer in Deutschland unter 30 ist, hat nichts zu sagen, deshalb sollten die Jungen froh sein, dass wenigstens über sie gesprochen wird. So wie am Wochenende: Um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, sollten alle jungen Männer und Frauen nach der Schule zukünftig entweder ein Jahr zum Bund oder Sozialdienst leisten. Das sagte Paul Ziemiak, der Vorsitzende der Jungen Union, der Bild am Sonntag.

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte schon am Samstag gesagt, in ihrer Diskussion mit der CDU-Basis sei die Wiedereinführung der Wehrpflicht immer wieder Thema gewesen. Sie hofft, eine Debatte anzustoßen, die es vielleicht bis ins Grundsatzprogramm der CDU schaffen soll. Auch aus der SPD sind ähnliche Stimmen zu hören.

Wer sich engagieren will, kann das jetzt schon tun

Die Idee: Wenn erst mal die Abiturientin neben der Realschülerin in der Kaserne geschlafen, der Deutschtürke und die junge Dresdnerin zusammen im Schützengraben gelegen oder die Spülmaschine im Kinderladen ausgeräumt haben, dann, ja dann kommt in Deutschland der gesellschaftliche Zusammenhalt zurück, die Union gewinnt wieder absolute Mehrheiten im Bund und Deutschland schafft es bei der EM ins Achtelfinale.

Wer sich für den Zusammenhalt engagieren will, kann das auch jetzt schon tun: Zivil geht das beim Bundesfreiwilligendienst. Nur scheint der nicht besonders attraktiv zu sein: Von den gut 300.000 jungen Menschen, die den Dienst seit seiner Einführung 2011 angefangen hatten, haben 32 Prozent ihn vorzeitig abgebrochen.

Auch beim Bund können junge Männer und Frauen sich für einen freiwilligen Wehrdienst melden: Im August 2017 hatten sich etwas mehr als 10.000 junge Männer und Frauen für den Dienst beworben, 15 Prozent weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres. Und ein Viertel von ihnen brach noch in der Probezeit ab. 

Der Zusammenhalt in Deutschland wird nicht von jungen Menschen gefährdet.

Der Pflichtdienst wäre also wohl nicht besonders beliebt: Wer als junger Mensch heute erwachsen wird, müsste nicht nur genügend schlecht bezahlte Praktika auf dem Weg zum befristeten Arbeitsvertrag oder eine Ausbildung machen, nein, ein Jahr Dienst für Taschengeld sollten dann für den gesellschaftlichen Zusammenhalt auch noch drin sein. Und natürlich würden viele nach diesem Pflichtdienst sagen: "Toll, ich hätte das nie gemacht, wenn ich nicht gezwungen worden wäre." Und wahrscheinlich hätten sie recht.

Nur sind es nicht seine Absolventinnen und Absolventen, die kurz nach ihrem Abschluss fordern, Menschen mit Behinderung in Deutschland zählen zu lassen, die Regierungskoalition wegen ein paar Flüchtlingen vor Deutschlands Grenzen riskieren und sagen, die Nazizeit sei ein Fliegenschiss in der erfolgreichen deutschen Geschichte. Der Zusammenhalt in Deutschland wird nicht von jungen Menschen gefährdet. Dafür sind andere verantwortlich.

Wann macht Horst Seehofer Freiwilligendienst auf der "Lifeline"?

Und zwar die Menschen im Alter von Annegret Kramp-Karrenbauer, von Horst Seehofer, Markus Söder und Beatrix von Storch. Der Zusammenhalt wird gefährdet von der Generation der mächtigen Alten, die mit ihren Sprüchen um die Stimmen der anderen Alten kämpfen. Um die Stimmen jener, die sich den gesellschaftlichen Zusammenhalt zurückwünschen, für dessen Verschwinden sie mitverantwortlich sind.

Denn erstens ist das, was sie jetzt in Deutschland vermissen, nicht wegen der Jungen verschwunden.

Es existierte zweitens nicht deshalb, weil sie anno dazumal an der Waffe gedient haben.

Und es wird drittens nicht zurückkommen, weil eine 18-Jährige weiß, wie sie einen Leopard-Panzer fährt.

Deshalb ein Vorschlag: Wenn Jens Spahn sich für ein Jahr eine Auszeit von der Politik genommen hat, um in einem Altenheim in seinem Geburtsort Ahaus-Ottenstein für 350 Euro im Monat Menschen zu pflegen, wenn Annegret Kramp-Karrenbauer zwölf Monate für den gesellschaftlichen Zusammenhalt mit einer G36 durch den Schlamm gerobbt ist und Horst Seehofer 365 Tage auf der Lifeline im Mittelmeer für ein warmes Essen und einen Händedruck Dienst geleistet hat, dann – und erst dann – können wir diskutieren, ob Deutschland seine jungen Frauen und Männer wieder ein Jahr zwingen sollen dürfte, wie sie ihr Leben zu leben haben. Nach Ihnen, Frau Kramp-Karrenbauer.