Sie bauen Häuser aus Lego und treffen Geschäftskunden in Badehose: Aus der Arbeit von Ingenieuren

Wasserrutschen bauen

"Manchmal kommt es vor, dass ich einen Kunden im Anzug kennenlerne und in Badehose verabschiede. Ich baue Wasserrutschen. Übergeben werden diese erst dann, wenn die Auftraggeber runtergerutscht und happy sind. Mir ist wichtig, dass mein Job nicht total trocken ist. Darum hatte ich schon im Studium den Wunsch, etwas zu entwickeln, das Begeisterung auslöst. Um Rutschen zu bauen, reise ich um die ganze Welt, viele Projekte sind in Europa und China, manche auch auf Kreuzfahrtschiffen.

Standardmäßig bauen wir Rutschen als geschlossene Röhren, offene Mulden oder große Trichter. Mein Fachgebiet sind jedoch die ausgefallenen Varianten: Ich habe eine Rutsche entwickelt, bei der man sich eine wasserdichte Virtual-Reality-Brille aufsetzt und durch eine andere Welt rutscht, etwa eine Galaxie oder eine Unterwasserwelt. Eine weitere ausgefallene Rutsche ist unser Slidewheel, die erste drehende Rutsche. Das ist quasi ein Riesenrad, das von einer Wasserrutsche umschlungen wird. Die Drehung verursacht unvorhergesehene Wendungen; es geht vorwärts, rückwärts, auf und ab. Solche Projekte brauchen viel Planung: Licht, Elektronik, Animationen, Stahlbau, alles muss ich koordinieren.

Wir versuchen immer etwas zu erfinden, was es noch nicht gegeben hat. Deshalb machen wir jede Woche ein Kreativ- Meeting, in dem wir uns einen halben Tag lang einschließen und Entwürfe für neue Wasserrutschen zeichnen. Unser Team besteht aus Ingenieuren und technischen Zeichnern. Alles fängt mit einer Skizze an. Wir planen die Rutsche ins Gelände ein und entscheiden über die Farben. Oft hört man ja, dass Ingenieure nicht kreativ seien und keinen Sinn für Ästhetik hätten. Das ist Quatsch. Technik und Aussehen gehören zusammen.

Wenn wir eine gute Idee haben, simulieren wir die Rutsche mit einem Computermodell. Wenn wir den Kunden überzeugt haben, wird sie gebaut. Tests sind Pflicht, weil die Realität doch von der Simulation abweichen kann. Als Erstes rutschen Dummys mit montierten Kameras herunter. So können wir sehen, ob sich noch irgendwo Gefahrenstellen verstecken. Wir Projektleiter sind dann häufig die Ersten, die persönlich rutschen. Ein Highlight!"

Kevin Finkbeiner, 31, hat Maschinenbau an der Hochschule München studiert und arbeitet seit Anfang des Jahres als Projektleiter bei dem Wasserrutschen-Hersteller Wiegand.Maelzer.

Tischtennisplatten prüfen

"Mit Tischtennistischen kenne ich mich bestens aus, obwohl ich selbst gar kein Tischtennis spiele. Ich teste für den TÜV Sport- und Fitnessgeräte. Wie so ein Tisch geprüft werden muss, gibt das Deutsche Institut für Normung vor. Die Vorschrift wird alle paar Jahre geändert, je nachdem, ob es Unfälle gab oder nicht. Zu meinem Job gehört es, Prüfberichte zu schreiben. Dafür mache ich zu jedem Detail des Tischtennistischs Notizen – dem Netz, den Beinen, der Platte. Bei Tischen für Wettkämpfe kommt es auf jeden Millimeter an. Ich prüfe auch, ob der Tisch stehen bleibt, wenn sich mal jemand auf die Platte setzt. Dafür setze ich mich aber nicht persönlich drauf. Sollte der Tisch wirklich mal umfallen, wäre das für uns zu gefährlich. Das Prüfgewicht muss genau 80 Kilo betragen, dafür haben wir Sandsäcke. Ein bisschen agiler muss ich werden, wenn wir die Ballrücksprunghöhe prüfen. Da lasse ich den Ball aus 40 Zentimeter Höhe auf bestimmte Punkte der Platte fallen. Anhand einer Tonaufnahme des Aufpralls kann ich feststellen, wie hoch der Tischtennisball geflogen ist. Höher als 260 Millimeter darf der Ball auf keinen Fall springen. Für manche Prüfungen brauche ich eine spezielle Vorrichtung. Zum Beispiel eine Rampe, um die Standsicherheit eines Tischtennistisches auf unebenem Boden zu testen. Die Prüfungen finden in einem großen Labor statt, in dem wir viel Material lagern: Tausende Muttern, Holz und Metall. Neben Sportgeräten prüfe ich für den TÜV viele verschiedene Produkte, auch mal ein Möbelstück oder einen Grill. Da es nicht für jede Prüfung die passende Vorrichtung gibt, muss ich manchmal kreativ werden und selbst etwas bauen. Nach Feierabend mach ich übrigens selbst Sport, aber ganz ohne komplizierte Geräte: Ich mag Fitnesstraining an der frischen Luft."

