33 Tipps für die Reise deines Lebens. Egal, wo es dich hinzieht

1. Welche Sprache lerne ich vor dem Abflug am schnellsten?

Indonesisch. Dass diese Sprache "überraschend leicht zu lernen" sei, schreibt sogar der Deutsche Akademische Austauschdienst. Also ab nach Bali! Die Aussprache des Indonesischen ähnelt unserer, ab und zu schleichen sich sogar deutsche Wörter wie "Tante" oder "Helm" ein. Es wird nicht dekliniert oder konjugiert, Vergangenheits- und Zukunftsformen gibt es nicht. Die Indonesier benutzen lateinische Buchstaben, kennen keine Artikel, nur wenige Nomen haben ein Geschlecht. Wenn du aus Singular Plural machen willst, reicht es meist, das Wort zweimal zu sagen: Kind heißt anak, Kinder anak-anak. In Indonesien gibt es zwar rund 720 lokale Sprachen, aber Indonesisch sprechen fast alle. Sprachkurse gibt es zum Beispiel an der Münchner Volkshochschule, der Uni Leipzig, bei der Deutsch-Indonesischen Gesellschaft in Köln oder am Steinke-Institut in Berlin. Wenn du wenig Zeit hast, kannst du die Sprache über Apps wie Babbel oder italki lernen (beide Apps gibt’s für Android und iOS).

2. Wie viel Geld brauche ich?

Drei von vier europäischen Studenten geben weniger als 50 Euro pro Urlaubstag aus. Das hat eine Umfrage der Wohnungsvermittlung Uniplaces ergeben. Rund jeder Zweite braucht sogar weniger als 30 Euro. Besonders sparsam sind Portugiesen und Spanier, während Franzosen auch mal einen Hunderter pro Tag bezahlen. Die deutschen Reisenden zwischen 14 und 34 Jahren liegen im europaweiten Vergleich in der Mitte: Einer Studie der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen zufolge brauchen sie für jeden Urlaubstag im Schnitt 78 Euro.

3. Soll ich mich impfen lassen?

"Die Standard-Impfungen sollte man nicht versäumen: Tetanus, Diphtherie, eventuell Keuchhusten. Eine Hepatitis-A-Impfung empfehle ich für jede Reise in die Tropen und Subtropen. In manchen Ländern Afrikas und Südamerikas ist die Gelbfieber-Impfung Pflicht. Unter schlechten hygienischen Bedingungen ist es sinnvoll, sich gegen Typhus impfen zu lassen. Und vor längeren Reisen an ländliche Orte braucht man eine Tollwut-Impfung. Letztendlich sind Impfungen aber Einzelfallentscheidungen, die man am besten vier Wochen vor Abreise mit dem Arzt klärt. Wenn man diese Frist versäumt hat, sollte man trotzdem zum Arzt gehen. Die Hepatitis-A-Impfung kann man sich auch ein paar Stunden vor Abreise noch geben lassen."

Prof. Dr. Gerd-Dieter Burchard ist Facharzt und arbeitet am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

4. Benötige ich eine Reiseapotheke?

Das kann nicht schaden. Bei Fernreisen packst du am besten Pflaster, Verband, Alkoholtupfer und Desinfektionsmittel ein. Schere und Pinzette können helfen. Ein Fieberthermometer ist in exotischen Ländern nicht verkehrt. Außerdem sind Medikamente gegen Durchfall, Übelkeit und Fieber sinnvoll. Bei Reisen in Malariagebiete ist Mückenschutz wichtig. Ein Notfallmittel gegen Malaria brauchst du in Gebieten mit geringem Malariarisiko und geringer Arztdichte. Bist du an einem der wenigen Orte mit hohem Malariarisiko, rät Gerd-Dieter Burchard, dass du dir schon vor der Reise eine Chemoprophylaxe besorgst, deren Tabletten du unterwegs nehmen kannst. Notiere dir am besten auch deine Blutgruppe. Falls du Medikamente nimmst, solltest du die natürlich dabeihaben. Und sicherheitshalber das Rezept.

5. Welches Hostelzimmer ist garantiert mäusefrei?

"Man ist leider nie sicher. Nach meinem Auslandssemester in Washington, D. C., wollten meine Freundin und ich mit dem Amtrak Rail Pass, dem amerikanischen Interrail-Ticket, durch die USA reisen. Wir stellten uns das romantisch vor: Nächte in Chicago und New Orleans, tagelange Zugfahrten durch die Prärie. Dann lagen wir im billigsten Hostel von D. C., das Zimmer war kaum größer als das schmale Bett, die Belüftung eines Imbiss rumorte vor dem Fenster, und unter der Zimmertür flitzten Mäuse rein und raus. Als ich mich beschwerte, sagte der Typ an der Rezeption: 'Well, it’s a dirty city', und reichte mir Klebefallen. Die funktionieren so: Man legt einen Köder auf einen Klebestreifen, die Maus kommt und bleibt hängen. Problem gelöst – not . Denn jetzt zappelte und quiekte eine Maus in Todesangst, bis ich sie hilflos in einer Plastiktüte erstickte. Dass man damit durchkommt, solche Dreckslöcher als Hostels zu deklarieren, hatte ich nicht erwartet. Seitdem habe ich bei Minusgraden in unbeheizten Zimmern geschlafen und mir unter dem Wasserhahn den abgebröckelten Putz aus den Haaren geduscht. Alles okay, nun war ich vorbereitet mit Desinfektionsspray, Ohrstöpseln und Panzerklebeband zum Abdichten von Türspalten. Und wenn das nichts nützt, mit einem Flachmann voll Schnaps, der beim Einschlafen hilft und auch ungekühlt schmeckt (bewährt haben sich Wodka und Wöltingeroder Kloster-Edelkorn)."

