Prokrastinieren tut jeder mal. Aber ab wann wird das Ganze wirklich zum Problem? Und was hilft dann? Kleine Ziele, konkrete Schritte und vielleicht sogar Hilfe von außen.

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Wie raffe ich mich auf?

Wer sich einen Arbeitsplan macht, sollte sich als Erstes fragen, was er bis wann schaffen will und kann. Dabei sei es wichtig, sich kleine Ziele zu setzen und konkrete Schritte zu planen, sagt Margarita Engberding, die Leiterin der Prokrastinationsambulanz der Uni Münster. Zum Beispiel: von 11 bis 12 Uhr zehn Seiten des Skripts lesen und Notizen machen, von 12 bis 13 Uhr Mensa, von 13 bis 14 Uhr den Stoff in eigenen Worten wiedergeben.

Und wenn das nicht klappt?

Der Psychotherapeut Hans-Werner Rückert sagt: "Wenn es trotz Arbeitsplan nicht gelingt anzufangen, kann ein Startsignal helfen." Man solle sich etwa den Wecker stellen oder einen Freund fragen, ob er anruft und einen ans Lernen erinnert. Auch hilfreich: die Arbeitszeit bewusst verkürzen. "Gerade Aufschieber denken, wegen des hohen Zeitdrucks täglich zehn Stunden am Schreibtisch sitzen zu müssen", sagt Engberding: "In der Regel nehmen Studenten sich doppelt so viel vor, wie sie schaffen können." Deshalb sollte man den Umfang besser von vornherein um die Hälfte reduzieren. Margarita Engberding empfiehlt, sich am Anfang auf nur zwei kurze Lernphasen am Tag zu beschränken und die Arbeitszeit nach und nach zu erhöhen. Danach: Ab ins Schwimmbad!

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 4/18.

Wann wird Aufschieben zum Problem?

"Wer Hausarbeiten ein bisschen aufschiebt, aber trotzdem noch rechtzeitig fertig wird, muss sich keine Sorgen machen", sagt Psychotherapeut Rückert. Wenn durch das Aufschieben jedoch über einen längeren Zeitraum psychische Beschwerden wie Schlaflosigkeit, Schuldgefühle oder Selbstzweifel auftreten, sollte man sich professionelle Hilfe suchen, rät er. Auf der Website der Prokrastinationsambulanz Münster kann man einen anonymen Selbsttest machen und erhält eine Analyse seines Aufschiebeverhaltens.

Wo bekomme ich Hilfe?

An fast jeder Hochschule gibt es Workshops gegen das Prokrastinieren. Dort lernt man, wie man mit Blockaden umgeht und seine Zeit sinnvoll einteilt. Infos dazu bekommt man beim Fachbereich oder dem Studentenwerk. Einige Unis veranstalten außerdem eine Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten, wo Experten zum Beispiel dabei helfen, die Seminararbeit zu strukturieren. Doch nicht immer ist schlechte Planung der Grund für das Aufschieben. "Prokrastinieren kann auch Symptom einer Depression sein", sagt Carmen Kropat von der Universität Bielefeld. "In diesem Fall hilft eine Therapie." Manchmal genügt auch ein Gespräch mit dem Dozenten, wenn man aufschiebt, weil einen der Stoff überfordert.