Sich auseinanderleben, verkrachen oder noch lieben: Die Trennungsgründe von WGs ähneln denen einer Beziehung. Drei Geschichten, wie es enden kann.

Sich noch lieben, aber trennen müssen

Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich kann mich noch genau an das WG-Casting erinnern, direkt zu Beginn meines Erasmus-Jahres in Madrid: die mit Fotos und Zeichnungen zugekleisterten Wände in dieser riesigen Bruchbude. Das aufgebaute Zelt im Flureingang, diese sechs Chaoten im Wohnzimmer. Wir haben uns wahnsinnig gut verstanden. So gut, dass sie mich nach einer Stunde fragten: "Alessia, willst du nicht einfach bleiben?" Einen Tag später hab ich meine Sachen nachgeholt.

Es war die beste WG, die ich je hatte, meine zweite Familie, mit unzähligen Partys, Roadtrips, Serienmarathons, Wohnzimmer-Lernsessions, kleinen WG-Krisen und anschließenden Versöhnungszigaretten. Und trotzdem wussten wir: Das hier ist nur eine Liebesbeziehung auf Zeit. Alle von uns führen andere Leben in anderen Ländern, in die wir früher oder später zurückkehren müssen. Die Abschiedswoche war der Horror. Ständig bin ich durch die Wohnung getigert, umarmte jede Person mit dem Gedanken, sie von nun an nicht mehr um mich zu haben, strich melancholisch mit der Hand über die Wände und trauerte. Im Flugzeug auf dem Weg nach Hause habe ich nur geweint.

Mittlerweile habe ich mich an die neue Situation gewöhnt. So richtig abschließen kann ich trotzdem nicht, obwohl es jetzt schon ein Jahr her ist. Wenn ich mir Fotos angucke oder Lieder höre, die mit einer bestimmten Erinnerung behaftet sind, krieg ich richtig Herzschmerz. Aber das gehört wohl mit dazu, wenn man sich trennen muss, obwohl man sich noch liebt.

Alessia, 25, wohnt jetzt wieder in ihrer alten Wohnung in Bologna.

Trennung im Streit

Das Ende war eine Katastrophe. Ich hätte jeden Tag durchdrehen können in dieser WG. Dabei bin ich mit meinem besten Freund zusammengezogen. Und genau das war der Fehler: Unsere WG ist daran gescheitert, dass wir einfach zu vertraut miteinander waren. Na ja, er mit mir. So vertraut, dass er entschied, einfach nicht mehr zu klopfen. Manchmal ist er in mein Zimmer gekommen, hat sich Klamotten von mir genommen und ist wieder rausgegangen, ohne ein Wort zu sagen. Generell gab es eigentlich keine Grenzen.

Eines Morgens lag ich mit meiner Freundin im Bett, da kam er herein, um die Blumen auf meinem Balkon zu gießen – nackt, mit einer Gießkanne in der Hand. Außerdem hat er es ein Jahr lang nicht hinbekommen, den bescheuerten Wohnungsschlüssel nachmachen zu lassen. Das muss man sich mal vorstellen: Ich habe meinen eigenen Schlüssel monatelang für ihn unter der Fußmatte verstecken müssen. Irgendwann gab es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: ausziehen und die Freundschaft damit noch irgendwie retten – oder aber sich bis aufs Allerletzte verkrachen. Ich bin dann zum Glück zu meiner Freundin gezogen. Er hat das ruhig aufgenommen. Was sollte er auch dagegen sagen? Ihm musste ja klar gewesen sein, wie wenig wir uns am Ende ausstehen konnten.

Mittlerweile hat sich unsere Freundschaft einigermaßen erholt. Wir können zwar immer noch nicht über die gemeinsamen Jahre in der WG reden, aber das ist schon okay so.

Manuel, 28 Jahre alt, kann mittlerweile mit seinem Ex-Mitbewohner wieder in einem Raum sein, ohne ihm dabei den Kopf einschlagen zu wollen.

Sich im Einverständnis trennen

Es war klar, dass am Ende alle irgendwie ein bisschen unzufrieden waren mit unserer WG. Das merkte ich an Kleinigkeiten, wenn ich zum Beispiel "Hallo" durch den Flur rief und nichts mehr zurückkam. Irgendwann haben wir auch aufgehört, gemeinsam zu kochen. Plötzlich haben mich auch die kleinen Ticks von meinen Mitbewohnern genervt: Früher fand ich es noch süß, dass meine Zimmernachbarin mit ihren Blumen redet und extra "wachstumsfördernde" Musik anmacht. Ich mochte auch nicht alle Freunde meiner Mitbewohner – zumindest nicht, wenn unsere Wohnung zu einem Pre-Party-Schminksalon wurde. Irgendwann hat dann mein anderer Mitbewohner vorsichtig erwähnt, dass er sich nach etwas Neuem umhört, angeblich wegen der unpassenden Verkehrsanbindung. Da dachte ich mir: Es war eine schöne Zeit in dieser WG, aber es ist auch okay, wenn das jetzt vorbei ist. Wir haben dann offen darüber gesprochen und sahen es alle ähnlich. So wie am Anfang wird es eh nicht mehr. Dann lieber trennen, bevor wir uns richtig streiten.

Kathrin, 22 Jahre alt, sucht gerade ein neue WG, in der Pflanzen weitestgehend ignoriert werden.

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