Cannabis, LSD, MDMA: Sind illegale Drogen die bessere Medizin?

Lange war Cannabis in Deutschland illegal und jeder Kiffer ein Gesetzesbrecher. Seit Anfang 2017 dürfen Ärzte die Droge verschreiben, ganz legal, als Medikament. Zugleich wird in mehreren Studien erforscht, ob auch andere illegale Drogen einen medizinischen Nutzen haben können. Das Ziel der Forscher ist nicht, Cannabis, MDMA oder Magic Mushrooms als Freizeitdrogen zu legalisieren. Sondern herauszufinden, ob aus den Schmuddeldrogen, die manche Leute heimlich und zum Spaß nehmen, saubere Medikamente zu machen sind, die Kranken helfen können. Wir haben bei Chemikern und Medizinern nachgefragt, an welchen Substanzen sie gerade forschen und ob es Drogen wie LSD bald in der Apotheke zu kaufen gibt.

Cannabis

Wie wirkt das? Cannabis-Pflanzen enthalten verschiedene Wirkstoffe. Wenn man ihre Blüten im Tee trinkt oder als Joint raucht, kann das Gelassenheit und Freude auslösen, aber auch Angst und Mattheit. Die Intensität und die Dauer der Wirkung hängen von der Dosis ab, der Sorte der Cannabis-Pflanze und davon, wie man sie zu sich nimmt.

Woher kommt das? Chinesen und Ägypter bauten Hanfpflanzen bereits vor mehreren Tausend Jahren als Medizin und Rauschmittel an, sagen Historiker. Im 20. Jahrhundert verbreitete sich Cannabis in Europa und den USA. Dass mexikanische Einwanderer, später auch Hippies und andere Randgruppen kifften, machte viele Menschen in Amerika misstrauisch. 1961 beschlossen die Vereinten Nationen, Cannabis zu bekämpfen. Trotzdem ist es laut der Weltgesundheitsorganisation WHO heute die am häufigsten angebaute, gehandelte und konsumierte illegale Droge der Welt. In mehreren US-Bundesstaaten ist Cannabis inzwischen legal (teils ausschließlich für medizinische Zwecke, teils auch für den privaten Gebrauch). Seit Januar 2017 gibt es das Gesetz, das die medizinische Nutzung auch in Deutschland erlaubt.

Wie könnte es heilen? Das ist umstritten. Bei welchen Erkrankungen Cannabis helfen kann, steht auch nicht in dem deutschen Gesetz. Dort ist nur von "schweren Erkrankungen" die Rede. Winfried Häuser, ein Psychosomatiker und Schmerztherapeut, hat für das Ärzteblatt insgesamt 14 Studien zu Cannabis ausgewertet. Er sagt: "Eine Wirksamkeit ist bisher einzig bei Nervenschmerzen ausreichend belegt." Auch die Bundesärztekammer ist skeptisch, ob und wie man Cannabis nutzen sollte.

Wie geht es jetzt weiter? Das Gesetz zur medizinischen Nutzung von Cannabis nennt Winfried Häuser ein "Experiment". Er sagt: "Es fehlen wissenschaftliche Erkenntnisse. Wir hoffen jetzt, dass die im Gesetz geregelte weitere Erforschung von Cannabis zeigen wird, wann es sinnvoll eingesetzt werden kann."

MDMA

Wie wirkt das? MDMA löst Euphorie und eine verstärkte Wahrnehmung der Emotionen aus. Wirft man sich das ein, wird das "Kuschelhormon" Oxytocin freigesetzt, was zu gesteigertem Kontaktbedürfnis führt. Hunger und Müdigkeit werden reduziert, Puls und Blutdruck sowie Körpertemperatur steigen.

Woher kommt das? MDMA wurde 1912 zufällig entdeckt und lange kaum beachtet. Erst Mitte der siebziger Jahre erlangte die Substanz Bedeutung, als der Chemiker Alexander Shulgin damit experimentierte und die Droge an Psychologen weitergab. Danach wurde MDMA in der Psychotherapie eingesetzt. Ihre Wirksamkeit war jedoch nicht belegt. Als Partydroge verbreiteten sich die Pillen vor allem in der Techno-Szene und unter jungen Nutzern. MDMA hatte bald den Ruf, eine Einstiegsdroge zu sein, die Jugendliche zu Heroin-Junkies macht. Die Vereinten Nation stuften die Droge 1971 in der Konvention über psychotrope Substanzen als gefährliche Substanz ohne medizinischen Nutzen ein. Das gilt bis heute, auch wenn mittlerweile wieder mit MDMA geforscht wird, zu psychotherapeutischen Zwecken.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 1/18.

Wie könnte es heilen? Der Psychiater Michael Mithoefer untersuchte zwischen 2004 und 2014 in kleineren Studien, ob in der Psychotherapie von traumatisierten Patienten MDMA helfen kann. Denn posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) und deren Symptome wie Schlafstörungen und Flashbacks sind mit konventionellen Medikamenten und Therapiemethoden nur schwer zu behandeln. Die Studien waren erfolgreich: Zwei Monate nach der Behandlung mit MDMA litten mehr als drei Viertel der Teilnehmer nicht mehr an PTBS. Im Jahr 2017 startete Michael Mithoefer eine große Studie mit 60 Patienten zu Psychotherapie bei PTBS, um die bisherigen Ergebnisse zu überprüfen.

Wie geht es jetzt weiter? Der Psychiater und Psychotherapeut Torsten Passie hat mehrere Publikationen über das therapeutische Potenzial von MDMA geschrieben. Er sagt: "MDMA könnte auf Grundlage der Studie in den USA als verschreibbares Betäubungsmittel eingestuft und für die Traumatherapie zugelassen werden." Für die Anwendung in Deutschland ist er allerdings nicht optimistisch. "Bei uns fehlen Sponsoren, um entsprechende Studien durchzuführen", sagt Passie. "Da das die Voraussetzung für eine Neueinstufung von MDMA wäre, ist eine medizinische Anwendung in Deutschland nicht absehbar."

LSD

Wie wirkt das? LSD löst bereits in kleinen Dosen starke Wahrnehmungsveränderungen, Halluzinationen und Sinnestäuschungen aus. Die Grenzen zwischen dem Ich und der Außenwelt verschwimmen. Dabei hängt die Wirkung von der Umgebung und Stimmung des Konsumenten ab.

Woher kommt das? 1943 arbeitete der Chemiker Albert Hofmann in seinem Labor, als er sich plötzlich berauscht fühlte, plastische Bilder und Farbenspiele wahrnahm. Später vermutete er, dass er bei der Arbeit kleine Mengen der damals noch unbekannten Substanz LSD über die Haut aufgenommen hatte. So beschreibt Hofmann es in seinem Buch LSD. Mein Sorgenkind. Die Pharmafirma Sandoz gab LSD an Ärzte und Psychotherapeuten weiter. In den sechziger Jahren verbreitete sich LSD in der Hippie-Szene. Die Angst vor den Folgen dieser Verbreitung war ein Grund, warum LSD verboten wurde: 1966 wurde der Gebrauch des Stoffes in einigen US-Bundesstaaten untersagt, später auch in Deutschland.