Junge Politiker und Künstler beantworten diese Fragen:

Kevin Kühnert

ZEIT Campus: Welche Erfahrung hast du mit Hass im Netz gemacht?

Kevin Kühnert: Trolling und Hate-Speech erlebe ich leider täglich. Nachdem ich in der Talk-Sendung Maischberger mit einem AfD-Politiker aneinandergeraten bin, hat es Hass-Mails geradezu gehagelt. Für viele junge Politikerinnen ist die Situation aber noch um einiges schlimmer.

ZEIT Campus: Wie gehst du damit um?

Kühnert: Die meisten Sachen ignoriere ich. Morddrohungen gehen immer an die Polizei. Das bringt zwar meistens nichts, weil die Absender anonym sind, geht dann aber zumindest in die Statistiken ein.

ZEIT Campus: Was hilft dagegen?

Kühnert: Wir müssen als Gesellschaft aufpassen, dass die Diskussion im Netz nicht von diesen Leuten bestimmt wird. Deswegen finde ich die Initiative #ichbinhier super wichtig.

Kevin Kühnert, 28 (Twitter: @KuehniKev), ist Juso-Chef und wurde bekannt, als er die große Koalition verhindern wollte.

Kübra Gümuşay

ZEIT Campus: Welche Erfahrung hast du mit Hass im Netz gemacht?

Kübra Gümüşay: Ich bin eine Projektionsfläche für viele. Deshalb kann ich sogar nachvollziehen, dass Menschen, die mich nicht klar in einfache, althergebrachte Schubladen einordnen können, irritiert sind. Aber Hass und Hetze muss ich nicht tolerieren.

ZEIT Campus: Wie gehst du damit um?

Gümüşay: Zuletzt habe ich geklagt. Erfolgreich, unwahre Behauptungen über mich mussten aus dem Netz gelöscht werden. Ansonsten blocke ich inzwischen alle, die bloß hasserfüllten Müll auf dieser Welt hinterlassen.

ZEIT Campus: Was hilft dagegen?

Gümüşay: Geht raus und führt euch vor Augen, wie unfassbar groß und weit diese Welt ist und wie klein und unbedeutend die Hassenden sind. Dann: blocken. Wenn’s geht: klagen. Ansonsten: erst recht die Welt genießen.

Kübra Gümüșay, 29 (Instagram: @kuebrag, Twitter: @kuebra), schreibt als Journalistin über Politik, Feminismus und Rassismus.

Donna Adrienne

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 4/18.

ZEIT Campus: Welche Erfahrung hast du mit Hass im Netz gemacht?

Donna Adrienne: Ich habe im Februar ein Foto von mir auf Instagram gepostet, auf dem ich mit Bifis in der Badewanne liege. Es sollte witzig sein, Geld habe ich nicht bekommen. Dann schrieb eine Freundin: "Schau mal auf Twitter." Dort haben sich alle über mich aufgeregt. Es erschienen sogar Medienbeiträge, die sich über mein Foto lustig machten. Kaum ein Journalist hat mir vorher die Chance gegeben, mich zu äußern. Das hat mich ziemlich frustriert.

ZEIT Campus: Wie gehst du damit um?

Adrienne: Nach dem ersten Schock habe ich mir gesagt: Es ist nur das Internet. Ich habe mich dann einfach auf mein "reales" Leben konzentriert, das hat geholfen.

ZEIT Campus: Was hilft dagegen?

Adrienne: Definiert euch nicht über Social Media!

Donna Adrienne, 23 (Instagram: @donnaxadrienne), studiert Medizin, hat 37.000 Follower und wurde bekannt als "Bifi-Girl".

Sophie Passmann

ZEIT Campus: Welche Erfahrung hast du mit Hass im Netz gemacht?

Sophie Passmann: Letztes Jahr wurde ich auf Tinder gefragt, was ich tun würde, wenn ich einen Tag lang ein Mann wäre. Ich schrieb "Den vollen Lohn für meine Arbeit bekommen" und teilte das auf Twitter. Der Tweet bekam 900 Retweets, unter #MannfuereinenTag äußerten sich dann auch andere Frauen. Danach folgten die Hass-Nachrichten, Leute wünschten mir, dass meine Familie stirbt.

ZEIT Campus: Wie gehst du damit um?

Passmann: Damals hat es mich getroffen. Aber mich juckt Hass jetzt weniger, ich bin abgehärtet.

ZEIT Campus: Was hilft dagegen?

Passmann: Es hilft, sich klarzumachen, dass diese Leute tatsächlich ihre Freizeit dafür opfern, Hass-Botschaften zu schreiben. Da bekommt man fast Mitleid, weil das so traurige Würste sein müssen.

Sophie Passmann, 24 (Instagram: @fraupassmann, Twitter: @sophiepassmann), ist Moderatorin, Autorin, Poetry-Slammerin.

Marie Curry & Captain Gips

ZEIT Campus: Welche Erfahrung hast du mit Hass im Netz gemacht?

Marie Curry & Captain Gips: Vor allem unter YouTube-Videos zu explizit politischen Songs gab es bei uns schon öfter Drohungen und Beschimpfungen von rechts. Anfangs war das beängstigend, inzwischen haben wir ein dickeres Fell.

ZEIT Campus: Wie gehst du damit um?

Marie Curry & Captain Gips: Wir haben zum Glück viele coole Leute, die uns folgen und solche Kommentare direkt wegkontern. Manchmal, bevor wir sie überhaupt gelesen haben. Wenn man allein gelassen wird, muss das viel härter sein.

ZEIT Campus: Was hilft dagegen?

Marie Curry & Captain Gips: Den Leuten, die im Netz hyperaktiv mit Hass um sich schmeißen, muss man konsequent etwas entgegensetzen. Manchmal hilft schon, sich in den Kommentarspalten auf die Seite des oder der Gemobbten zu stellen und Unterstützung zu zeigen.

Marie Curry & Captain Gips sind bei der Rap-Gruppe Neonschwarz (Instagram: @neonschwizzy, Twitter: @neonschwarzHH).

Damian Lohr

ZEIT Campus: Welche Erfahrung hast du mit Hass im Netz gemacht?

Damian Lohr: Wenn man in der AfD ist, wächst man mit Anfeindungen auf. Ich werde häufig angegriffen, vor allem auf meiner Politikerseite auf Facebook. Zum Beispiel haben einzelne Leute hier jedes Bild kommentiert und mich als "Idiot" oder "dummes Stück Scheiße" bezeichnet.

ZEIT Campus: Wie gehst du damit um?

Lohr: Das perlt an mir ab. Ich habe einen professionellen Umgang damit gefunden und denke mir dann meinen Teil. So distanziere ich mich von unsachlichen Kommentaren.

ZEIT Campus: Was hilft dagegen?

Lohr: Man sollte versuchen, über solch einem Blödsinn drüberzustehen. Wenn man darauf reagiert, gibt man den Tätern nur eine größere Plattform. Gelassenheit ist hier die Lösung.

Damian Lohr, 24 (Twitter: @damian_lohr), ist der Bundesvorsitzende der Jungen Alternative für Deutschland.