Seit einem Jahr sitzt die AfD im Bundestag. Seitdem sprechen wir regelmäßig mit drei jungen AfD-Wählern. Wie zufrieden sind sie mit der Arbeit der Partei?

Vor einem Jahr, am 24. Oktober 2017, ist die AfD in den Bundestag eingezogen und hat ihre parlamentarische Arbeit begonnen. ZEIT Campus ONLINE spricht seitdem regelmäßig mit drei jungen AfD-Wählerinnen und -Wählern über ihre Erwartungen an die Partei. Nach der Bundestagswahl haben wir sie gefragt, warum sie sich für die AfD entschieden haben. Vor Weihnachten haben wir mit ihnen über christliche Werte, Familie und den Islam gesprochen. Und ihm Frühjahr nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen wollten wir von ihnen wissen, was sie von der großen Koalition erwarten. Jetzt ziehen sie ein Fazit: Wie zufrieden sind sie mit der Arbeit der AfD? Und wie haben sie die Ereignisse von Chemnitz verfolgt? Die Antworten der drei haben wir protokollarisch festgehalten.

Rebecca*, 27 Jahre, alleinerziehende Mutter aus Neubrandenburg

"Ich wähle die AfD definitiv nicht noch mal. Es ist genau das passiert, was ich befürchtet habe: gar nichts. Da kamen vor einem Jahr so viele Versprechungen – aber verändert hat sich nichts. Daran ist die AfD natürlich nicht alleine schuld. Wenn ewig keine Koalition steht und sich danach die Regierungsparteien nur streiten, ist das ja auch kein Wunder.

Ich hatte in meiner ersten Ausbildung zur Tischlerin einen schweren Arbeitsunfall. Seitdem bekomme ich eine Verletztenrente. Die hat sich ein bisschen erhöht. Ich hatte gehofft, dass sich nach der Wahl etwas ändert, aber mehr bekomme ich privat nicht davon mit. Das finanzielle Loch kann ich gerade mal dadurch ausgleichen, dass ich mit dem Rauchen aufgehört habe und mich gesünder ernähre. Aber auch um meinen Kitaplatz, der glücklicherweise vom Jugendamt bezahlt wird, musste ich bangen. Ich habe einen Platz gefunden, aber dafür plagt mich das schlechte Gewissen, weil ich arbeiten gehe und weniger Zeit für meinen Sohn habe. Anders geht es nicht, denn ich will meinem Kind etwas bieten. Auf der Arbeit, bei meiner neuen Ausbildungsstelle zur Steuerfachangestellten, sind wir gnadenlos unterbesetzt und wir Azubis müssen das auffangen. Das bedeutet: viel Arbeit für ein kleines Ausbildungsgehalt.

Ich dachte, dass sich die AfD mit Sicherheit für Alleinerziehende einsetzt, aber ich sehe keine großen Veränderungen. In Neubrandenburg sind Kitaplätze immer noch kostenpflichtig. Eine Freundin von mir verdient zehn Euro zu viel, um vom Jugendamt unterstützt zu werden und muss für die Kita selbst aufkommen. Das belastet jeden Monat ihre Haushaltskasse enorm.

Was ich bisher von der AfD mitbekommen habe, weiß ich aus dem Radio, das auf der Arbeit läuft, oder ab und zu aus dem Fernsehen. So habe ich erfahren, dass die AfD eine Internetseite eröffnet hat, auf der Schüler ihre Lehrer melden können, sollten diese sich abfällig über die AfD äußern. Andere Sorgen haben die nicht? Klingt für mich stark nach SS-Methoden. Immer schön die anderen verpetzen. Sollen die Lehrer deswegen ihre Jobs verlieren? Sorry, aber dümmer geht’s kaum. Auch dass sie in Chemnitz mit Nazis und Hooligans demonstriert haben, kann ich nicht nachvollziehen. Taktisch war das sicherlich nicht gerade klug. Da kam ich dann in den Zwiespalt, weil ich keine Partei unterstützen will, die Idioten hinterherrennt.

Mich ärgert einfach, dass kein Umdenken seit der Wahl stattgefunden hat. Die AfD tut alles für Negativschlagzeilen und die anderen Parteien hetzen weiterhin über die AfD, aber nichts verändert sich. Ich habe das Gefühl, anstatt Politik zu machen, wollen die einfach nur stänkern und sich gegenseitig anzicken.

Es ist genau das passiert, was ich befürchtet habe: gar nichts.

Durch die Asylpolitik hat sich zumindest nichts verschlechtert. Gerade hier in Neubrandenburg, muss ich sagen, kommen deutlich weniger Busse an. Das war vor einem Jahr echt noch viel schlimmer. Aber die Integration funktioniert aus meiner persönlichen Erfahrung dafür nicht wirklich gut. Bei meiner alten Tagesmutter gab es ein syrisches Kind. Die Eltern haben nicht verstanden, dass ihr Kind wind- und wetterfeste Kleidung braucht, weshalb die Tagesmutter mit allen Kindern zu Hause geblieben ist und der Spielplatz ausfiel. Dafür kann es natürlich Gründe geben, aber geärgert hat mich das trotzdem und es fördert nicht gerade den Zusammenhalt. Auf der Arbeit haben wir manchmal mit Kunden zu tun, die als Asylbewerber herkamen, und die meisten sind zwar wirklich nett, aber es scheitert oft an der Verständigung, weil sie immer noch sehr schlecht Deutsch sprechen, obwohl sie schon mehrere Jahre hier sind. Dann höre ich immer wieder, Chemnitz sei kein Einzelfall gewesen. Es gäbe ständig Übergriffe, wo Asylbewerber beteiligt sind. Natürlich ärgert mich das und ich bin auch dafür, dass dafür das Strafmaß entsprechend hoch ausfällt, aber ich denke, es ist trotz allem keine Lösung, nur auf den Ausländern rumzuhacken, so, wie es die AfD zur Zeit nur noch tut.

Ich wünsche mir von der Politik generell, dass sie mehr darauf eingeht, was uns, das einfache Volk, wirklich bewegt. Ich mache mir zum Beispiel Sorgen um die Zukunft meines Sohnes. Ich sehe immer wieder alte Menschen Pfandflaschen sammeln. Im Fernsehen habe ich auch schon gesehen, dass viele ältere Leute sich so die Rente aufstocken. Das kann doch nicht sein! Die haben doch gearbeitet! Wozu haben wir denn ein Rentensystem? Mein Sohn hat jetzt schon ein Alterssparkonto, weil ich nicht will, dass er so endet.

Ich habe die AfD ehrlich gesagt aus Trotz gewählt, um die anderen Parteien wachzurütteln. Ich hatte wirklich gehofft, dass die AfD etwas mehr Druck machen würde. Ich wünsche mir, dass sich alle Parteien rückbesinnen auf das, was sie im Wahlkampf versprochen haben, das gilt besonders für die AfD."

*Anmerkung der Redaktion: Wir haben den Namen der Protagonistin anonymisiert, um ihre Identität zu schützen.