Viele junge Frauen in der CDU kennen nur eine Vorsitzende: Angela Merkel. Vor der Wahl ihres Nachfolgers erzählen vier von ihnen, wie Merkel sie geprägt hat.

18 Jahre lang war Angela Merkel Parteivorsitzende der CDU – anlässlich des Parteitags am 7. Dezember haben wir deshalb junge Frauen in der Partei zu Merkel befragt. Fast alle von ihnen kennen keine andere Kanzlerin als Merkel, sie sind mit dem Bild einer Frau an der Spitze der deutschen Regierung groß geworden. Wie sehen sie Merkel? Hat sie sie politisch und persönlich inspiriert? Sehen sie sich als Feministinnen? Und wen wünschen sie sich als nächsten Parteichef oder nächste Parteichefin – einen Mann oder eine Frau?

Neele Schauer, 19, CDU-Mitglied seit 2015, JU-Mitglied seit 2013

Ich bin CDU-Mitglied, Feministin und Quotenfrau. Und all das bin ich gern. Ich bin Delegierte beim Bundesparteitag, auch dank des Quorums. Früher hat mich der Vorwurf genervt, ich sei nur eine Quotenfrau. Inzwischen lächle ich dann, winke ab und liefere ab.

Mir hat es imponiert, als Annegret Kramp-Karrenbauer einmal sagte, sie sei dank des Quorums da, wo sie in der CDU ist. Ich werde beim Parteitag für sie als Nachfolgerin von Angela Merkel stimmen. Weil sie eine Frau ist, aber natürlich auch, weil sie mich inhaltlich überzeugt: Sie hat Erfahrung und ist in der Partei gut vernetzt.

Wir haben in der CDU eine relativ sanfte Quotierung: Bei allen Listenplätzen sollten 30 Prozent mit Frauen besetzt sein. Der entsprechende Paragraf in der Satzung wurde 1996 verabschiedet. Er ist also älter als ich. Das passt ganz gut, weil ich in einer Welt aufgewachsen bin, in der es ganz normal war, dass eine Frau Kanzlerin ist. Am meisten hat Merkel dazu beigetragen durch die mediale Präsenz, die sie als Bundeskanzlerin automatisch hatte. Schon als Kind wusste ich: Es gibt eine Kanzlerin, einen Präsidenten und die sind irgendwie in der Tagesschau. Die Bilder einer regierenden Frau haben große Macht. Mit 14 Jahren bin ich in die Junge Union eingetreten. Ich habe mich nie gefragt, ob ich mich als junge Frau politisch engagieren kann – ich habe es einfach getan.

"Solange mich Freundinnen fragen: 'Was soll ich denn in diesem Männerclub?', geht mein Engagement weiter."
Neele Schauer

Ironischerweise verändert sich meine Meinung dazu, je länger ich mich engagiere und je älter ich werde. Ich merke immer wieder, wie männerdominiert die CDU weiterhin ist. In der Partei höre ich oft: Wir haben doch eine Frau als Generalsekretärin und eine als Parteichefin, dann können wir doch kein Frauenproblem haben. Dabei hat die CDU dieses Problem auf allen Ebenen. Im geschäftsführenden Landesvorstand der Jungen Union Hessen etwa sind nur Männer, und auch der geschäftsführende Bundesvorstand der JU ist rein männlich. Klar hat Angela Merkel dazu beigetragen, dass es mehr Frauen in wichtigen Positionen gibt. Aber ich höre immer wieder von Leuten, es sei jetzt mal wieder Zeit für einen Mann an der Spitze.

Das bestärkt mich in meiner Arbeit: Ich bin in der Frauen-Union aktiv, sage offen, dass ich Feministin bin und setze mich für Gleichberechtigung der Geschlechter in der Partei und der Gesellschaft ein. Das ist nicht immer einfach – schon weil ich als Frau ohnehin meistens in der CDU in der Minderheit bin. Aber solange mich Freundinnen fragen: "Was soll ich denn in diesem Männerclub?", geht mein Engagement weiter. Mir kann niemand erzählen, es gäbe keine qualifizierten, schlauen Frauen in der CDU. Angela Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer sind erst der Anfang.