Wer als Frau Beinhaare hat, wird angestarrt. Wie politisch eine Rasur sein kann und wie man sich als Feministin schön macht: ein Gespräch unter fünf jungen Frauen.

Seit mehr als einem Jahr wird unter dem Hashtag #MeToo über Gleichberechtigung und Diskriminierung diskutiert. Und darüber, was das mit dem Auftreten und Aussehen von Frauen zu tun hat. ZEIT Campus ONLINE hat fünf junge Frauen eingeladen, um mit und nicht nur über junge Frauen zu sprechen. Ein Gespräch über Schönheit, Feminismus und Achselhaare.

ZEIT Campus ONLINE: Habt ihr euch heute schön gemacht?

Marie: Ich habe schon länger darüber nachgedacht, was ich zu einem Gespräch über Schönheit und Feminismus anziehe. Werden da Fotos gemacht? Wie will ich wirken? Vor ein paar Stunden war ich noch unterwegs und hatte ungewaschene Haare, da dachte ich schon, ich will mich ein bisschen zurechtmachen.  

Mariam: Ich habe mich bewusst nicht so feminin schön gemacht. Zum Beispiel habe ich extra kein pinkes Kleid angezogen. Ich dachte, wenn du jetzt zu dieser Feminismusdiskussion gehst, kannst du nicht das pinke Kleid anziehen. Dann stecken sie dich gleich in eine Schublade. Den Lippenstift habe ich mir aber nicht verkniffen.  

Leni: Aber warum denn auch verkneifen? 

Mariam: Weil ich damit gerechnet habe, dass "sich schön machen" an sich eher abgelehnt wird.

Maria: Ich finde total wichtig, dass wir auch darüber reden, dass auch wir Frauen, die sich als Feministinnen identifizieren, die Freiheit haben, selbst zu entscheiden, ob wir Lippenstift verwenden oder nicht. Es gibt ja auch Orte, an denen man sich ungeschminkt oder unverstellt gar nicht sicher fühlt.

Von links nach rechts: Gina Nicolini, Maria Popov, Mariam Salehi, Leni Bösl und Marie Beckmann, 2018, in Berlin © Amélie Losier für ZEIT ONLINE

ZEIT Campus ONLINE: Du hast gerade für alle die Annahme getroffen, dass ihr euch als Feministinnen identifiziert. Würdet ihr euch denn alle so bezeichnen? 

Mariam: Vermutlich vor ein paar Jahren nicht, aber jetzt schon. Einmal weil sich meine Perspektive auf das Label geändert hat und auch, weil wenn man, je älter man wird, merkt, wie mies das Patriarchat ist. 

ZEIT Campus ONLINE: Was meinst du damit? 

Mariam: Inzwischen wird einem als Mädchen kommuniziert, dass man gleichberechtigt ist. Ich hatte nie das Gefühl, dass es nicht so ist. Mit Feminismus habe ich ganz lange den Schwarzer-Feminismus in Verbindung gebracht, das sind die Leute, die keine Männer mögen. Aber ich hatte vor allem männliche Freunde. 

Gina: Ja, der Schwarzer-Feminismus ist unsexy, dahinter stecken Vorurteile, die man auch heute noch hört: "Feministinnen rasieren sich nicht die Beine".

Leni Bösl, 27, studiert Kulturmanagement in Berlin und verbringt gerne Zeit in Frankreich und Baumärkten. © Amélie Losier für ZEIT ONLINE

Maria: Das ist natürlich Quatsch, dass Feministinnen sich nicht die Beine rasieren. Da bin ich das beste Beispiel. Ich habe mir die Beine heute bewusst rasiert. Ich habe sehr dunkle Haare, die man schwer verstecken kann. Wenn ich so Bahn fahre, fühle ich mich unsicher. 

Marie: Hattest du mal Reaktionen in der Bahn? 

Maria: Ja, aber zum Glück nicht so schlimm. Wenn man unrasierte Knie hat und Jeans mit Löchern trägt, dann starren die Leute. An den meisten Tagen macht mir das Spaß, aber das ist schon heftig. Man wird anders angesprochen.  

Marie: Ich habe sehr helle Haare, aber auch immer rasiert. Irgendwann habe ich gedacht, ich muss das jetzt mal wachsen lassen. Ich wusste ja gar nicht mehr, wie meine Haare aussehen. Ich war auch gespannt auf die Reaktionen, aber es hat erstaunlich wenig Leute interessiert. Ich verstehe, dass man nicht immer Lust hat, aufzufallen, und auch aus dem Grund Körperhaare entfernt. Wenn einen selbst die Haare nicht stören, aber die Reaktionen darauf.

Mariam: Mich stören meine Achselhaare ab einer gewissen Länge selbst. Es gibt eine Grenze, dann müssen die weg. Ich bilde mir ein, mehr zu riechen.

Marie: Interessant, mich stören meine Beinhaare mehr. Ich empfinde die als maskuliner, Achselhaare dagegen finde ich sexy.

Leni: Sehe ich auch so, Beinhaare würde ich immer wegmachen, Achselhaare finde ich okay.