Ali lächelt viel, ist immer freundlich. Denn er will niemandem Angst einjagen. Fremde auf der Straße oder in der Uni halten ihn trotzdem für "den gefährlichen Araber".

Unter dem Hashtag #metwo teilen in diesen Tagen Tausende ihre Erfahrungen mit Rassismus in Deutschland. Auf Facebook, Instagram und Twitter berichten Menschen von Situationen, in denen sie ausgegrenzt und diskriminiert wurden. Anlass war der Rücktritt von Mesut Özil aus der deutschen Fußballnationalmannschaft.

Ali, 24 Jahre alt, ist Maschinenbaustudent aus Köln. Er ist groß gewachsen, sportlich. Es kommt oft vor, dass Fremde in der Öffentlichkeit vor ihm zurückschrecken. Für manche sieht er aggressiv und gefährlich aus. Liegt es an seinem schwarzen Bart, an seiner Hautfarbe? Ali lächelt viel, ist immer freundlich. Denn er will niemandem Angst einjagen. Im Protokoll berichtet er, wie es ihm im Alltag damit geht.

Ich sitze auf dem Küchenstuhl und hatte eine große Portion Rassismus zum Frühstück. Meine Hände sind zu einer Faust geballt und ich blicke auf die weiße Küchenwand vor mir. Eigentlich müsste ich jetzt in der Uni sitzen. Ich habe Wut im Bauch, Tränen in den Augen. Es geht mir sehr nah, auch wenn ich das nicht wahrhaben möchte.

Ich wohne in einem Plattenbau, etwas außerhalb von Köln. In unserem Haus wohnen 30 andere Menschen. Einer hat es in der letzten Zeit auf mich abgesehen. Dabei ist es wichtig zu erwähnen, dass ich 1,85 Meter groß und braun bin. Eigentlich mag ich meinen Bart und meine lockigen Haare, aber sie markieren mich als fremd. Als den Araber, den dreckigen Kanaken. Das waren die Worte meines Nachbarn gerade eben.

Vor ein paar Tagen muss sich jemand einen Spaß erlaubt und seinen Briefkasten mit nassen Prospekten gefüllt haben. Ich war es nicht. Warum sollte ich so was tun? Doch mein Nachbar hat an meine Tür geklopft und mir mitgeteilt, dass ich damit aufhören solle. Ich habe ihn angelächelt und höflich nachgefragt: "Womit denn?", "Hör auf, meinen Briefkasten zu verdrecken!" Ich versicherte ihm, dass ich es nicht war und wünschte ihm einen schönen Tag. Dieses Gespräch wiederholte sich zweimal innerhalb einer Woche. Ich blieb freundlich.

Heute morgen lag eine Notiz auf dem Briefkasten. Darauf stand: "Mal schauen, ob das lustig ist!" Mein Briefkasten war voll mit nassen Prospekten. Ich ziehe sie raus und spüre die Wut. Auch ich habe das Recht, wütend zu werden. Ich gehe also zu meinem Nachbarn. Ich versuche, nett zu bleiben, möchte keinen Stress so früh am Morgen. Ich frage ihn nach seinen Beweggründen, versuche, wiederholt klarzumachen, dass ich es nicht war, und frage ihn, warum er mir nicht glaubt. "Ah, komm hau ab, du dreckiger Kanake!", "Ihr Araber lügt doch andauernd". Ich merke, dass ich aus meiner Rolle falle, die Wut steigt mir in den Kopf. Mit ganzer Kraft schmeiße ich die nassen Prospekte in seinen Hausflur und brülle: "Ich war es nicht, Alter!" Dann holt er aus und boxt mir auf die Nase.

Der Mann ist circa 50 Jahre alt, ich 24. Ich bin mir sicher, dass es schlimm enden könnte, wenn ich meine Wut nicht kontrolliere, und gehe. Er schreit mir hinterher: "Verpisst euch endlich!" Meine Hände sind noch immer feucht von den Prospekten, mein Gesicht schmerzt und ich verpisse mich in meine Wohnung. Mit geballter Faust haue ich in die Küchenwand.