Oskar Piegsa, 33, ist Chefredakteur von ZEIT Campus.

6. Wie finde ich die richtige Wohnung bei Airbnb, Wimdu und Co.?

Achte auf negative Bewertungen. "Schlechte Gastgeber tauchen bei den Suchergebnissen irgendwann nicht mehr auf", sagt zwar Julian Trautwein, Sprecher von Airbnb. Stößt du dennoch auf einen Host mit negativen Bewertungen, dann suche lieber weiter. Im Zweifelsfall wiegt eine Horror-Rezension so viel wie zehn Empfehlungen. Schreibe deinem potenziellen Host ruhig zuerst eine Nachricht. So kannst du Fragen stellen und vorfühlen, wie er drauf ist. Und schau dir auf Google Earth und Street View die Umgebung an: Gefällt es dir dort? Bei Städtereisen lohnt es sich meist, mehr Geld für eine gute Lage auszugeben. Lange Fahrten ins Zentrum tun mehr weh als ein paar Euro weniger im Portemonnaie. Trautwein rät, Geld- und Buchungsangelegenheiten nur über die Website abzuwickeln. "So braucht man keine Angst vor Betrug zu haben", sagt er. Falls doch etwas schiefläuft, melde dich beim Kundenservice und fordere eine Alternativwohnung.

7. Bringt Couchsurfing nicht eh viel mehr Spaß?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 3/18.

"Hm. Wenn ich ans Couchsurfen denke, dann leider auch immer an den Ständer eines Wiener Medizinstudenten. Ich reiste mit einer Freundin einen Sommer lang durch Europa: Frankreich, Italien, Slowenien. In Österreich wird es trist auf unseren Studentenkonten. Wir steigen von Hostels auf Sofas um, die wir kostenlos über couchsurfing.com finden. In Wien wohnen wir bei Paul. Er ist Anfang 20, studiert Medizin, sein Papa finanziert ihm eine Wohnung in bester Lage. Mit Paul haben wir nicht viel zu tun, wir begegnen ihm nur abends beim Zähneputzen. Mit Schaum im Mund erzählen wir, wie es im Prater war. Intimer wird’s nicht. Oder ist das schon flirten? Nachts werde ich davon geweckt, dass jemand meine Wange streichelt. Vor mir hockt Paul, die Nase fast an meiner. 'Kommst du mit in mein Bett?', fragt er. 'Nee', sage ich perplex und flüchte ins Bad. Als ich wieder rauskomme, steht Paul im Flur. Von mir bis zur Latte in seiner Boxershorts sind es knapp zwei Meter. Paul und seine Shorts steuern auf mich zu. 'Nein! Sorry, echt nicht!', sag ich und drücke mich an ihm vorbei. Als ich wieder im Wohnzimmer liege, kommt Paul nicht nach, aber mein Herz beruhigt sich ewig nicht. Es gibt viele Geschichten von Leuten, die beim Couchsurfing eher in den Betten der Hosts als auf deren Sofas landen. Warum auch nicht! Aber nächtliche Überraschungsbesuche? Nein, danke. Meine Freundin und ich schliefen den Rest der Reise wieder in Hostels. Vom Couchsurfing würde ich trotzdem nicht abraten. Nicht jeder Host ist ein Arsch. Aber sicherer ist wohl, man surft nur bei Frauen, nimmt seinen Freund mit oder meldet sich vorher bei Mixed Martial Arts an."

Viola Diem, 29, ist Redakteurin bei ZEIT Campus.

8. Wie komme ich auch ohne Flugzeug weg?

"Eine Flugreise ist wohl das Schlimmste, was man unserer Erde im Urlaub antun kann. Deswegen habe ich vor vier Jahren beschlossen, aufs Fliegen zu verzichten. Was andere vielleicht als Einschränkung betrachten, sehe ich als Herausforderung. Denn wer nicht fliegt, wird kreativ: Ich radelte von Tübingen aus über die Alpen nach Mailand, nahm Schiff und Zug nach Stockholm und fuhr mit Nachtzügen durch Tschechien, Ungarn und Polen. Wäre ich an all diese Orte geflogen, hätte ich abenteuerliche Reisen nie erlebt. Mein Urlaub beginnt nicht erst, wenn ich irgendwo im Hostel einchecke, sondern sobald ich meinen Fuß über die Schwelle meiner Haustür setze. Wer die passende Lektüre für lange Zugfahrten sucht, der kann sich von Dan Kierans Slow Travel: Die Kunst des Reisens inspirieren lassen."

Tasnim Rödder, 23, ist Hospitantin bei ZEIT Campus.