Eine ehrliche Antwort auf die Frage kann bei manchen Jobs den Small Talk killen. Was antworten Bordellbesitzer und Urologen?

Der Bordellbetreiber:

"Wenn mich jemand fragt, sage ich fast immer: 'Ich bin in der Vermietung tätig.' Gelogen ist das nicht, denn ich vermiete Zimmer an Frauen, die selbstständig ihre Dienste anbieten. Das Wort 'Prostitution' versuche ich im Gespräch zu vermeiden, denn es polarisiert in unserer Gesellschaft immer noch stark. Viele denken sofort an Zwangsprostitution und haben ein Problem mit dem Geschäftsmodell. Wenn ich es dann doch mal sage, finden Männer es witzig, Frauen eher nicht so. Eine Frau hat mir einmal vorgeworfen, ein unemanzipiertes Frauenbild zu unterstützen. Das sehe ich überhaupt nicht so. Ich gebe Frauen die Möglichkeit, den Job auszuüben, für den sie sich entschieden haben. Was soll denn daran unemanzipiert sein?"

Die Tierärztin:

"An Hunden, Ratten und Affen teste ich Medikamente, bevor Pharmakonzerne die Mittel verkaufen. Dass ich in der Tierversuchsmedizin arbeite, erzähle ich aber nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Neulich war ich in einer Kneipe, und ein Bekannter hat so lange gefragt, bis ich es erzählt habe. Er hat dann durch den Laden gebrüllt: 'Boah, du bist echt tough, du machst Affenversuche.' Das war unangenehm, denn viele sehen meinen Job kritisch. Die Meinung ändert sich dann aber oft, wenn Freunde ernsthaft krank werden und Medikamente brauchen, deren Nebenwirkungen bekannt sind."

Der Urologe:

"Ich bin total ehrlich und sage: 'Ich beschäftige mich hauptberuflich mit Penissen.' Einige versuchen dann ernst zu bleiben, lieber sind mir die, die grinsen und Fragen stellen wie: 'Hattest du schon mal jemanden in der Praxis mit einem richtig großen oder kleinen Penis?' oder 'Hattest du schon mit Sexunfällen zu tun?' Spätestens wenn ich erzähle, dass ein großer Teil meiner Arbeit darin besteht, älteren Männern den Finger in den After zu stecken, um die Prostata abzutasten, lachen sie nicht mehr. Aber die Leute sind oft froh, einen Bekannten zu haben, der sich untenrum auskennt. Auf Partys gibt das zwar niemand zu, aber bei WhatsApp fragen mich viele um Rat."

Der Pathologe:

"Erst erzähle ich nur, dass ich in der Uni-Klinik arbeite, und hoffe, dass niemand nachfragt. Wenn doch, denken viele sofort an Professor Boerne aus dem Tatort und glauben, dass ich jeden Tag Leichen aufschneide. Die wenigsten wissen, dass das nur fünf Prozent meiner Arbeit ausmacht. Meist analysiere ich Gewebeproben lebender Patienten unterm Mikroskop. Wenn dann doch mal eine Leiche auf meinem Tisch liegt, ist diese auf natürlichem Weg gestorben. Ich bin ja kein Gerichtsmediziner! Das wollen die meisten Leute aber gar nicht wissen. Viele glauben, ich sei irgendwie komisch, weil ich mit Toten arbeite."

Der Palliativ-Pfleger:

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 4/18.

"Ich begleite Menschen beim Sterben. Fragt mich jemand, erzähle ich das auch. Viele reagieren dann geschockt. Ich kann das verstehen, aber Sterben gehört zum Leben. Mit Tumorwunden und Blut kann ich umgehen, weil ich weiß, dass ich helfe. Schwerer fällt es mir bei Patienten in meinem Alter. Neulich waren wir bei einem Mann um die 30 mit Krebs im Endstadium. Der Arzt sagte ihm, er hätte nur noch ein paar Tage. Er sagte: 'Ich kann nicht gehen, ich habe meine Freundin noch nicht geheiratet.' Das ganze Team hat sich dann ans Telefon gehängt, um einen Standesbeamten zu finden. Am nächsten Tag war die Hochzeit, drei Tage später ist er gestorben. Das hat mich fertiggemacht. Viele sagen dann: 'Das könnte ich nicht.' Ich antworte: 'Und du gehst ins Büro? Das könnte ich nicht.'"

Der Fleischer:

"Ich bin Fleischer und ja, ich schlachte Tiere. Die Frage: 'Wie kannst du das nur tun?' beantworte ich mit einer Gegenfrage: 'Was liegt auf deinem Teller?' Die meisten Menschen essen Fleisch, und ich erkläre dann: 'Jedes Stück Fleisch war mal ein Tier, auch wenn es aus der Plastikpackung kommt.' Schlachten tut niemand gern, auch ich nicht, aber ein Schnitzel fällt nicht vom Himmel. Bei uns im Betrieb töten wir die Tiere so stressfrei wie möglich. Neulich hat mich eine Vegetarierin auf einer Party gefragt, wie ich morden könne. Der habe ich das mit dem Fleisch dann nicht erklärt."

Die Bestatterin:

"Männer kennenlernen, mit meinem Job? Fast unmöglich, manche ekeln sich regelrecht. Ich habe schon Sprüche gehört wie: 'Ich darf nicht daran denken, wo du heute mit deinen Händen warst, sonst vergeht mir die Lust auf mehr.' Deshalb sage ich inzwischen oft: 'Ich bin Dekorateurin.' Dass es Leichen und Trauerfeiern sind, die ich herrichte, lasse ich weg. Neulich, bei einem zweiten Date im Biergarten, habe ich dann doch die Wahrheit gesagt, und der Typ hat sich plötzlich schnell verabschiedet. Er fragte nur, ob er Angst haben müsste, dass ich ihn im See versenke. Verstehen kann ich solche Reaktionen nicht, mir macht mein Job Spaß, jeden Tag. Auch wenn das für andere komisch klingt."

Der Drogenfahnder:

"Mit Freunden war ich auf dem Splash!-Festival, und die 'Was machst du so?'-Frage kam am ersten Tag, als wir mit unseren Zeltnachbarn bei einem Bier zusammenstanden und die einen Joint ausgepackt haben. 'Ich bin Sportstudent', habe ich gesagt. Zum Glück kamen keine Nachfragen, sonst wäre ich bestimmt nervös geworden. Die Erklärung hatte ich mit meinen zwei Kumpel schon auf der Hinfahrt einstudiert. Beide arbeiten wie ich bei der Kripo. Als Polizist und als Drogenfahnder ist man auf Festivals nicht so der Sympathieträger, aber mich interessiert es null, wenn sich jemand seinen Eigenbedarf reinhaut."