Die Heizung abdrehen und nur noch von Spaghetti mit Ketchup leben? Das muss nicht sein. Mehr als 900 Euro haben Studenten im Durchschnitt jeden Monat auf dem Konto. Das zeigt die aktuelle Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks. Die meisten bekommen etwas Geld von ihren Eltern (86 Prozent). Mehr als jeder zweite geht arbeiten (61 Prozent). Und wenn das nicht reicht? Hier erzählen vier Studenten, wie sie ihr Studium finanzieren und was man dabei beachten muss.

Bafög

So war's bei mir: "Ich musste mich überwinden, als ich das erste Mal einen Bafög-Antrag ausgefüllt habe. Die Formblätter mit mehr als hundert Spalten waren sehr verwirrend, ich dachte, ich werde nie damit fertig. Dann hat es aber gar nicht so lange gedauert: Ich habe Meldezettel, Immatrikulationsbescheinigung und Mietvertrag organisiert, dann war der Antrag in drei Stunden fertig. Nach fünf Semestern brauche ich dafür nur noch eine Stunde. Wichtig ist, dass man den Antrag nicht aufschiebt. Bafög funktioniert wie Early-Bird-Tickets: Wer sich früh kümmert, steht nicht zu Beginn des Wintersemesters ohne Geld da. Bei mir hat es aber einmal länger gedauert, weil ein Brief mit Unterlagen von meinem Vater nicht ankam. Dafür habe ich dann eine entsprechende Nachzahlung bekommen. Das Bafög-Amt überweist mir jeden Monat 250 Euro, von meinen Eltern kommen 650 Euro dazu. Ich weiß das zu schätzen, weil ich in Ruhe lernen kann und nicht um 20 Uhr noch kellnern muss. Es ist mir wichtig, in der Regelstudienzeit zu bleiben, weil ich danach kein Bafög mehr bekomme. Dass ich fünf Jahre nach dem Abschluss monatlich die Hälfte des Geldes zinsfrei zurückzahlen muss, bereitet mir keine Sorgen. Als Tiermedizinerin finde ich bestimmt schnell einen Job und kann meine Schulden abbezahlen. Auch meinen Eltern würde ich gern etwas zurückgeben."

Wer bekommt? Jeder fünfte Student hat im Jahr 2016 Bafög erhalten. Wenn deine Eltern brutto zusammen etwa 40.000 Euro im Jahr verdienen, kannst du damit rechnen, monatlich Bafög zu bekommen. Nur wenn deine Eltern unter 20.500 Euro brutto im Jahr verdienen, kann der Höchstsatz von 735 Euro ausbezahlt werden.

Wie viel Geld erhalte ich? Der durchschnittliche Bafög-Betrag liegt laut Statistischem Bundesamt bei 464 Euro im Monat. Die genaue Höhe des Beitrags hängt vom Einkommen deiner Eltern ab. Auch was du selbst verdienst, wird eingerechnet: Wenn du neben dem Studium arbeitest, darfst du höchstens 450 Euro im Monat bekommen und als Selbstständiger 370 Euro. Auch Ersparnisse, Sachwerte wie ein Auto, eine geerbte Wohnung oder ein Stipendium, das höher als 300 Euro ist, werden angerechnet. Der Leiter des Referats für Studienfinanzierung beim Deutschen Studentenwerk, Bernhard Börsel, sagt: "Auch wenn man nur sehr wenig Bafög bekommt, lohnt es sich, einen Antrag zu stellen. Denn dort wird auch angegeben, was die Eltern zahlen sollten." Ein weiterer Vorteil: Wenn du Bafög beziehst, kannst du dich von den Rundfunkgebühren befreien lassen und einen Zuschuss zur Krankenversicherung beantragen.

Worauf muss ich achten? Nach dem vierten Semester musst du als Bafög-Empfänger einen Leistungsnachweis einreichen, der belegt, dass du in der Regelstudienzeit liegst. Oft wird dieser auch verlangt, wenn du das Fach wechselst. Das darfst du nur bis spätestens nach dem dritten Semester, ansonsten bekommst du kein Geld mehr.

Stipendium

So war's bei mir: "Zufällig stieß ich in der Zeitung auf das neue Stipendium des Avicenna-Begabtenförderungswerks. Dieses unterstützt Studenten, die sich an der Uni mit dem Islam beschäftigen, einen Migrationshintergrund haben oder Muslime sind. Das war wie auf mich zugeschnitten: Meine Eltern kommen aus Marokko, ich bin in Deutschland geboren und Muslim. Die Bewerbung war klassisch: Motivationsschreiben, Lebenslauf und zwei Gutachten. Eines über meine fachliche Qualifikation bekam ich von meinem Professor, einen Nachweis über soziales Engagement von meiner Moscheegemeinde, wo ich zehn Jahre lang das Freitagsgebet organisierte. Die zweite Runde war ein Assessment-Center. Ich wurde gefragt, warum ich Medizin studiere. Ich will Arzt werden, weil ich Menschen helfen möchte. Knapp 900 Euro bekomme ich jetzt im Monat: 600 Euro Förderung und 300 Euro Büchergeld. Das Studienwerk finanziert mir meine zweimonatige Famulatur in Australien und zwei Freisemester, damit ich mich auf meine Promotion konzentrieren kann. Hätte ich das Stipendium nicht, müsste ich wahrscheinlich nebenbei noch Taxi fahren."

Wer bekommt ein Stipendium? Etwa fünf Prozent aller Studenten, wie die aktuelle Sozialerhebung zeigt. Das sind nicht nur Superhirne oder Leute, die öfter im Wahlkampf aushelfen. Denn es gibt mehr als 40 Vergabekriterien für ein Stipendium. Notenschnitt und soziales Engagement gehören oft dazu, sind aber nicht alles.

Wo kann ich mich bewerben? Es gibt laut der Website mystipendium.de schätzungsweise mehr als 2.300 verschiedene Stipendien. Neben den großen Begabtenförderungswerken stehen oft kleine Stiftungen, die kaum jemand kennt und bei denen sich nur wenige bewerben. Deshalb lohnt es sich, nach einem für dich passenden Stipendium zu suchen.

Wie viel Geld bekommen Stipendiaten? Das entscheidet der Stipendiengeber. Die Spanne reicht von monatlich hundert Euro bis zu 1.500 Euro. Gut zu wissen: Solange du von dem Stipendium nur Miete, Essen, Bücher und Semesterbeitrag bezahlst, musst du es nicht versteuern.