Für unter 2.000 Euro im Monat pflegt sie kranke Menschen. Doch dankbar dafür sind oft weder Patientinnen noch Chefs. Das anonyme Gehaltsprotokoll einer Krankenpflegerin

Alter: 22 Jahre

Berufsbezeichnung: Gesundheits- und Krankenpflegerin

Monatliches Gehalt: 1.800 – 2.000 Euro

Ich bin als Krankenpflegerin eigentlich dafür da, Patienten zu pflegen – aber mir wird häufiger gedroht als gedankt. Einmal hatte ich einen alkoholkranken Patienten, der der Meinung war, ich hätte mich im Ton vergriffen und ihn angeschrien. Er meinte dann: "Brüllen Sie mich nicht so an!" Ich entschuldigte mich also bei ihm, was dazu führte, dass er mir drohte, mich anzuzeigen und mir ins Gesicht zu schlagen.

Das ist natürlich ein Extremfall. Andere provozieren weniger direkt. Zum Beispiel klingeln sie oft. Dann kommt so was wie: "Schwester, bringen Sie mir mal ein Wasser." Ich hole es und der Patient sagt: "Das ist nicht die richtige Sorte, ich wollte mit Sprudel", obwohl er beim ersten Mal stilles Wasser wollte. Manche stänkern nur gern, andere lieben es einfach, sich bedienen zu lassen und nutzen die Notklingel für alles. Wenn ich nicht gehorche, beschweren sie sich bei meiner Dienstleitung.

Ab und zu treffe ich doch auf Zuspruch und werde auch besser behandelt. Wenn ich ein "Danke" zu hören bekomme und sich der Allgemeinzustand der Patientin bessert, habe ich das Gefühl, meine Arbeit gemacht zu haben. Vor ein paar Wochen kam beispielsweise eine Patientin mit Herzkreislaufproblemen kurz vor ihrer Entlassung zu mir, fragte mich nach meinem Namen und sagte: "Machen'se weiter so." So was behalte ich in Erinnerung, weil es so selten vorkommt.

Als ich vor vier Jahren meine Ausbildung anfing, habe ich mir das anders vorgestellt. Ich wollte Gesundheits- und Krankenpflegerin werden, um Menschen zu helfen. Das habe ich beim Bewerbungsgespräch auch meiner Lehrerin gesagt. Sie sagte daraufhin nur: "Auch als Bäcker hilft man Menschen", womit sie rückblickend betrachtet recht hat. Medizin hat mich schon immer interessiert, aber für ein Studium hat mein Zeugnis nicht gereicht. In der Ausbildung saß ich dann aber mit Abiturienten in einem Raum, die nicht mal den Dreisatz konnten. Ich dachte, ich bin im falschen Film.

Durch den deutschlandweiten Pflegekräftemangel lässt mein Arbeitgeber fast alle Bewerberinnen und Bewerber zur Ausbildung zu, wodurch das Niveau sinkt. Aber irgendwoher müssen die zukünftigen Pflegerinnen und Pfleger ja kommen. Als Krankenpflegerin sind meine Kollegen und ich die Anlaufstelle für jeden. Wir sind meist die Mittelsleute, die es trifft, wenn mal was nicht gut genug läuft. Wir wissen beispielsweise nie rechtzeitig, um welche Uhrzeit ein Patient seine Untersuchung hat. Also werde ich von den dafür zuständigen Ärzten angerufen, dass der Patient in fünf Minuten einige Stockwerke tiefer beim Röntgen oder bei seiner Magen-Darm-Spiegelung sein muss. Dafür muss ich aber erst mal unseren Krankentransport anrufen, wo es bis zu zwei Stunden dauern kann, bis da jemand Zeit hat, weil die wie alle überlastet sind. Von den Untersuchungsärzten bekomme ich dann aber einen auf den Deckel, weil der Patient nicht schnell genug da ist.