Alles was man wissen muss, bevor man mit dem Doktor anfängt

Knapp 200.000 Menschen sitzen gerade an ihrer Doktorarbeit, so viele wie noch nie in Deutschland. Sieben von hundert Studenten beginnen eine Dissertation. Das meldet das Statistische Bundesamt. Der größte Teil der Promovenden kommt aus den Naturwissenschaften und aus der Mathematik (jeder dritte Doktorand), aus den Ingenieurwissenschaften (jeder fünfte) sowie aus den Sprach- und Kulturwissenschaften (ebenfalls rund jeder fünfte). Am seltensten promovieren Tiermediziner. Doch soll man sich eine Promotion antun? Dieses ABC klärt, für wen sich das lohnt, wie man einen guten Einstieg ins Schreiben findet und was man sonst noch wissen sollte, ehe man sich an die Arbeit macht.

A wie Anfangen

Um mit der Promotion loslegen zu können, brauchst du zuerst ein Thema. Abgesehen von Medizinern, die manchmal schon in einem halben Jahr mit ihrer Dissertation fertig sind, arbeiten junge Wissenschaftler im Schnitt vier bis fünf Jahre an ihrer Doktorarbeit. So lange wirst du einen großen Teil deines Tages diesem einen Thema widmen. Überlege dir also: Ist diese Vorstellung reizvoll für dich? Oder eher abschreckend? Wenn du zum Beispiel als Literaturwissenschaftlerin die Darstellung von Amokläufen in Romanen und Filmen untersuchst, dann bedeutet das, dass du in den nächsten Jahren sehr viele grausame Bilder sehen und über tragische Gewalttaten nachdenken wirst. Kannst du dir das vorstellen? Oder wenn du als Chemiker untersuchst, wie man die Ladezeiten von Akkus verbessern kann, dann forschst du zwar an einem Thema, das uns alle betrifft, das sich aber als frustrierend herausstellen kann, weil sich schon viele vor dir die Zähne daran ausgebissen haben (denn sonst würden Smartphones ja nicht ständig schlappmachen).

Manchmal wird dir die Themenwahl dadurch erleichtert, dass der Professor, den du für die Betreuung gewinnen möchtest (siehe B wie Betreuung), an einem Forschungsvorhaben arbeitet, das ein ganzes Team beackert. Solche Forschergruppen gibt es oft in den Naturwissenschaften: Man teilt sich ein Labor und ein übergeordnetes Erkenntnisinteresse, aber jeder hat seine kleine, klar definierte Fragestellung, zu der er experimentiert. Auch in anderen Fächern gibt es immer wieder solche Gruppenprojekte.

Wenn du als Einzelgänger promovierst, hast du in der Regel mehr Freiheiten bei der Themenwahl. Vielleicht gab es eine Hausarbeit oder einen Aspekt deiner Masterthesis, der dich besonders gepackt hat und den du noch vertiefen möchtest? Grundsätzlich gilt: Lieber nur einen Mini-Aspekt beackern, den aber gründlich. Um sicherzugehen, dass deine Frage sonst noch niemand vor dir behandelt hat, recherchierst du am besten in der Datenbank der Deutschen Nationalbibliothek unter ddb.de

Übrigens: Die Arbeit zu Amokläufen wurde wirklich geschrieben. Silke Braselmann promovierte an der Uni Gießen zu Fiktionalen Darstellungen von Schulamokläufen und ihren gesellschaftlichen Funktionen. Auch die Arbeit über Akkus haben wir uns nicht ausgedacht. Johannes Wandt bekam seinen Doktortitel an der TU München für die Arbeit Bessere Batterien: Direkte Einblicke in Alterungsprozesse von Lithium-Ionen und ›Post-Lithium-Ionen‹-Zellen . Beide wurden mit dem Deutschen Studienpreis 2018 geehrt, der die besten Promotionen des Jahres auszeichnet. Ein gut gewähltes Thema kann dich also weit bringen!

B wie Betreuung

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 6/18.

Theoretisch kannst du jeden Professor bitten, dein Betreuer zu sein. Aber er darf ablehnen – und wird das eher machen, wenn er dich noch nicht kennt und nicht einschätzen kann, wie du wissenschaftlich arbeitest. Es sei denn, dein Thema begeistert ihn. Im Idealfall kennst du deinen potenziellen Doktorvater bereits durch ein gemeinsames Seminar. Vielleicht hast du auch am Lehrstuhl gejobbt? Wenn nicht, hilft es, Fachveranstaltungen zu Themen zu besuchen, die dich interessieren. Zögere nicht, Referenten dort anzusprechen. Dafür werden solche Veranstaltungen schließlich gemacht! So kommst du mit Wissenschaftlern in Kontakt, die sich als Betreuer eignen könnten. Recherchiere zudem in Fachzeitschriften: Wer schreibt zu interessanten Themen? Wer wird in verwandten Dissertationen zitiert? Die meisten Betreuer freuen sich, wenn du beim ersten Gespräch schon eine klare Vorstellung von deinem Thema hast und wenn es zu ihrem eigenen Forschungs- und Interessenbereich passt.

Fast genauso wichtig wie die fachliche Kompetenz des Professors ist, dass ihr euch persönlich versteht. Am besten geht man vorab mehrmals in seine Sprechstunde, um Fragen zu klären und auf sein Bauchgefühl zu horchen. Zusätzlich können dir andere Doktoranden berichten, wie sie bislang mit ihm klargekommen sind.