Janine Brückner, 28, hat Sports Engineering an der Technischen Universität Chemnitz studiert. Seit drei Jahren arbeitet sie beim TÜV Thüringen.

Häuser aus Lego entwerfen

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 6/18. Das aktuelle Heft können Sie am Kiosk oder hier erwerben.

"Als Kind habe ich mit Lego Häuser gebaut. Jetzt baue ich Häuser, die aussehen wie Lego. Ich bin nämlich Bauingenieur im Legoland Deutschland. Als Projektleiter verantworte ich die Entstehung neuer Attraktionen, von der Ideenfindung bis zur Bauausführung. Ein hochkomplexes Projekt war etwa das Pirateninsel-Hotel. Das ist unsere neueste Attraktion. Wir mussten das komplette Gebäude mit 142 Zimmern, Restaurant und großen Außenanlagen in nur acht Monaten Bauzeit fertigstellen. In dieser Zeit haben wir Millionen von Steinen verbaut, allein in jedem Zimmer haben wir vier Lego-Modelle aufgestellt. Ich muss die natürlich nicht alle selbst zusammenbauen, das machen unsere Modelldesigner. Ich koordiniere die Projekte und bin dafür verantwortlich, dass Bauplanung und Budget zusammenpassen. Dabei arbeite ich eng mit unseren Designern und den Architekten zusammen.

Beim Pirateninsel-Hotel durfte die Fassade wegen der Vorgaben des Brandschutzes nicht aus echten Lego-Steinen bestehen. In so einem Fall entscheide ich, wie die Baumaterialien verarbeitet werden sollen, damit sie zumindest nach Lego aussehen. Meine Arbeit ist nicht nur technisch: Wenn unsere Designer mal nicht vor Ort sind, muss ich auch mal die richtigen Farben für ein Fliesenmuster aussuchen. Ganz frei bin ich dabei allerdings nicht: Da alles zu den Lego-Standards passen muss, gibt es festgelegte Maßstäbe und Farbcodes.

Neben Hochbau-Projekten wie Hotelgebäuden befasse ich mich mit dem Bau neuer Fahrgeschäfte. Dabei richte ich mich nach unserem Fünfjahresplan, der die Neuheiten weitestgehend festlegt. Gemeinsam mit den Designern und der Marktforschung liefere ich die Ideen für die Umsetzung. Dabei gehört es zu meinem Job, die Sichtweise eines Kindes einzunehmen. Ich bin sehr viel im gesamten Resort unterwegs, um zu beobachten, welche Attraktionen gut ankommen. Sehr beliebt ist zum Beispiel unsere Kletterwand, die wie ein echter Fels geformt ist. Da klettere ich dann auch schon mal selbst hoch und überlege, wo noch Griffe ergänzt werden könnten. Das schönste Gefühl ist es, wenn ein Projekt fertig ist und ich sehe, dass die Kinder daran Spaß haben."

Christian Jalba, 34, hat Bauingenieurwesen an der Hochschule für Technik Stuttgart studiert. Er ist seit drei Jahren Ingenieur im Legoland Deutschland in Günzburg.